Ihr und Wir und der Faschismus


  • Baden-Württemberg

    Neues Thema weil im alten Thread Thema verfehlt

    Steffen Beck
    Also Lotte, nicht aufgearbeitet ist eine zu schwache Formulierung. Ich habe den Eindruck der Faschismus wurde in Watte gelegt, vieleicht soll er ja noch zu etwas nützen? Warum habe ich, bei aller konservativer Debatte noch nirgendwo von einer Verurteilung rechter Straftäter gehört. Warum ist es möglich, dass in staatlichen Organen so viele Rechte sitzen? Was da in den NSU-Untersuchungen deutlich wurde, ist mit Nachlässigkeit und Irrtum nicht zu verharmlosen. Das ist eins. Rechtliche Regeln gelten aus der NS-Zeit nach wie vor. Auch da gab es sowas wie einen Rechtsstaat. Die Judengesetze waren geltendes Recht. In meiner Heimatstadt wurde die einzige jüdische Familie ganz rechtsstaatlich drangsaliert und schließlich vertrieben. Wo wurde gelernt, dass Rechtstaatlichkeit alleine nicht ausreicht, dass es auch eine Gerechtigkeit geben muss? Der NS_Staat basierte auf einer Mehrheit, die repräsentative Demokratie der WeimarerRepublik hat ihn ermöglicht. Die Bundesrepublik lebt auch in der Tradition der repräsentativen Demokratie. Wenn 51 % beschließen, dass 49% umgebracht werden, ist das Demokratie? Arroganz und Überheblichkeit, eine mir schon früher aufgefallene Eigenschaft vieler Deutscher gegenüber Ausländern. Noch heute ist dieser Ton in Füßballreportagen nicht zu überhören. (Auch wenn China gegen Japan spielt fehlt nicht der Hinweis, welcher Spieler in welcher Bundesligamannschaft spielt.) Die Medien spielen dieses Spiel mit. Wenn in der Schule Toleranz gepredigt wird, wird spätestens beim Fernsehabend das Gegenteil behauptet. Wenn ich Dir jetzt noch all die Faktoren der Verblödung nennen soll, wird dieser Artikel zu lang, aber Du kennst sie auch so. Ein nicht unwesentlicher Faktor für rechte Entwicklung. Der Deutsche ist gegen Manipulaion nicht immunisiert, wozu auch, die Werbung soll ja wirken. Und so ist er anfällig fur jeden Bauernfänger der des Wegs kommt. (Und die Linkspartei setzt auf linken Populismus, das geht leichter als Aufklärung. Auch eine Form des Realismus.) Integration in Deutschland wird verstanden als "Anerkennen der deutschen Werte", man spricht von "Leitkultur", von Anerkennen der fremden Kultur, keine Rede. Ich habe als Kind gelernt, fremde Völker zu achten. Vieleicht lernt man das in der Schule heute auch, in der Verlogenen. In der Politik gilt nur das Recht der Stärkeren und die Interessen des Kapitals. Dann ist da die 2/3-Gesellschaft. Es wird in Kauf genommen, dass es einer Minderheit richtig schlecht geht. Die Gesellschaft schafft es darüber hinwegzusehen. Die Betroffenen bilden alternative Subkulturen, haben sie einen anderen Weg? Alles ist da möglich. Und der nicht betroffene Teil hat ein Objekt, seine Arroganz auszuleben und Vorurteilen zu frönen. Beide Gruppen sind ein Quell rechter Entwicklungen.
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    Lotte vor 12 Stunden

    Ich will in meinem Blog versuchen, diese Themen anzusprechen. Für mich ist die "Unfähigkeit zu trauern" von den Psychologen Mitscherlich und anderen wichtig.

    Den Faschismus in sich selber erkennen und darüber trauern können. Damit wieder aus der Gefühllosigkeit kommen und für andere Empathie entwickeln können. Das fehlt uns auf großer Linie. Das kann ich für die DDR nicht beurteilen - man sagt ja, dass dort die Abwehr auf die Verlagerung des Faschismus im Westen geschoben wurde.

    Egal. Wir haben kaum echtes Mitgefühl, bezahlen viel Geld für katastrophenopfer - damit haben wir unseren Obulus gegeben. Unser Ablass funktioniert gut. Ansonsten ist Geiz geil, Unsere Tragik ist, dass die Flüchtlinge uns nicht lieben. Sie kommen nur wegen unserem Geld. Der Bumerang trifft dieses Volk zu Recht. Deutschland ist bekannt und beliebt für seine Sauberkeit und seinen materiellen Wohlstand, heimlich bewundert und gefürchtet für die perfekte Organisation industriellen Massenmords.
    Vielleicht noch das Oktoberfest.
    Wir ertränken unser unterbewusstes Leid in allen Arten von Süchten. Sucht macht gefühllos. Süchtige sind perfekte Untertanen. Dagegen müssen wir einen Hebel finden.

