Ein Jahr aufstehen - das Thesenpapier von Frank Havemann


  • GLOBALER MOD MOD

    (kopiert vom facebook aufstehen Stammtisch, wo Ottopeter Flettner es eingestellt hatte. Die Vorbemerkung ist seine. HCG)

    Hier ein Thesenpapier von Frank Havemann, Mitglied der Gruppe aufstehen Neubrandenburg zum Tema 1 Jahr aufstehen.

    Diese Arbeit wird bei unserem nächsten Ortsgruppentreffen durch einen Beitrag von mir aus der Sicht eines aktiven Netzwerkers ergänzt werden.

    Thesen-zu-Aufstehen-nach-einem-Jahr.txt 23.09.19 15:57

    Sieben Thesen zur Bewegung Aufstehen, ein Jahr nach der Gründung
    Frank Havemann 22. September 2019

    1. Alle Gründe, die mich vor gut einem Jahr bewogen haben, die Bewegung Aufstehen zu unterstützen, bestehen fort oder sind sogar noch drängender geworden

    1.a Die meiste Funktionäre der Linkspartei (in der ich in Berlin Mitglied bin, aber seit Jahren nur zahlendes) haben immer noch nicht erkannt, dass nur eine entschiedene Opposition gegen das verbrecherische System den Rechtstrend aufhalten und umkehren kann.

    b) Das verbrecherische System beutet weiterhin in einem wahnhaft wachsendem Maße Mensch und Natur aus, allein des Profits wegen, und zettelt dafür sogar Kriege an, anstatt den technischen Fortschritt weltweit für die Linderung der Not sowie die Befreiung von erniedrigender, nervender und ungesunder Arbeit zu nutzen und die Erde den zukünftigen Generationen wenn schon nicht verbessert, dann doch nicht vollgemüllt, ausgelaugt und aufgeheizt zu übergeben.

    1. Fast alle Hoffnungen, mit denen wir im Sommer 2018 gestartet sind, haben sich nicht erfüllt:

    a) Die drei Parteien links der CDU haben sich von uns nicht zu einer wirklich anderen Politik drängen lassen.

    b) Wir haben keine Massen auf die Straße bekommen.

    c) Die strategische Arbeit namhafter Wissenschaftler (unter Leitung von Michael Brie und Peter Brandt) innerhalb von Aufstehen wurde nach dem Scheitern des Arbeitsausschusses (dem ich angehörte) nicht weitergeführt. Dadurch kam auch keine umfassende und konstruktive Diskussion der Basis zu strategischen Fragen zustande (die wir übers Netz organsieren und durchführen wollten).

    1. Fridays for Future, die Bewegung der Kinder und der Jugend, hat es dahingegen vermocht, die politische Debatte in den vergangenen Monaten merkbar zu verändern. Die zukünftigen Generationen melden sich lautstark zu Wort und finden Gehör, weil der Klimawandel sich bereits bemerkbar macht.

    2. Die Rechten sind nicht schwächer geworden, im Gegenteil, es droht, dass sie sich auch in der Klimafrage als Anwälte der kleinen Leute und der Abstiegsgefährdeten hinstellen können. Die Reichen müssen zahlen, sonst wird die notwendige Energiewende die Gesellschaft weiter spalten.

    3. Es ist unklar, welche Funktion die Bewegung Aufstehen in dieser Situation haben kann, solange die Bewegung fast nur aus einer weitgehend zersplitterten Basis besteht, die mit der initiativlosen Zentrale nicht viel zu tun haben will oder sich in einen fruchtlosen Kampf gegen sie begibt.

    4. Ich will dennoch Aufstehen nicht aufgeben, weil der Zusammenhalt in den Gruppen an der Basis bei zukünftigen Aktionen sehr von Nutzen sein kann.

    5. Nutzen wir inzwischen die Zeit, uns politisch fortzubilden und unterstützen wir Fridays for Future, die Friedensbewegung sowie den Kampf gegen die soziale Ungleichheit und für eine echte Demokratie!



  • "Aufstehen kann es so nicht sein, weil aufstehen wie FfF eine große offene Bewegung ist oder war und über ein diffuses Unwohlsein, viele Ideen und noch mehr Fragen nichts zu bieten hatte."

