Zu einer etwas anderen Weltordnung



  • Stimmt schon, es ist eine Neue Weltordnung
    Raúl Ilargi Meijer, 15.09.2019
    https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/neue-weltordnung-15-09-2019/

    Houthi Rebels Overturned the Middle East Geopolitical Chessboard
    Pepe Escobar, 19.09.2019
    https://www.globalresearch.ca/houthi-rebels-overturned-the-middle-east-geopolitical-chessboard/5689631

    Liebe freunde am Aufstehen Stammtisch und ueberall,

    zwei texte mit einem gleichen Kern. Der Umbruch der Weltordnung von der Uni-Polaritaet zur Multi-Polaritaet. Grossartig der letzte Satz von Raúl Ilargi Meijer:
    "Die Neokons in den USA reden seit Jahrzehnten von einer Neuen Weltordnung. Nun, jetzt haben sie eine."

    Meinen grossen Dank an Friedrich vom Blog "Fritz the Cat", der unermuedlich mit Uebersetzungen beschaeftigt ist.

    Wir "AufsteherInnen" hampeln noch etwas im Sandkasten herum, streiten uns um Kleinigkeiten, anstatt uns Gedanken zu machen, wie wir eigentlich leben wollen. In welchem Umfeld und wie wir es gestalten koennen. Wir machen uns Gedanken um Organisation, anstatt uns erst mal zu fragen, was wir eigentlich organisieren wollen.

    Es ist das Resultat eines tief verinnerlichten Konsumismus. Das Wasser kommt aus dem Hahn, der elektrische Strom aus der Steckdose, das Essen aus dem Supermarkt, die Bekleidung aus dem Kaufhaus. Das ist die absolute Dekadenz.

    Die stuermische Bewegung der Jugend in Friday for Future kraenkelt an dem gleichen Symptom, weil sie ihre Fragen nicht tief genug voran treiben. Lassen sich von der Hysterie anstecken wie eines Florian Kirner:

    Der Aufstand beginnt!
    Florian Kirner, 14.09.2019
    https://www.rubikon.news/artikel/der-aufstand-beginnt

    Der Aufstand wofuer? Wohin soll die Reise gehen? Jemand wie Florian Kirner, der nie in seinem Leben dafuer gearbeitet hat, was er selbst zum Leben braucht und auch nie dafuer, um das tun zu koennen, was er tut, hat mit diesen Fragen keine Probleme. Sie existieren nicht fuer ihn. Fuer ihn existiert nur die Jagd nach Geld, um das zu kaufen, was andere unter voellig anderen Bedingungen wie er selbst als seine Lebensgrundlagen herstellen.

    Das muss sich auch die Jugend fragen. Jedes Nehmen setzt ein Geben voraus. Wir fragen also, was geben wir selbst? Andre Gorz hat schon vor ueber 30 Jahren darauf hingewiesen, dass wir am Ende unseres Lebens eine zumindest ausgeglichene Balance von Geben und Nehmen uns selbst vorzeigen muessen, um sagen zu koennen, wir haben zumindest nicht auf Kosten der Anderen gelebt.

    Und seien wir uns im Klaren: Geschwaetz und Theaterinszenierungen helfen uns dabei nichts.

    mit lieben gruessen, willi
    Asuncion, Paraguay


  • GLOBALER MOD LOKALER MOD

    Lieber @willi-uebelherr , das wozu du NIE Stellung nimmst, ist die Frage der fortgeschritten-modernen Wissens- und Arbeitsteilung: Wieviel und was willst du (nicht nur du, sondern jeder, der sich die Frage stellt) inkaufnehmen für soviel Effektivität und Effizienz?
    Selbst die gemeinste Ausbeutung wird ja heute gerechtfertigt mit komparativen Kostenvorteilen für ALLE, die Ungleichheit auch nur der Vermögen, erst recht der Bestimmungsmacht über die Richtung, die Investitionen nehmen sollen, und darüber, wieviel für diese Investitionen vom Konsum, womöglich dem nötigsten der Nichtsoreichen, abgeknapst werden soll werden soll - all das soll mehr oder weniger inkaufgenommen werden müssen für FORTSCHRITT.
    Wo geht denn auch eurer Meinung nach das viele Kapital hin, das auf Kosten sovieler anderer Ziele erwirtschaftet wird, und aus dem Weltreproduktionsprozess herausgepresst wird? Ihr werdets nicht glauben: In Fortschritt. Jedenfalls nicht in Schlösser und Luxusfeste, oder zum wenigsten dahin. Eher schon, noch, in Rüstung, aber wofür dient die denn, wenn nicht zur Absicherung dieser weltweiten Schinderei. Kapitalakkumulation sagen manche dazu - als wäre die was ganz andres. Ist sie nicht. Denn auch sie, von ihren Fans gern "schöpferische Zerstörung" genannt, funktioniert überhaupt nur, wenn sie sich dieses Fortschritts bedient - spätestens in Zeiten explodierend verwertbaren technischen Wissens. Also diesen.
    Die massivste Arbeits- und Wissensteilung, darum auch Entscheidungsteilung in immer abstruseren Ausmassen voraussetzen.
    Die Frage oben lässt sich auch so stellen: Wenn wir, wir alle, zusammen, weltweit, unsere Lebensgrundlagen reproduzieren, und dabei Fortschritte machen - auf welcher Stufe der Produktivität und des "Hightech-" Fortschritts (bzw mit welcher Geschwindigkeit) soll das geschehen bzw auf welche Produktivität und welchen Fortschritt hin soll das alles noch weiter überboten werden? Und wenn auf einer hohen Stufe, muss doch, auch und gerade angesichts angerichteter Schäden, in der Geo-, Bio- und Anthroposphäre, die Folgefrage gestellt werden: WIE ORGANISIEREN WIR DAS EIGENTLICH?