    Bei dir hört man den Schmerz heraus. Wie ist tief sitzt das Trauma bei den DDRlern hier?
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    willi uebelherr vor 11 Stunden

    "Bei dir hört man den Schmerz heraus. Wie ist tief sitzt das Trauma bei den DDRlern hier?"

    Liebe @Lotte, nicht nur bei den Menschen, die in der DDR lebten. Auch bei uns in der BRD kenne ich es. Vertane Moeglichkeiten.

    1956 ist fuer mich die Zeit des Einbruchs. Im Westen das Verbot der KPD, im Osten das Verbot der "utopischen Sozialisten". In beiden teilen ging es um demokratische Selbstorganisation. In beiden Teilen wurde es mit Militaerstiefeln zertreten. Und, nicht zu vergessen, in beiden Teilen faschistische Staatsanwaelte.

    Und, wie tief sitzt nun das Trauma bei dir?

    Lotte:

    Ich möchte gern ausführlich darüber sprechen, weil ich mich auf meinem Weg sehr allein gefühlt habe, auch unter Genossen.
    Ich hatte eine normale Gesprächstherapie begonnen und nach einem Jahr wurde mein Geliebter in Nicaragua ermordert. Er, Entwicklungshelfer, wurde von der Contra erschossen - zusammen mit 2 anderen Entwicklungshelfern und 2 Sandinisten.
    Das hat - kurz gefasst - in mir einen Bodensatz hervorgeholt, der zuvor im Unterbewussten schlummerte. Krieg und Faschismus, Tod und Verderben und vor allem Angst. Angst vor Katastrophen, Angst vor Verfolgung, Angst vor Folter. Tiefe, fast psychotische Zustände - während der ganzen Zeit habe ich gearbeitet. 8 Jahre später sind meine Eltern gestorben und das hat den Prozess noch einmal vertieft in Richtung einer Gesamtsicht meines Werdens.

    Ich beziehe mich nun nur auf die Faktoren, die für den politischen Prozess wichtig sind. In meiner politischen Sozialisation ist mir aufgefallen, dass alle Jungkommunisten damals derdie einzige in der Familie war. Als wenn es einen gab, der für die Schuld, die Aufdeckung, die Aufklärung und die Sühne zuständig war. So auch bei mir. Erstaunlich, wie ruhig meine Eltern meine Widersätzigkeit annahmen. "Es gibt immer Streit, wenn du kommst", sagte meine Mutter, "aber es ist interessant." Sie sagte auch: "Ich habe viel gelernt von dir. Mit 9 Jahren sagtest du im Gottesdienst (katholisch): Schau dir ihre GEsichter an - sie lügen alle." Sie waren die verlorene Generation, 20 und 25 Jahre alt bei Kriegsende. Mein Vater mit 19 direkt an die Ostfront. Nie Parteimitglied - bis im Krieg alle einfach übernommen, sagte er. Beide waren später immer an allem an Aufklärung politisch interessiert als einfache Leute - im Gegensatz zu ihren jüngeren Geschwistern, die entweder strikt unpolitisch oder ablehnend waren. CDU wählen war aber für alle Pflicht. Der Hauptprügel in meiner Familie war der Gehorsam. Niemand hatte sich gegen die Eltern aufgelehnt, die sie in den Krieg geführt hatten. Alle fanden, die Russen wären schuld, dass der Bruder meines Vaters vermisst war. Deswegen waren meine Diskussionen für sie ebenfalls wichtig - sie bekamen die Informationen, die sie vorher nicht hatten und lernten auch begreifen. Nur ich verstand das damals noch nicht richtig und dachte, alles sei Kampf.