    Liebe @Lotte, deine "Aufstehen Anti-Haltung" bringt dich in merkwuerdige Legitimations-Schwierigkeiten. Ja, viele Fragen tuermen sich vor uns auf und warten auf beantwortung. Da hilft dir das Etikett "Kommunisten" nicht viel, wenn davon nichts drin ist.

    Du musst die Fragen auf ihren kern zuspitzen und dann deine Antworten herleiten. Nur, da bist du dann bei allen sogenannten "linken" und "linksradikalen" Gruppen schnell am falschen Ort, weil ausser herumgefasel du da nichts finden wirst.


  • AG International discussion

    Frank Havemanns Thesenpapier will einen momentanen Stand aus subjektiver Sicht sehr kurz zusammenfassen. Das "verbrecherische System" darin verstehe ich ebenfalls als Zusammenfassung - genauer: als Zusammenfassung dessen, was bei aufstehen von Anfang an und bis jetzt als global sichtbarer, aber auch hierzulande lokalisierbarer Mißstands-Zusammenhang gesehen und angeprangert wird. Vielleicht störst du, Lotte, dich an dem Wort "System", wo du möglicherweise lauter "Einzeltatbestände" siehst, die auch einzeln anzugehen sind. Was da Systemcharakter hat, ist in der Tat nicht näher ausgeführt, aber das ist bei einem kurzen Thesenpapier auch nicht zu erwarten. Meinerseits kann ich die Lücke leicht füllen mit dem Stoff, der im Forum im Zusammenhang mit dem Zirkelnetzwerk, aber auch an anderen Stellen mehrfach diskutiert wurde (der systemrelevante Wachstumsgedanke, die außenpoltitische Entschlossenheit bestimmter neokonservativer Kreise in den USA, entsprechende Gefolgschaft (statt Gegenhaltung) z.B. der deutschen Regierung, die Blindheit gegenüber den Folgeschäden unserer Lebensweise, usw.). "Entschiedene Opposition" kann von rein gedanklicher Einstellung bis zu lautstarkem Protest alles sein, aber eben nichts Kurzfristiges und kein "Mitläufer-Anti-tum", sonst wäre sie nicht "entschieden". Und damit finde ich auch die im Forum vielfach aufscheinenden Haltungen wiederum (für mich) passend zusammengefasst. Ich kann also mit dem Text etwas anfangen. Allerdings: die "strategische Arbeit namhafter Wissenschaftler" und der Arbeitsausschuss scheinen mir in diesem Thesenpapier nicht passend. Es gibt sicher noch ganz andere Gründe, warum aufstehen keine Massen auf die Straße gebracht hat - und warum das vielleicht auch nicht ein von allen geteiltes kurzfristiges Ziel ist.


  • Niedersachsen

    Ein Jahr Aufstehen. Ein ereignisreiches Jahr, in dem äußerlich nicht viel passiert ist. Intern ein Jahr vieler heftiger Auseinandersetzungen zwischen den Mitgliedern. Sicher, es ist nicht so gekommen, dass 170000 in einer Front hinter Sahra auf die Straße gingen. Aber ist das wirklich ein Misserfolg? Mal angenommen, es wäre genau so gekommen. Dann hätte die Führung ein Thema vorgegeben, alle hätten fleißig Plakate und Transparente gemalt, es hätte einige Verstopfung auf Straßen und Plätzen gegeben. Und dann? - Sicherlich Nichts. Ok, die Regierung hätte ein paar Plazebo-Gesetze gestrickt, ein paar Belanglosigkeiten aufgegriffen, sonst nichts. Und Alle wären stolz nach Hause gegangen. "Das war doch was, daran kann man sich aufbauen." Aber es ist zum Glück besser gelaufen. Auch wenn immer wieder Rufe kamen, nicht so viel zu reden, sondern etwas tun, war doch dieses miteinander Reden genau das, was die Bewegung weitergebracht hat. Denn, und darüber sind wir uns heute einig, müssen wir uns selber befähigen, unsere Zeit zu verstehen, müssen erkennen, wo die Probleme wirklich sind. Wir müssen sensibel für die Manipulation werden, der wir ausgesetzt sind. Wie sehr dieses Problem besteht hat uns eben diese Diskussion gezeigt. Wir haben uns durch diese verändert. Und wir haben auf dieser Strecke miteinander noch viel zu tun. Die Auseinandersetzungen, die wir miteinander führen sind auch Auseinandersetzungen mit der Ideologie des Neoliberalismus. Kennzeichnend war dafür unsere Diskussion um die Demokratie. Es fällt nach wie vor schwer, demokratisch zu denken. Aber es gibt nun mal keine halbe Demokratie. Kompromisse in dieser Frage sind immer undemokratisch. Andererseits lohnt es sich in allem Tun demokratisch zu agieren. Nichts ist wirksamer gegen neoliberale Strukturen. Und so, denke ich, sind wir zwar noch nicht weit gekommen, aber wir sind auf dem richtigen Weg.


