meine Reflektion zu den BTS


  • Baden-Württemberg

    Wenn man dann mal die Forschung ernst nehmen würde, die rausgefunden hat, dass ohne Gefühl das Gehirn und damit der Körper fast nicht mobilisiert wird. Siehe Hüther. Das kann man technokratisch halt nicht lösen, das ist der Fehler seit Jahrzehnten.

    Was ist Gefühl? Das müsste man dann genauer eruieren. Drei Beispiele hierzu.

    Die 35-Stunden-Woche hatte in ihrer Mobilisierung 80er Jahre einen durchschlagenden Erfolg. Erzielt wurde das durch eine Maßnahme; die Arbeiter mussten 2 Wochen lang eine Uhr penibel ausfüllen. Jede Minute des Tages musste zugeordnet werden. Ergebnis: Die Arbeiter hatten pro Woche 15 Minuten für sich selbst. Das war meine ich IG Metall. Das Ergebnis schärfte das Bewusstsein für die persönliche Ausbeutung und das Bedürfnis nach mehr Leben. Es brachte eine überdurchschnittliche Mobilisierung.
    Wir hatten damals Shculungnen mit den kommunistischen GewerkschafterInnenn, die das Prinzip nochmal erläuterten: Man muss ein Element finden, wo sich wie in einem Kristall die gesellschaftlichen Probleme alle gleichzeitig abzeichnen und die persönliche Betroffenheit abbilden kann.

    1. In den Anfängen der 80er führte die Polizei Selbstverteidigung für Frauen durch - Prävention Vergewaltigung. In einem ausführlichen Bericht bilanzierten die Polizisten: Nicht die Technik ist das entscheidende sondern die Auslösung der Wut. Die Polizisten waren schwer geschützt mit Helm, Körperschonern, aber trotzdem hat einer einen gebrochenen Kiefer, andere Verletzungen am Körper. "Wenn die Wut wirklich rausbricht, ist keine Frau zu halten", sagten sie.

    Nun kann man verzweifelt neue Wörter finden "organizing" , aber letztlich ist es immer wieder das Gleiche. Männern fällt das grundsätzlich schwerer, sich mit so unnötigen Sachen wie Gefühl, Liebe und Zärtlichkeit im politischen Prozess auseinanderzusetzen. "Solidarität" greift es meines Erachtens nicht genau. Ich empfehle nochmal Hüther andern Orts zu Mobilisierung. 10 Jahre Belehrung haben nichts genützt, sagt er - jetzt geht er auf kollektive Projekte des gemeinsam "!Erlebens". Natürlich auch eine Frage der Art von HCs Zirkel.

    1. Diversity im Produktionsbereich - vor Jahren schon Fortbildung der Stadt Freiburg mit Sick Waldkirch, Vorzeigebetrieb. Diversity als Programm der Effektivierung von Produktionsprozessen, kommend aus den USA. Wie wirkt sich die offensive Einbeziehung der Minderheiten oder Andersartigen im Betrieb aus?` Gut. Akzeptanz fördert Teilhabe. Hat sich übrigens lange vorher schon im Kneipenbereich schwul gezeigt: Alle Kneipen, die sich nicht offensiv mit Bildern und Zeichen der Subkultur schmückten, gingen sang- und klanglos ein. Die Stadtverwaltung Freiburg wollte das Konzept in ihrer Verwaltung umsetzen.


  • Lieber @Steffen-Beck, es ist sehr gut, dass du dieses thema anschneidest. Am Stammtisch fand ich schon den link und habe den text herunter geladen. Wir muessen diese texte gelesen haben, um darueber diskutieren zu koennen. Ein eigenes thema, auch wenn es doch sehr an BTSs (Brueckenbauer Themen Schwerpunkte) anknuepft, waere wohl das notwendige.

    Ich will gestehen, dass fuer mich solche Konzepte doch zumeist als aufgesetzt wahr genommen werden. Und in der debatte am Stammtisch wurde es doch sehr offensichtlich. Da stehe ich @Lotte sehr nah.

    Wenn es um Organisierung geht, mussen wir wissen, was wir organisieren wollen und wofuer. Und das ist nach wie vor die kernfrage. Paedagogische oder didaktische Konzepte helfen nicht.

    So komme ich immer wieder zu meiner wiederkehrend beschriebenen Aufgabe. Die Antworten zu suchen auf die Frage: "Wie wollen wir leben?"

    Aus einem Kalkuel unserer materiellen lebensgrundlagen fuer Alle und den gegebenen inneren bedingungen zur herstellung dessen kommen wir zu einem mittleren Zeitbedarf fuer Alle. Da sind aber 30 h/woche deutlich zu viel.