    Das ist meine Erklärung der relativen Gelassenheit meiner Eltern: Ich habe etwas für sie übernommen. Sie gaben geduldig Antwort auf meine bohrenden Fragen. Lange Jahre hatte ich als Kommunistin eine gute Abwehrposition: ich war ja keine Faschistin. Da ging es mir wie der DDR. Ich war die Gute und griff in diesem Bewusstsein alles an, was sich mir in den Weg stellte. "Wir haben nichts gewusst" war mein Lieblingsziel, bis ich meine Eltern gnadenlos entblößt hatte.
    Als die DDR krachte, so spektakulär, war das für mich ein Schock. Ich fühlte erstmal gar nichts - außer dass ich mich ja nicht den Bildern entziehen konnte, die diese heulenden glücklichen Menschen zeigte. ich heulte auch, wusste aber letztlich gar nicht, warum. Eben Schock. Als ich zu dieser Zeit nach Hause kam, war es still. Das schockierte mich nochmal. Kein Hohn, kein Spott, keine Überlegenheit - was war los? Ich war auf alles gefasst gewesen, aber auf das nicht. Erst viel später fiel mir auf - es war die Wiederholung von 1945, als ihr Staats- oder Gedankengebäude zusammenbrach. Sie sahen und fühlten es ähnlich.
    Mein Vater starb 1995 und im Vorfeld wie danach brach eine neue Ebene bei mir auf. Schuld und Scham. War ich bis jetzt froh gewesen, keine Faschisten als Eltern gehabt zu haben, schämte ich mich jetzt über den Stolz meines Vaters über seinen Gehorsam. Stolz war er, dass die 3 Monate, wo er in eine Munitionsfabrik abgestellt war, keine Sabotage verübt wurde. Er hat es NIE begriffen, dass Gehorsam das Falsche war. Brandt war ein Verräter, Deserteure sowieso. Aushalten war seine masochistische Haltung, aushalten ist das Richtige. Da hatte ich tiefe Verachtung und Scham. Zudem kam die INfo, dass er beim Rückzug ein Dorf in eine Kirche treiben und anzünden musste. Da dachte ich: Das überlebt niemand. Er hat nachts als junger Mann im Schlaf geschrien: "Lasst mich sterben" und das verstand ich nun. Er war Alkoholiker geworden - ein großes Leid und Drama für die Familie - aber das verstand ich nun. Kein Mitleid mit ihm - sein Tod und sein Leiden waren gerechtfertigt.
    Erst nachdem er gestorben war, kam die Ebene hoch, die wir Kommunisten lange Zeit nicht hochkommen ließen: das Leid der jungen Soldaten, der MIßbrauch und die Verführung als psychisches Trauma, das an uns weitergegeben wurde. Da brach mein Panzer und ich fiel in den Kreislauf von Täter und Opfer. Ich fiel in eine tiefe Depression, ich war schuld. Ich hatte kein REcht zu leben. Meine Hände sind schmutzig. Es gab damals einen russischen Film: "Komm und sieh" und ich saß tränenüberströmt davor und es war ich. Diese Täter waren auch ich. Nach so etwas kann man nicht weiterleben. Sagte nicht jemand, nach Ausschwitz kann es keine Gedichte mehr geben und keine Forschung? Das war mein Zustand. Milliionen Menschen hatten keine Chance mehr zu leben, Kinder zu bekommen - und ich gehe ins Schwimmbad oder mache einen Grillabend? Undenkbar. In dieser Zeit hielt Bubis seine Rede, dass kein junger Deutscher persönlich schuld sei, dass es keine Kollektivschuld der Deutschen jetzt gebe. Ich konnte nur lachen. Ich WUSSTE dass es diese Schuld gab. Ich hatte diese Schuld. Aber ich konnte mich meiner Umgebung nicht mehr verständlich machen. Niemand hatte Schuld, Jeder konnte mir vorzüglich erklären, dass das Nonsens ist. Ich trafe etliche Sadomasochisten, da die Masochisten, die verstanden mich. Aber sie waren wiederum nicht politisch. Ich fand mich wieder in Büchern - z.B. in Niklas Frank. Nicht in seinen Eltern sondern in seinem Erleben als Nachfahre. Oder Robert Schindel, der österreichische Jude in seinem Roman "Gebirtig", wo er Täterkinder und Opferkinder aufeinanderprallen lässt und die Frage aufwirft, ob sie eine Ebene zusammen finden. Das Trauma formal ist nämlich dasselbe. Es ist ähnlich dem Trauma von Kindern von Alkoholikern: Auf der Elternebene spielt sich ein Drama ab und du bist der Zuschauer. Du kannst nix dafür, aber du bist involviert und belästigt. Dein Leben wird verseucht.
    Heute lebe ich relativ zurückgezogen und will meine Ruhe. Ich probiere immer wieder, aber das Thema ist verbrannt. Es werden kluge Reden geschwungen - auf jeden Fall. Es wird rational verarbeitet, auf jeden Fall. Es wird auf die korrekte politische Schiene gestellt - auf jeden Fall.
    Aber die Sekundärprobleme bleiben. Das verstehe ich auch inzwischen, denn ich habe ohne es zu wollen ein Fass geöffnet, dass mich weggetrieben hat für Jahre. Ich dachte, man kann da wieder zurück, aber das geht nicht mehr. Ich bin emotional ein anderer Mensch geworden. Und wenn ich Jahre "verloren" habe, habe ich doch an Wissen und ERfahrung gewonnen - und die Ermordeten haben das ganze Leben verloren. Da bin ich ja noch gut dran.

    Mein Kampf geht immer noch darum, Leben anzunehmen und zu genießen und mich nicht selbst zu bestrafen.
    Ihr wollt mich trösten? Lasst es, denn ich kann euch relativ gut nachweisen, dass ihr genau gleich seid, wenn ihr Deutsche seid. Ihr habt nur andere oder noch sehr gut funktionierende Verdrängungsmaßnahmen.

    Eine Konsequenz wäre Krieg und Faschismus vollständig auszumerzen, denn er macht alle gleichermaßen kaputt - Täter wie Opfer. Keiner überlebt diese Massaker. Genauso wichtig ist es, die Sekundär"tugenden" wie Lüge, Verführung und Gewalt zu durchschauen und abzustreifen. Und echte LIebe lernen. Fazit: Ein neues System kann man nicht mit alten Menschen machen. Neue Menschen braucht das Land.