  • MOD

    Hallo Steffen, Du sprichst mir aus dem Herzen. "Wir haben uns durch diese verändert. Und wir haben auf dieser Strecke miteinander noch viel zu tun." Auch das kann ich für mich und meine Umgebung bestätigen. VG von Thorsten


  • Brückenbauer Intern

    Was ich in diesem Jahr gelernt habe, ist, dass es viele engagierte Menschen gibt, die Verantwortung übernehmen wollen und in unserem Staat Grundlegendes verändern wollen, dies mit den besten Absichten und hoher Motivation. Die Diskussionen haben auch in diesem Jahr gezeigt, dass es viele Gegensätzlichkeiten, Meinungsvielfalt, aber auch Verletzungen und Wut gibt. Und aus dem allem soll eine Bewegung entstehen! Viele sind ausgeschieden, haben sich zurückgezogen, weil sie nicht mehr daran glauben, dass eine gemeinsame Aktion gelingen kann. Ich glaube es könnte immer noch funktionieren, wenn wir uns nicht auf unsere jeweilige Position, ausschließlich auf unsere eigene Meinung und Einschätzung zurückziehen, sondern uns in Zukunft verstärkt mit dem Verbindenden beschäftigen, also konkrete Themen herausarbeiten, die jede/r trotz aller Unterschiedlichkeit gleichermaßen mittragen kann. Beispiel: Neoliberalismus, wir verstehen Unterschiedliches darunter, aber ein gemeinsames Verständnis könnte sein, dass einer der Grundsätze des Neoliberalismus, nämlich die Subsidiarität, heute in vielen Bereichen pervertiert wird. Der Gedanke, dass Probleme in unserer Gesellschaft auf der Ebene gelöst werden sollten, die dem Problem am nächsten steht, und der Staat erst tätig werden darf, wenn auf keiner Ebene zuvor ein Lösung möglich ist, ist doch eigentlich sehr demokratisch und konsensfähig. Aber daraus die große Privatisierungswelle abzuleiten und den Staat als unfähig darzustellen, wie es der Neoliberalismus und seine Eliten tun, ist schon ein Hammer, weil damit die gesamte Daseinsvorsorge (Energieversorgung, Wasser, Krankenhäuser usw.usw.usw.) plötzlich die Aufgabe von Großkonzernen wird mit der Folge weiterer Ausplünderungsmöglichkeiten durch die sog. Eliten. Das ist, wie gesagt ein Beispiel - und davon gibt es viele. Was ich meine ist, sich auf solche großen Themen zu einigen, egal wo ein jeder politisch steht, würde uns wahrscheinlich eine andere Durchsetzngskraft und Aufmerksamkeit bringen. Wir wüden nicht mehr theoretisch und ideologisch diskutieren, sondern konkrete Schnittmengen erarbeiten, die uns in kürzester Zeit handlungsfähig machten. Hierfür haben die Brückenbauer viele regionale kleine runde Tische als Idee und Methode zur Diskussion gestellt, wo ausgelotet werden kann, wo gemeinsamer Konsens erreicht werden kann. Also kurz: Lasst uns nicht die Gegensätzlichkeiten betonen, sondern das Gemeinsame im Konkreten finden. Dass sowas dann auch wirklich Spass machen kann, werden auch die Zweifler schnell merken.


  • ADMIN MOD

    Lieber @WFK .
    Bitte erst mal Subsidiarität erklären, bevor Du hier weiter machst. Der Begriff ist wichtig in Deinem Beitrag, man kann ihn unterschiedlich deuten. Am Besten, wenn man solche Fremdwörter benutzt, gleich einen Satz mit Erklärung hinter her. Danke.