    In bezug auf Organisierungstheorien vertrete ich ganz klar die Auffassung, dass die meisten Menschen noch nicht sehen, dass sie sich grossteils mit Nutz- und Sinnlosem beschaeftigen. Aber das hat in unserer Aufgabe zur Unterstuetzung der Organisierung nichts zu suchen. Also muessen wir doch erstmal verdeutlichen, was denn ueberhaupt zu organisieren ist.

    Und, liebe freunde, die freie Zeit oder freizeit muessen wir nicht organisieren. Wenn wir etwas orgnisieren muessen, dann das Prinzip, keinen Unsinn zu organisieren.

    Fuer Gewerkschaften, deren Existenz grundsaetzlich und immer an die Lohnarbeit gekoppelt ist, ist der weg der selbstorganisierten oekonomie von vorne herein ausgeschlossen. Das geht fuer sie nicht. Und das gleiche gilt fuer die anderen akteure des parasitaeren politischen Ueberbaus. Sie sind alle existenziell darauf verpflichtet, ihre parasitaere Existenzform zu erhalten.

    Wenn wir diese Ausgangssituation im Auge behalten koennen, ist uns schon sehr geholfen.



  • "Er erlebte eine Bewegung von großer Kraft und Schönheit. Jede Rückkehr ins Netz verfestigte dabei die Erkenntnis, dass es deutlich gesünder ist, die Welt offline zu erleben."

    Lieber @Steffen-Beck, Rubikon und Florian Kirner machen hier einen gewaltigen fehler. Ohne die erweiterung der kommunikation ueber die telekommunikation in einer form, die wir "Internet" nennen, ohne es zu sein, waeren all diese aktionsformen nicht entstanden.

    Dass dieser raum so massiv ueberflutet wird mit allem moeglichen mist geht auch auf Rubikon und Florian Kirner zurueck. Sie haben sich dabei maechtig beteiligt.


  • Niedersachsen

    McAverley "Keine halben Sachen" S.40 Ziel des Organizing in der gewerkschaftlichen Arbeit:

    "Denn das Ziel beim
    Organizing ist das Organisieren von Mehrheiten innerhalb einer eingegrenzten
    Basis (bzw. »Struktur«). Tatsächlich lehnen viele Beschäftigte zu Beginn
    einer Organisierungskampagne die Idee einer Gewerkschaftsgründung oft
    ab. Folglich widmen OrganizerInnen und die organischen AnführerInnen,
    die sie identifizieren und ausbilden, den Großteil ihrer Zeit dem Überzeugen
    und Gewinnen von Menschen, die sich selbst gar nicht »auf der Seite
    der Progressiven« verorten würden. Struktur-basiertes Organizing geht ganz
    bewusst und systematisch über den Kreis der beteiligten Menschen hinaus,
    die die MobilizerInnen in ihren endlosen Ein-Thema-Kampagnen erreichen."


    Übersetzung in den Bereich einer Bewegung:

    Aktivisten führen Schulungen zu Organizing durch, keine Funktionäre sondern erfahrene Basisleute mit natürlicher Autorität. Geschult werden Mitglieder der Bewegung, mit dem Ziel, auf Augenhöhe und auf der Basis der Probleme des "Neuen" diesen einzubinden und einen Entwicklungsprozess zu initiieren. Jeder Geschulte ist wieder zu Schulungsleitung geeignet. Wichtig dabei ist, dass die Schulung nicht mit der Mitgliedergewinnung verwechselt wird. Das sind unterschiedliche Prozesse. Und wichtig ist dass die Schulung aus der Basis kommt, nicht aus irgendwelchen Funktionärsebenen. Nun besteht natürlich die Notwendigkeit diesen Prozess zu initiieren. Sozusagen der erste Anstoß, der auf wissenschaftlicher Grundlage geführt wird. Zum Inhalt: Es geht n i c h t um die Vermittlung von Führungsfähigkeit im Sinne einer Aktionsleitung. Es geht 1. um Problemlösungskompetenz, die Fähigkeit, dem potentiellen neuen Mitglied bei der Organisation seiner Problemlösung zu helfen. Die Inhalte könnten sein: rechtliche Fragen, Methoden der Kommunikation irgendwie auch sozialpädagogische Kompetenzen und Kompetenz zur sinnvollen Vernetzung mit für die Problemlösung geeigneten Partnern Es geht 2. darum, die Fähigkeit, zur Weiterverbreitung zu vermitteln. Wenn politische Bildung in der Schulung enhalten sein soll, dann aber Inhalte, die nicht von einer Partei vorgegeben werden. Zu groß ist die Gefahr, dass der Organizer in die Rolle eines Agitators gerät, und diese wäre unbedingt kontraproduktiv. Mir schwebt da zB. eine Behandlung des Neoliberalismus vor, zB. mit Mausfelds Buch "Warum schweigen die Lämmer". Damit die Lehrgangsinhalte nicht verwässern, sollten sie verschriftlicht werden und in einem Forum abrufbar sein.


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