  • "Mein Kampf geht immer noch darum, Leben anzunehmen und zu genießen und mich nicht selbst zu bestrafen. Ihr wollt mich trösten? Lasst es, denn ich kann euch relativ gut nachweisen, dass ihr genau gleich seid, wenn ihr Deutsche seid. Ihr habt nur andere oder noch sehr gut funktionierende Verdrängungsmaßnahmen."

    Liebe @Lotte, das thema ist ja Faschismus und wie gehen wir damit um. Nur, zuerst muessen wir uns darueber verstaendigen, was eigentlich Faschismus fuer uns ist.

    Fuer mich bedeutet es "buendeln und ausgrenzen". Buendeln die Ja-Sager, ausgrenzen die Nicht-Ja-Sager. Der pruegel "Gehorsam", den du erwaehnst, ist eine der angewandten methoden im Faschismus. Auch die Angst, nicht dazu zu gehoeren, ausserhalb der Stampede zu stehen, ist eine reaktion auf diese Methoden, basierend auf einem fehlenden Selbstwertgefuehl.

    Grundsaetzlich kannst du niemals eine Schuld auf dich laden, wie deine Eltern ihr Leben bestimmt und gefuehrt haben. Es war ausschliesslich ihre Entscheidung und sie haben dich nie gefragt.

    Ich habe mir die freiheit genommen, meinen Vater zu verachten. Eine Scham, wie du es fuer dich ansprichst mit "Verachtung und Scham", waere mir nie in den Sinn gekommen. Er hat sein Leben so gefuehrt, wie er es fuer sich als richtig erkannte. Ob er damit gluecklich war, war seine Sache.

    Mein Vater war Faschist in meiner definition, aber nie mitglied der NSDAP. Als handwerker in der damaligen Zeit hatte ich ihn sehr geachtet. Als Mensch war er komplett verkrueppelt und mit ihm seine ganze familie. Meine Mutter hat einige jahre in der Schweiz, in Genf, gelebt und hatte viele beziehungen zur Resistance. So konnte ich nicht verstehen, warum sie sich so einen Mann ausgesucht hatte. Sie selbst wohl auch nicht.

    Dass wir als kinder da ausbrechen ist doch mehr als notwendig und gesund. Fuer uns ging es doch darum, unser eigenes Leben zu gestalten. Wir konnten uns als Saeuglinge nicht unsere Eltern aussuchen. Und wir konnten auch nicht einwirken, was sie tun und warum.

    Solche Verselbstaendigungsprozesse sind ein grosser Vorteil. Aufzuwachsen in einer Umgebung, die unserem Lebensstil und unseren Denkweisen gegenueber feindlich gestimmt ist. So lese ich etwas zwischen den zeilen, die du schreibst. Und es kommt mir auch etwas entgegen, was mich an deine aussage erinnert, "das Gute notfalls auch autoritaer umzusetzen". Darin sehe ich deine verkettung mit der Unfaehigkeit anderer menschen, ihre lebensweise selbst zu gestalten.

    Das gilt notwendig auch fuer unsere positiven Vorschlaege fuer eine bessere Zukunft. Wenn die Deutschen es nicht wollen, dann soll es so sein.

    Das war doch das Hauptproblem in der DDR. Die Eliten haben die Vorschlaege sich ausgedacht und nun sollten das alle umsetzen. Voellig irrsinnig. Das muss zwangslaeufig in die Hose gehen.

    Die Alternative ist der freie Raum. Das setzt die radikale Dezentralisierung voraus, damit der Betroffenheitsraum kleiner wird. Aber da faengst du sofort an, wild herum zu fuchteln, weil es wohl fuer dich nicht vorstellbar ist, dass andere es anders machen. In meinen Augen operierst du in einem Korsett von selbst geschaffenen regeln. In deiner Erzaehlung finde ich dafuer viele Ansatzpunkte. Und deshalb transponiere ich diese debatte auf eine andere Ebene.

    ""Wir haben nichts gewusst" war mein Lieblingsziel, bis ich meine Eltern gnadenlos entblößt hatte."

    Was soll das denn? Das einzige daran ist doch eher ein Verstaendnis, warum sie so gehandelt haben und was sie sich dabei gedacht hatten. Das kann uns helfen, wobei wir uns sowieso klar waren, warum sie so gehandelt haben. Aber die Frage ist ja auch, gab es im Leben unserer Eltern Alternativen? Konnten sie waehlen oder waren sie auf Gedeih und Verderb einem aufgezwungenen Lauf ausgeliefert? Und wenn es Alternativen gab, warum haben sie sich nicht fuer die eine oder andere entschieden?