  • Lieber @WFK, ein sehr interessanter beitrag. Aber bevor ich selbst zum thema beitrage, eine wichtige differenz zu deiner aussage:

    "Der Gedanke, dass Probleme in unserer Gesellschaft auf der Ebene gelöst werden sollten, die dem Problem am nächsten steht, und der Staat erst tätig werden darf, wenn auf keiner Ebene zuvor ein Lösung möglich ist, ist doch eigentlich sehr demokratisch und konsensfähig. Aber daraus die große Privatisierungswelle abzuleiten und den Staat als unfähig darzustellen, wie es der Neoliberalismus und seine Eliten tun, ist schon ein Hammer, weil damit die gesamte Daseinsvorsorge (...) plötzlich die Aufgabe von Großkonzernen wird mit der Folge weiterer Ausplünderungsmöglichkeiten durch die sog. Eliten."

    Das problem hierbei ist dein mangel im verstaendnis der Gemeinden, der lokalen Gemeinschaften. Es scheint fuer dich nur Privat oder Staat zu existieren. Fuer mich ist Privat und Staat das gleiche, weil die staatlichen Konstruktionen immer im Dienste der privaten Reichen, der Macht- oder Finanz-Eliten waren und sind. Das sind auch die Grundlagen der Staatstheorien.

    Wenn es um "gesamte Daseinsvorsorge" geht, geht es immer um das Kollektiv. Als Individuen koennen wir das nicht. Und Geld nutzt uns dabei auch wenig, weil wir damit wenig anfangen koennen ausser die Taetigkeiten anderer zu kaufen und dies zumeist nur indirekt, also ueber den Handel.

    Der NeoLiberalismus, der seit 1932 existente Name fuer die "oesterreichische Schule fuer Oekonomie", wie Mlies und Hayek es bezeichneten, geht ja mitnichten von der Bedeutungslosigkeit staatlicher Apparate aus, sondern von einer notwendigen Reduktion seiner Aufgaben auf jene, die er immer hatte: das Gewaltmonopol und deren Legitimierung gegen die Bevoelkerung. Der Staat ist immer in seinem Kern ein Instrument der Eliten, fuer die Eliten, gegen die Bevoelkerung. Nur auf dieser Grundlage ist die freie Reichtumsakkumulation der Eliten ueberhaupt denkbar und realisierbar.

    Die frage dabei taucht auf: Brauchen wir individuellen Reichtum? Gerhard Schroeder hat das klar mit "JA" beantwortet. Und Kevin Kuehnert wird das gleiche tun, wenn er soweit ist. Die Sozial-Demokratie hat das immer mit JA beantwortet. Und wenn wir heute nach Kuba oder Venezuela schauen, sehen wir das gleiche. Ebenso in der Volksrepublik China.

    Das wichtigste Instrument der privaten Reichen mit ihrem Instrument Staat ist das private Geld- und Finanzsystem. Es wird eine abstrakte, virtuelle Ebene benoetigt, um die Wertstroeme in abstrakter Form realisieren zu koennen und deren Zwangsverknuepfung zur realen Welt mit Hilfe der staatlichen Konstruktionen. Dies ist die Distributionssphaere, ein virtueller Layer ueber der Oekonomie im Realen.

    Das verstaendnis dafuer ist daran gebunden, dass wir erkennen, dass in der Oekonomie kein Geld existiert. Das Geld finden wir nur in der virtuellen Distributionssphaere.

    Die "Neo-Liberalen", die nur scheinbar "Neo" sind, stellen den Markt ins Zentrum. Der begriff Markt meint aber einen Austauschplatz von Produzenten. Aber was machen aber nun all jene, die nur Konsumenten sind? Produzenten sind immer auch Konsumenten, was umgekehrt nicht gilt. Heute sind in der Region Deutschland etwa 60% der "taetigen" Bevoelkerung reine Konsumenten und haben nichts fuer einen Austausch, tragen nichts fuer unsere materiellen Lebensgrundlagen bei. Und selbst bei den produktiv taetigen ist ein grossteil mit Schwachsinn beschaeftigt wie Ruestungs- und Auto-Produktion.

    @Martin001 hat unter "Die Systemfrage" auf aehnliches verwiesen.
    https://aufstehen-forum.de/post/9071

    Und zu @Guido. Wir sollten uns angewoehnen, wenn wir ein Wort nicht kennen, uns selbst um deren Klaerung zu kuemmern. Das sind wichtige Lernprozesse, wo noch so nebenbei allerlei anderes zum Vorschein kommt. Nur bei Abkuerzungen muss der name mindestens bei der ersten verwendung ausgeschrieben werden.