    Den Brückenbauern kann man hier von der Seitenlinie kurz noch zurufen, Bewegungen sind schön und gut, aber... wenn keine von ihnen Antworten auf diese Fragen hat: ...gut wofür?

    Edit:
    Einschlägig in disem Zusammenhang und aktuell:
    https://www.heise.de/newsticker/meldung/Missing-Link-Den-Kapitalismus-reparieren-die-grosse-Illusion-der-Maker-4522816.html
    An diesem Text fällt gegen Ende hin die schludrige Abwicklung des Problems auf: Alles "gesellschaftlich" - und NUR das. Als hätten wir nicht genau das GESELLSCHAFTLICHE Drama unserer Produktionsweise wegen. Sondern einzig wegen Ungleichverteilung von "Macht" (die WOHER kommt?).
    Es fällt schon länger auf, das die wirklich SIMPELSTEN, man möchte sagen: dämlich-simpelsten Anfangssätze jeder materialistischen Begutachtung herrschender Verhältnisse schlichtweg vergessen sind: Die materielle Produktion und ihr je erreichter Stand (der Stand der Produktivkräfte) stellen Anforderungen an die Vergesellschaftung. Und denen wird sie entweder gerecht, und dann kanns auch gedeihlich weitergehen mit der Produktion; oder sie stagniert und schmiert ab.
    Alles nur gesellschaftlich? Schön wärs. (Das Gegenstück, nebenbei, zu dem vom Autor beklagten illusionären "Soluzionismus": Wir reparieren... nicht die Technik, sondern "die Gesellschaft". Make society great again...)



  • Lieber @HCGuth, der von dir referenzierte text ist vielleicht ein schrott. Timo Daum, der autor, hat bestimmt noch nie konstruktiv gearbeitet.

    "Kleinteilige Produktion, gemeinsames Lernen bei der Arbeit, werde propagiert – die Schwarmintelligenz soll es richten."
    Ich fasse es nicht, wie ein mensch einen solchen bloedsinn formulieren kann,

    Gut, aber deine zentral formulierte frage war ja: "die Frage der fortgeschritten-modernen Wissens- und Arbeitsteilung". Ich kann sie dir auch noch nicht vollstaendig beantworten. Und vor allem nicht, ob sie ueberhaupt auftaucht oder doch nur eine erwartungshaltung ist.

    Eine wesentliche beschraenkung eines freien Flusses freier Informationen ist das Private. Die offene und freie koopertion wird an den Zaeunen der privaten Vorgaeten gesperrt. So ist es auch schwierig, real abzuschaetzen, welche Potentiale sich dann entfalten koennen.

    Auf der praktischen ebene wird eine freie telekommunikation notwendig, um diese freien Informationsfluesse ueberhaupt fliessen lassen zu koennen. Und jeder bereich, der sich mit der freien technologie beschaeftigt, muss seine grundlage in der lokalen einbettung suchen, um in seiner lebensfuehrung von externen vorgaben unabhaengiger zu werden.

    Deswegen sind konzentrationen auf Hack-, Make- und FabLabs nie ausreichend, weil wir an unseren bedingungen nichts veraendern, die erst ein freies wirken ermoeglichen. Bevor ich nach Latein Amerika ging, war ich mit einer gruppe in kontakt, die in der naehe Frankfurt/Oder ein gelaende der Volksarmee uebernahmen, um dort so etwas aehnliches entstehen zu lassen. Also lokale landwirtschaft und ernaehrungssouveraenitaet verbunden mit intensiv entwickelten technischen infrastrukturen: Info-Centro, Labors und Werkstaetten.

    Wie das weiterging und ob, habe ich nicht mehr verfolgt. Aehnliches finden wir auch in Portugal und Baskenland und Katalonien. Rudimentaer auch in Nord Italien.

    Franz Nahrada aus Wien, du kennst ihn, berichtet manchmal aus aehnlichen initiativen aus Oesterreich. Ein freund, den ich hier traf, hat mir von aehnlichem in der Ukraine, Rumaenien und Bulgarien erzaehlt.

    Das wesentliche dafuer ist eine stabile basis, die uns von den geldzwaengen frei macht. Diese vielen, eher "esoterisch" angehauchten projekte sind nicht lebensfaehig und brauchen die Geldfluesse von aussen.

    Wegen meiner vorliebe fuer warmes klima kommt fuer mich selbst in Europa nur der Sueden in frage. Vielleicht ringe ich mich doch noch dazu auf, es hier in Paraguay oder umgebung zu probieren.


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