    Unsere Eltern und deren Geschwister und Eltern sind fuer uns zumeist die einzige Tuer in die Wirklichkeit der Geschichte. Und auffaellig war fuer mich immer, dass allen meiner FreundInnen wie auch mir diese Tuer verschlossen war. Wir standen eben aussen vor. Das ist ja auch nicht so schlimm, weil die Mosaiksteine ja doch vereinzelt ihren Weg fanden, die wir dann zusammen basteln mussten. Ging ja.

    Nochmal zurueck zum Faschismus. Diese Enge, diese Alternativlosigkeit, diese Intoleranz sind wesentliche merkmale des Faschismus. TINA (There Is No Alternative) ist vollstaendig faschistoid. Die christliche Inquisition seit 360 war offener Faschismus. Den Faschismus mit Kapitalismus in konstituierende Beziehung zu setzen ist voelliger Unsinn. Mit Katholizismus das geht schon eher, obwohl es auch nicht hinreichend ist. Faschismus ist eine notwendige Bedingung fuer elitaere Herrschaft. Ganz egal, in welchem Gewande sie daher kommt. Und, in welchem Raum sie stattfindet. Da reicht schon eine Kleinfamilie.

    Auch Schule ist organisierter Faschismus, sonst waere es keine Schule. Das tragende dabei ist, dass ueber jahrhunderte gezielt die demokratische Selbstorganisation zerstoert wurde. Auf dieser Basis, breit gestreut im Denken der Individuen, wird das Geruest reproduziert.

    Deswegen ist das so ein fuerchterlicher Unsinn, was Che Guevara als auch Hugo Chavez proklamierten: der Sozialismus braucht einen anderen Menschen. Geht nicht. Wir sind so, wie wir sind, mit all unseren Potentialen bis ins hohe Alter. Jeden Tag koennen wir ein anderes Leben beginnen, wenn wir wollen. Wir muessen nur wissen, wie wir leben wollen.


  • Baden-Württemberg

    "ich bin fundamental NICHT einverstanden mit deinem text bzw den einstellungen, die darin zum ausdruck kommen.

    alle menschen erben die gesamte geschichte.

    nicht doitsche die doitsche.

    sondern die doitsche selbstverständlich auch.

    und da kommt noch einiges hinzu, bis auf den moment, wo elitenfaschisten den 3.weltkrieg einleiten und auch ohne das unsägliches angerichtet haben.

    schämen werden sich nur die, die doitschland oder die doitschen, oder auch gleich die menschheit, überschätzt und idealisiert haben.

    diese scham ist ausdruck ihres andauernden nichtverstehens. die ist nicht einmal eine selbstkritik.

    fang endlich an, dich um ein verständnis zu bemühen. und zwar nicht wegen den dummen, dummen emotionen. die urteile hinter diesen emotionen sind verkehrt. darum."

    Wir werden doch gelesen - hat mir eine Bekannte geschrieben.

    Eine für mich verfehlte Interpretation, denn ich wollte an meiner Biographie zu diesem Punkt eine Diskussion anregen. Natürlich hat die Vernunft eine andere Position als ein Teil der dargelegten Gefühle. Die Frage wäre, wie exemplarisch das für uns und Teile unseres heutigen Handelns ist, zumindest die Generation nach dem Krieg, und die derzeitige Situation.

    Nun hat mir Christoph mitgeteilt, er hat als Moderator eingegriffen und den Mitmoderatoren empfohlen, dieses Beitrag aus dem Allgemein zu entfernen. Das sei persönlich und gehöre in den Blog. Also nicht gelöscht. Seine Meinung finde ich sehr interessant. Ich finde, das gehört nicht "abgeschoben", weil es versucht, die Frage aufzuwerfen, was exemplarisch ist und dies über "das Persönliche ist politisch". Ich habe es nur ansatzweise angerissen und wollte darüber eine vertiefte Diskussion. Eine Diskussion, die meistens fehlt in Zeiten der allgemeinen Statements oder Klagen. Die Begründung kann HC ja hier liefern. Ich sehe sie noch nicht ein. Aber offensichtlich gibt es begründete Für und Wider.