  • Brückenbauer Intern

    Lieber Guido, das mache ich doch gern. Der Neoliberalismus hat die Eingrenzung der Befugnisse und Aktivitäten des Staates der Gesellschaft gegenüber zum Gegenstand.. Dies wird in dem Begriff Subsidiarität manifestiert. Dies bedeutet, dass ein Staat nicht auf Feldern tätig werden darf oder sollte, die durch andere Mitglieder der Gesellschaft wahrgenommen werden können. Der Staat soll nur dann als Akteur in der Gesellschaft nichthoheitlich auftreten, wenn alle anderen Möglichkeiten erchöpft sind. Anders ausgedrückt, wenn private Organisationen oder Konzerne diese Aufgaben erledigen können, muss sich der Staat heraushalten. Dies wird immer dann aus meiner Sicht problematisch, wenn Aufgabenbereiche der Daseinsvorsorge betroffen sind. Aber das meine ich in obiger Sequenz deutich erklärt zu haben.


  • Brückenbauer Intern

    Lieber Willi, herzlichen Dank für deine Ausfühungen, die ich voll akzeptiere. Ich wollte mit meinem Statement auch nur ein Beispiel nennen und damit nur einen Aspekt herausstellen und keine Abhandlung über den Neoiberalismus schreiben. Natürlich ist Reichtum etwas Gutes, insbesondere dann, wenn er auch zum Nutzen der Gesellschaft eingesetzt wird und keinen Selbstzweck darstellt. Aber sinnlose Mehrung des privaten Reichtums auf Kosten"normaler" Menschen und der Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität halte ich für verwerflich. Beispiel: Bezos, reichster Mann der Welt zahlt in seiner Distributionssphäre prekäre Löhne. Eigentlich sollte solches Verhalten eine gesellschaftliche Ächtung zur Folge haben. Aber für die meistens Menschen ist Reichtum so faszinierend, dass sie ihn nicht mehr hinterfragen. Für mich wäre dieses Thema sehr spannend: Gibt es eine Grenze für Reichtum? oder anders: Wie sollte man Reichtum begrenzen?



  • Hallo, ich möchte an dieser Stelle aus dem Buch von Ute Scheub "Die unvollendete Demokratie" zitieren. >>> Demokratie ist ein Klangkörper --- Unsere Stimme spielt dabei eine entscheidende Rolle. Sie ist ein Instrument, nein, das zentrale, soziale Instrument von Menschen, wörtlich und sprichwörtlich. Ohne Stimme gingen wir sang und Klanglos unter. Die Stimme findet sich nicht zufällig in vielen politischen Begriffen wieder. In allen öffentlichen Angelegenheiten pflegen wir uns über Sprache und Stimme auf gemeinsame Ziele zu verständigen. Die "Stimme" erklingt in Selbst- und Mitbestimmung, im Stimmrecht und Stimmenmehrheit, in anstimmen, abstimmen, umstimmen, beistimmen, zustimmen, übereinstimmen, in Ein- oder Mehrstimmigkeit.<<< All diese Stimmen erzeugen einen Resonanzkörper, den man vielleicht als einen neuen Begriff der "Gemeinstimmigkeit" zusammenfassen könnte. ***Wem dieser Auszug aus dem Buch gefallen hat, der kann es kostenlos bei "mehr Demokratie e.V." bestellen. Dort gibt es auch das Buch "EUROPA-die unvollendete Demokratie". Ich Stelle hier ganz bewusst keine LINKS dazu ein, denn ich werbe weder explizit für Ute Scheub, noch für den Verein. Mir geht es grundsätzlich nur um den Inhalt der beiden Bücher, welcher sich, neben der eigenen Bildung, meiner Meinung nach sehr, sehr gut für den Schulunterricht in den jeweiligen Fächern anbietet, vielleicht sogar dringend erforderlich wäre.



  • "Aber sinnlose Mehrung des privaten Reichtums auf Kosten"normaler" Menschen und der Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität halte ich für verwerflich."

    Lieber @WFK, es geht dabei nicht nur um "verwerflich". Es ist das Konstrukionsprinzip. "Verwerflich" deutet eher auf besonders extreme ausfaelle.

    Alle "sozialen Fragen" ruhen darauf. @Ottopeter hat es ja sehr richtig skizziert, dass es schon fast egal ist, auf welches konkretes Thema wir uns dabei konzentrieren, wenn wir so vorgehen wollen. Und das gilt im Lokalen genauso wie im Regionalen. Der staatlich buerokratische Ueberbau ist sowieso ueberall anzutreffen.

    Sich auf Demokratie, auf demokratische Selbstorganisation zu konzentrieren halte ich nicht besonders geeignet, weil wir uns dann vollstaendig im parasitaeren Ueberbau bewegen. Wir koennen demokratische Selbstorganisation nur entlang konkreter Fragen ueben. Das ist auch das Problem der Brueckenbauer Basis Themen, weil sie sich mit Ausnahme von etwas BTS 6 nur im virtuellen Raum aufhalten. Aber das will ich dort diskutieren.

    Die Frustration zu Aufstehen ist in erster linie eine Frustration ueber uns selbst. Dann wird der "traege Veein" TV zum Projektionsziel.

    Alle weisen doch darauf hin, dass uns die grossen Entwuerfe fehlen. Nur, die BTS sind sie leider auch nicht. Und isolierte Einzelthemen-Konzentration hilft uns auch nicht weiter, weil wir dann deren Eingebettet-Sein in das Grosse ignorieren.

    Wir koennen uns aber fragen, was hilft uns in der jetzigen Zeit am meisten, unsere handlungsraeume zu erweitern. Wie ich oben schon andeutete, ist jede einzelne Frage eingebettet in das Ganze. Aber zusaetzlich haben wir in jeder einzelnen frage noch viele individuellen Skeptizismen, die wir ueberwinden muessen. Und ich sehe es so, dass gerade diese Ueberwindungsprozesse fuer uns den groessten Nutzen in groesseren Zeitraeumen erreichen koennen.

    Nehmen wir Hartz IV und Rente. Wir wissen sehr wohl, wie furchtbar die Vorstellungen ueber die gesellschaftlichen Ressourcen dabei sind und alles sich auf den extremen Raub an den Gemeinschaften sich gruendet. Und es ist doch voellig klar, dass wenn der Grossteil gesellschaftlichen Reichtums in privaten Taschen verschwindet oder fuer voellig nutz- und sinnlosen Aufwand vergeudet werden, dann bleibt tatsaechlich fuer die Vielen nichts mehr uebrig, was dann die Arbeitszeiten bis ins hoechste Alter hinauf treibt oder fuer ein stabiles Grundeinkommen fuer Alle nichts mehr uebrig ist. Das sind doch alles billige Milchmaedchen-Rechnungen einer Hans-Werner Sinn oder aehnlichen, die hier weit und breit ausgebreitet werden.

    Beim kommunalen Wohungsbau, Wasserversorgung, Energievesorgung, Transportsysteme und dergleichen finden wir immer diese reduzierte betrachtung neben dem strikten Verbot in den Landesverfassungen zur kommunalen Selbstorganisation. Die EU-Regeln treiben echte Blueten hervor.

    Meine grosse Bitte. Last uns das grosse Ganze immer mit dem konkreten Einzelnen verbinden. Dann kann es nie falsch werden.



  • Unser freund @Ottopeter hat am Aufstehen Stammtisch eine tiefe diskussion entfacht. Er schreibt:

    "Hier ein Auszug der Antwort auf die Frage der Beteiligung an der Demo gegen Hartz4 in Neubrandenburg, gestellt an die größte aufstehen Gruppe in MV.:------------------:
    Hallo ottopeter, bei uns kriselt es. 3 sind als Sprecherinnen zurück getreten und gestern haben wir es nicht geschafft, ein neues aufzustellen. Wir haben neben aufstehen noch viele andere Initiativen und viele Termine. Und keiner kann sich aufraffen zur demo am 2.11.19 auch wegen des Themas... Es gibt zu viele andere Baustellen. Tut mir leid!"...........
    Meine Antwort :
    "....es befremdet mich etwas, dass man sich als links bezeichnet, aber nicht bereit ist für die Ärmsten in unserer Gesellschaft auf die Straße zu gehen....... " ????? Auch habe ich im Laufe der Vorbereitungen oft gehört, ....." Wo sind denn die Betroffenen? Sollen die doch erst mal selber was machen......".
    Ich Frage mich langsam, ob das wirklich die Menschen sind, die wir sammeln sollten um in Deutschland eine linke Mehrheit zu mobilisieren..."
    Ich hoffe, der link funktioniert.
    https://www.facebook.com/groups/aufstehenstammtisch/permalink/503134413750529/