  • Niedersachsen

    Lotte, Dein persönlicher Beitrag hat mich sehr bewegt. Vor Allem Deine Schuldgefühle, die ich allerdings auch nicht für gerechtfertigt halte. In der DDR hatten wir es einfacher. Die Vergangenheit im NS-Staat war einfach tabu. Es wurde nicht drüber geredet. Vor Allem nicht über Schuld. Und so konnten wir schön schwarz/weiß alles ablehnen, was mit dem Faschismus zusammenhing. Es erreichte uns nicht auf der persönlichen Ebene. Erst nach 1990 habe ich einige Dinge erfahren, die auch in meiner Umgebung bedenklich waren. In der DDR hatten wir so etwas wie ein pauschales Schuldgefühl, dass sich in einer gewissen nationalen Bescheidenheit ausdrückte. Wir fühlten uns aber immer auf der Siegerseite. Dinge wie Flucht und Vertreibung, die auch in unmittelbarer Umgebung relevant war, oder das Problem Israel mit den Palestinensern, spielten sich in einer vom Alltag losgelösten Ebene ab. Man hatte manche Widersprüche zu dialektischen Widersprüchen erklärt, die eben nicht auflösbar waren. Willi, Deine Deutung des Faschismus ist zu einfach. Der Kapitalismus ist eine Ursache dafür. Aber ich gebe Dir Recht, er ist auch älter. Was aber allen Faschismusformen gemeinsam ist, ist der Widerspruch zwischen arm und reich. Je größer die Schere auseinander klafft, desto größer werden die sozialen Spannungen. Auf beiden Seiten dieser Auseinandersetzung kommt es zu einer Radikalisierung. Linke Kräfte versuchen, die Verhältnisse erträglicher hinzukriegen, die Herrschenden richten einen Polizeistaat ein, um dem entgegenzuwirken. Gleichzeitig versuchen die Herrschenden zu spalten. Das wird erreicht durch Aufhetzen von Bevölkerungsgruppen gegen andere. Das geht aber nur, wenn die natürlichen Schwächen der Menschen ausgenutzt werden. Da denke ich an Vorurteile und Überheblichkeiten sowie Egoismen. Je niedriger der Bildungsstand oder allgemeiner das Kulturniveau der Menschen ist, desto leichter lassen sich faschistische Strukturen errichten. Schauen wir uns unsere gegenwärtigen Zustände an, dann finden wir einige Merkmale, die die Rechtsentwicklung nicht nur in Deutschland erklären kann.


  • Baden-Württemberg

    Steffen, ich denke, Bubis hatte natürlich recht mit Verantwortung statt Schuld - aber bei mir war es so und deshalb habe ich es beschrieben. Ich denke, ich habe die Schuld meines Vaters - nonverbal übertragen - psychisch ausagiert und sage heute: lieber so als andersrum Mein anderer Opa, der Vater meiner Mutter, war vom einfachen Schlosser zum Unternehmer einer Metallfabrik aufgestiegen und iin die NSDAP eingetreten, GEmeinderat geworden. Er wie von Stauffenberg dann ab 1942 Hitlergegner und hat meine Heimatstadt als Feuerwehrkommandant illegal den Franzosen zur Kapitulation übergeben, um der Zerstörung zuvorzukommen. Sein Stellvertreter, der das mit ihm machen wollte und der SS kundtat, wurde gleich am Bauzaum erhängt. Ich bekam ein Erbe viel später von meiner Mutter - und das löste sich auch nochmal Schuld aus. Ich als Täterkind noch ein Erbe - das ging gar nicht. Ich musste Wege finden.

    Ich wollte damit auch die Differenziertheit der schillernden Personen in die Diskussion bringen, gegen diese glatten Dogmen und Fronten. Die Suche und HIngabe an Sekten, Führer, Verschwörungen - der ganze Kampf um die Köpfe verlieren wir andauernd. Sadomasochismus als gesellschaftlicher Zustand wächst. Und die Maßnahmen dagegen sind meines Erachtens völlig unterkomplex.
    Schön, dass es dich bewegt hat und du geantwortet hast, Steffen.



  • Bitte nehmt es mir nicht übel, für mich gibt es kein Ost oder West, kein Europa und kein Staat dieser Welt. wenn wir von uns Menschen reden und unserem Bedürfnis ein Leben in Rufe und Frieden leben zu können. Wir haben allesamt keine Erbschuld aus der Zeit vor unserer Existenz zu tragen. Wie Du @Lotte bereits geschrieben hast, tragen wir jedoch eine Verantwortung nie wieder die selben Fehler zu begehen.
    Wir haben alle einen gemeinsamen Gegner den wir weltweit kritisieren aber ihn trotz aller Kritik weiter füttern. Es ist die Gier. Sie ist in uns allen existent nur unterschiedlich ausgeprägt.
    In Chile kommt es aktuell zu Straßenkämpfen, die Menschen dort haben ihren wahren Gegner erkannt. Sie wollen nicht mehr hinnehmen das die neoliberale Politik ihnen die Lebensqualität raubt. Es ist nur eine Frage der Zeit bis wir auf unseren Straßen das Selbe erleben.
    Ohne diese zerstörerische Politik gäbe es sicher auch einen extremen rechten wie linken Rand, aber diese teilweise gewaltbereiten und menschenverachtenden Ränder hätten keine Chance den Umfang anzunehmen den wir heute verzeichnen müssen.