    Ich will wieder anknuepfen an meinem letzten kommentar hier in diesem thema. Ohne weite Perspektiven, die uns eine stabile Basis und klare orientierung geben, kommen wir nicht weiter. Das, was wir "Aufstehen Bewegung" nennen und @Gero-Hoffmann zu Recht eine Initiative fuer eine Bewegung nannte, zerbricht an ihrer selbst-definierten Erfolglosigkeit, weil sie immer mit grossen Mengen an Menschen agieren wollen. Aber damit unterliegen wir ganz anderen bedingungen.

    FfF und ER(XR) rekrutieren sich aus der Jugend, die sowieso immer hoch aktivierbar ist, wenn sie sich angesprochen fuehlt. Die hauptthematik von Aufstehen ist die Zertruemmerung sozialer Gemeinschaften, die mehrheitlich noch apathisch vor sich hin luemmelt.

    Mit sicherheit koennten alle Hartz IV betroffenen und sich betroffen fuehlenden einen tierischen Aufruhr erzeugen, der das gesammte staatliche Konstrukt im Realen ausser Funktion setzt. Und sie muessten dazu nicht mal wilde oder aggressive Aktivitaeten entfalten.

    Aber dazu sind sie noch nicht bereit. Auch in der DDR vor 30 Jahren waren die menschen dazu nicht bereit. Sie haben sich kaufen lassen, die ihnen vorgelegten Angebote angenommen. Eine demokratische Selbstorganisation war da nicht in Sicht.

    Wenn ich das zu Ende denke, dann komme ich zu dem resultat: Die autonomen Subjekte existieren noch nicht. Nur, ohne sie geht gar nichts.



  • Lieber @Ottopeter, ich stimme dir sehr zu.

    Aber jetzt zu meinem Namen, den ich mir nicht ausgesucht habe. Und ich sah auch noch nie einen grund, ihn zu aendern. Der Uebelherr Stamm geht nach Koeln zurueck. Etwas spaeter waren es viele Stukkateure (at) und Baumeister im Sueden. Es gibt ihn auch noch in vielen anderen formen mit der gleichen wurzel. Und einige hochaktive Anarchisten waren auch dabei.

    Also, warum sollte der Name nicht echt sein? Es gibt die interpretation "uebler Herr" als auch "Herr ueber das Uebel". Du kannst dir das passende aussuchen.
    Im spanischen: El mal señor oder El señor sobre el mal.



  • "Was haben wir Jungkommunisten gemacht? Wir haben uns engagiert eingesetzt - so wie Ottopeter das verlangt. Vor allem in der Stadtteil und Mieterarbeit, die anderen im Betrieb. Geschätzt und geachtet waren wir - aber in meinem Stadtteil hat sich unsere frühere Klientel der AfD en masse zugewendet."

    Liebe @Lotte, dein fokus ist falsch. Wir sind keine SammlerInnen, sondern wir sammeln uns selbst. Wir koennen nicht darauf setzen, fuer andere etwas zu tun, wozu sie zwar selbst dazu in der lage sind, aber es nicht wollen.

    Die ganzen "linken" bewegungen kranken an einem Missionarismus, der eigentlich nur dazu dient, sich selbst von den Anforderungen zu entlasten. Sie verstecken sich dann hinter den anderen, was auch bei der KO deutlich wird, wenn sie von "Massen" sprechen. So wie die PdL ihre eigene Unfaehigkeit mit "Aufstehen" kompensieren wollte, so will es auch die KO.

    Wir kennen doch die Missionare. Es waren und sind Raeuber. Und, sollen und wollen wir auch uns zu Raeubern aufspielen? Sobald wir uns selbst auf eine hoehere Ebene stellen, zeigen wir unsere wirklichen Intentionen.



  • Ja, lieber @Ottopeter, ich mich auch. Nur, fuer mich ist das keine neue Qualitaet, weil ich sehr gut mit dem geschriebenen zurecht komme. In meinen Augen ist das schreiben wichtiger wie das interaktive sprechen, weil es uns zwingt, unsere gedanken zu ordnen. Das hilft uns mehr als alles andere.



  • "Seit etwa den70ern ist die Welt in der Lage, den Hunger global abzuschaffen. Rein technisch, was sie vorher nicht wahr. Krieg ist eine der Hauptursachen für Hunger, Seuchen, Tote."

    Liebe @Lotte, wie kommst du zu einem solchen Unsinn? Der parasitaere politische Ueberbau hat seit dieser zeit gigantisch zugenommen. In den warmen Klimaphasen mit deutlich hoeherem athmosphaerischem CO2 Gehalt, was in warmen Phasen immer geschieht, brauchten die Menschen keine Voelkerwanderungen. Sie waren bestens ausgestattet dafuer, ihre materiellen Lebensgrundlagen zu stabilisieren.

    In den kalten Phasen sah es anders aus. Da erhielt auch der europaeische Kolonialismus seine Soeldner. Es ging dabei immer in die klimatisch besseren Zonen, wo die menschen keinen militaerischen und patriarchalen Wahn benoetigten. Ozenien ist hier das beste beispiel.

    Schau dir etwas den aufbruch der Mongolen unter Dschingis Khan im 12. Jahrhundert an, suche die Energien, die ihre Motoren antrieben. Oder frage nach den Energien, die die Motoren in grossbritannien antrieben fuer ihre globalen Raubzuege.

    James DeMeo hat vor vielen jahren die Klimaveraenderungen auf dem Planeten mit der herausbildung von Gewalt und Patriarchat verglichen und fand die entscheidende positive Korrelation. Die Agitation der NSDAP war immer und von anfang an auf die Expansion in den Osten gerichtet. Die riesigen Flaechen mit grossartigen Humusboeden. In der Ukraine bis 1m dick. Das war jenes, das die Gelueste der Raeuber weckte. Die anti-juedische propaganda, damals ueberall in den Zentren existent, war nur ein begleitender akt, um feindpositionen zu konstruieren.



  • Liebe @Lotte, wieso kommst du jetzt mit "Feindbilder" daher? Was willst du damit bezwecken? Willst du mich nun in eine dir gemaesse Ecke draengen, um mich loszuwerden, weil nicht mehr beachtenswert?

    Wenn Ja, dann hast du aus deinem langen Leben nichts gelernt.



  • "Sozialhelfersyndrom"

    Und, liebe @Lotte, was ist das anderes als "Missionarismus"? Da wird so getan, als muesste diesen und jenen geholfen werden, was nur dazu dient, zu erklaeren, dass sie selbst keine Hilfe benoetigen. Sie stehen ueber den Verhaeltnissen. Wenn wir dann ihre Biografien anschauen, dann sehen wir nur Folgen des inneren Zusammenbruchs. Gerade bei den theistischen Missionaren ist das deutlich. und meine erfahrungen mit den K-Gruppen zeigten mir das gleiche.

    Das prinzip von "Sozialhelfersyndrom" und "Missionarismus" ist die Externalisierung der eigenen Unfaehigkeiten. Mehr nicht. Und die gewaehlten Ausdrucksformen wechseln entsprechend den Biografien.



  • Liebe @Lotte, mir geht es eigentlich nur um folgenden Punkt.

    Niemals koennen wir die menschen zur Tat ziehen. Sie muessen es selbst wollen, dann tun sie es auch selbst. Das erlebt ja @Ottopeter ebenso.

    Das entscheidende dabei ist der oeffentliche Diskursraum. Du nennst es die "radikale Gegenoeffentlichkeit". Vielleicht meinst du das gleiche. Mit jeder art von Streik, also den gewohnten Ablauf zu durchbrechen, was auch eindeutig fuer FfF gilt, koennen wir nur etwas zum Ausdruck bringen, was schon da ist. Aber das wichtigste ist noch nicht da: Die Vorstellung einer anderen Lebensweise. Und das kann nur im offenen und oeffentlichen Diskurs entstehen.

    Wir muessen keinen kampf gegen die bestehenden Verhaeltnisse und Konstruktionen fuehren, sondern einen kampf fuer die demokratische Selbstorganisation. Allerdings auch erst dann, wenn wir sie realisieren wollen.


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