  • Niedersachsen

    Heinz, Dein Bild von linker Rand, Mitte und rechter Rand, stimmt, glaube ich so nicht. Überhaupt halte ich die Rechts/Links- Unterscheidung nicht zielführend, eine Lösung zu finden. Der Gegensatz zwischen Links und Rechts wird uns als Frontlinie suggeriert. Und zwar sehr geschickt. Man hat da ja Erfahrung. Früher in der Bundesrepublik war das was wir als Rechts bezeichnen wesentlich stärker mit dem Machtzenrum verbunden. Denken wir an die staatliche Verquickung in den 50-er Jahren. Neuerdings distanzieren sich die Konservativen stärker von Rechts. Ob das ehrlich ist, wird bezweifelt. Diese neue Denkart wird benutzt um einen Polizeistaat gegen den Extremismus zu installieren. Bemerkenswerter Weise nur durch Maßnahmen, die den Ursachen des Extremsmus nichts entgegensetzen können. Aber die neuen Mittel lassen sich auch gegen Links verwenden, das wird wohl der eigentliche Zweck sein. An der Verbreiterung der Schere zwischen arm und reich wird nur zugunsten einer weiteren Verschärfung geschraubt. Was ist zu tun?



  • "Nun hat mir Christoph mitgeteilt, er hat als Moderator eingegriffen und den Mitmoderatoren empfohlen, dieses Beitrag aus dem Allgemein zu entfernen. Das sei persönlich und gehöre in den Blog."

    Na @Lotte, sagte ich es doch. Aufraeumen, ausraeumen. Hans Christoph ( @HCGuth ) mutiert nun zum Reinemacher? So ist es, wenn einzelnen personen die Macht gegeben wird, ordnung zu schaffen. Dann kommt sofort der kleingeistige Spiesser auf den Tisch. Wir oft habe ich das erfahren und erlebt insbesondere in den "linken Kreisen". Da waren konservative Bauern und Handwerker noch deutlich radikaler.

    Es ist gut, die diskussion ist nicht aufzuhalten. Auch nicht mit buerokratischem Schwachsinn.



  • "Deine Deutung des Faschismus ist zu einfach. Der Kapitalismus ist eine Ursache dafür. Aber ich gebe Dir Recht, er ist auch älter. Was aber allen Faschismusformen gemeinsam ist, ist der Widerspruch zwischen arm und reich. Je größer die Schere auseinander klafft, desto größer werden die sozialen Spannungen."

    Du weisst natuerlich, dass das auch ein wink mit dem zaunpfahl in richtung Dimitroff war. So nebenbei. Elitaere Herrschaft schafft immer tiefe soziale Spaltung. Geht gar nicht anders. Individueller Reichtum ruht auf dem Raub an der Gemeinschaft und schafft notwendig gesellschaftliche Armut. Da sind wir uns bestimmt einig.

    Jede elitaere Herrschaftsform beinhaltet den Faschismus als Methode. Faschismus ist niemals Zweck. Die Faschisierung beginnt, offen zu werden, wenn das soziale Pflaster nicht mehr funktioniert. Sahra Wagenknecht fokussiert auf Ludwig Erhardt, weil damals das soziale pflaster noch funktionierte. Zumindest in den Koepfen. In der Wirklichkeit hat es sowieso nie funktioniert.

    In meiner Zeit, als ich bei BMW in Muenchen arbeitete, waren meine einzigen offen agierenden gegner die gewerkschaften. Und fuer sie galt: Bist du nicht mein Freund, dann bist du mein Feind. Reinster Faschismus.

    Die gewerkschaften sind existenziell auf sich unterwerfende ArbeiterInnen angewiesen. Sie sind damit teil der elitaeren Herrschaft, weil teil ihrer Vollzugsorgane. Und wenn du deren alltaegliches verhalten kennst, dann weisst du, was "linker" Faschismus ist. Also Faschismus mit linker Agitatorik. Wir kennen auch Faschismus mit "rechter" Agitatorik, das Nationale, Volksgesundheit. Leitkultur und diesen ganzen schwachsinn.

    Auch unser @Gero-Hoffmann hatte frueher seine Lust an faschistoiden Methoden. Er war begeistert daran beteiligt, die "Revisionisten" aus der KBW ortsgruppe Muenschen auszusondern. Ich war teil dieser auszugrenzenden gruppe.

    Ich kenne viele aehnliche prozesse bei Attak-de, PdL, Freidenker, WeltSozialForum und sonstigen sogenannten "linken" organisationen. Beim KBW Muenchen war es der Rausch an der proletarischen Parteibildung, die allerdings nie stattfand. Es waren Schueler und Studenten, die berauscht waren. Bei der PdL waren es die privaten Geld- und Finanzsysteme, weil ich sie fuer ueberfluessig und billiges theater erklaerte, was den Funktionaeren ueberhaupt nicht passte.

    Sonst war es meine radikale Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts der Voelker, was notwendig zur Aufloesung der rassistischen und damit faschistischen Besatzungsherrschaft Israel in West-Palaestina fuehrte. Auf den WeltSozialForen haben die deutschen, Attac, Friedrich Ebert Stiftung, Rosa Luxemburg Stiftung, Heinrich Boell Stiftung alle Initiativen gegen israel abgeschmettert. Sie konnten es tun, weil sie HauptSponsoren waren. Ausgestattet mit oeffentlichen Geldern, die aus dem raub, den Steuern, in ihre kassen flossen.

    Ich denke, ihr wisst gar nicht, was alles in eurem Namen und mit eurer beteiligung global passiert.

    Wir muessen uns wohl oder uebel davon verabschieden, Faschismus als etwas besonderes zu betrachten. Es gab einen peruanischen Journalisten, (ed: José Carlos Mariátegui (1)), der anfangs der 20er jahre WestEuropa besuchte, Er war viel in italien und erlebte die offene Faschisierung. Und er war auch in Deutschland. Er erlebte diese Oeffnung des Faschismus, seine Zelebrierung, aus der organisierten Arbeiterbewegung. Die DDR war ja nichts anderes.

    Ich weiss, lieber @Steffen-Beck, dass du diese Sichtweise ablehnst. Und ich kann es auch verstehen. Ich koennte jetzt viele beispiele erwaehnen, wie ich ende der 70er und in den 80er die DDR erlebte. Eines will ich aber hier hervorheben. Bei meinen ersten besuchen in Ost-Berlin aus West-Berlin passierte mir haeufig, dass ich von Menschen massiv attackiert wurde, sprachlich, weil ich die Strasse zu fuss bei Rot ueberquerte, wenn kein Auto zu sehen war. Fuer mich war das unbegreiflich, was da ablief. Und weil ich derart ueberrascht war, konnte ich auch nicht ruhig ein gespraech initiieren. Ob es moeglich gewesen waere, weiss ich nicht. So machte ich mich lustig, was bestimmt nicht gut war. Der Hass wurde geradezu befluegelt.

    Ich weiss ja selbst, welchen Luegen die Westler auf den leim gingen. Und ich vermute, dass die Potentiale in der DDR deutlich hoeher waren wie in der BRD, um eine gerechte Gesellschaft entstehen zu lassen. Die Schwierigkeit, auf die wir dabei stossen, ist ja immer die individuelle Identifikation mit Schwachsinn. Also das zelebrieren intellektueller Dekadenz. Heute sehen wir das in der region Deutschland oder EU in seiner grenzenlosen Entfaltung.

    Bei meinen kontakten in OstBerlin mit den damaligen AufsteherInnen wurde mir das fehlen eines offenen, radikalen und frechen Denkens immer sehr bewusst. Ich war damals aktiv in der hausbesetzerszene, wir hatten mitten im Ghetto ganz bewusst einen kinderladen organisiert. Diese Atmosphaere des freien Diskurses war meine grosse Liebe. Die wenigen WestBerlinerInnen, die ich kannte, liessen sich dort nie sehen. Es war fuer sie eine NoGo-Sphaere.

    So betrachtet wusste ich natuerlich, dass Wedding, NeuKoelln, Kreuzberg und SO 36 nicht das normale WestBerlin war. Es war etwas ganz anderes.

    Haetten wir die gleichen freunde im Osten gefunden, dann haetten wir bestimmt schon damals die Mauern abgebrochen und recycled oder andere freie durchgaenge geschaffen. Aber, es wollte nicht sein.

    1. https://de.wikipedia.org/wiki/José_Carlos_Mariátegui

  • GLOBALER MOD LOKALER MOD

    @willi-uebelherr @Lotte Ich hatte Lotte nichts mitzuteilen, weil ich nicht "eingegriffen" habe. Kontakt zu Mitmoderatoren hab ich auch nicht ausser zu Guido. Es ist nicht mal im Ansatz irgendwas GESCHEHEN, aber Lotte muss petzen und Willi ätzen. Dabei betrifft meine MEINUNG durchaus mich und meine Beiträge genauso: Ich denke, dass wir, dieses Schreiber-Trio, das Forum derzeit zu stark prägen mit unseren Äusserungen; die aber thematisch und auch sonst zu stark unsere persönliche Anschauungswelt zum Ausdruck bringen, und damit den öffentlichen Raum besetzen, und andere vom Sich-Äussern abbringen. Und natürlich haben so meinungsstarke Leute eine Agenda, die sie andern auch vorstellen wollen. Bloss: Das sollen sie eben in ihren Personen-gebundenen eigenen Foren tun, auf die (wenn das technisch realisierbar ist) im "Aktuellen" genauso verwiesen würde wie auf die Äusserungen in allgemeinen Foren-Rubriken.
    Das heisst nun überhaupt nicht, dass wir hier nich tmehr schreiben sollen _ nur, dass solche Äusserungen thematisch mehr zur Rubrik passen sollen, in der sie erscheinen. Und nicht nur passen SOLLEN, weil wir der Meinung sind, dass das von allen andern so gesehen werden SOLL, und allein schon durch das Posten von etwas (womöglich sogar bewusst, provokativ) "Unpassendem" ein STATEMENT abgeben: Seht her, Leser - das hättet ihr nicht erwartet, nicht wahr - aber ihr hättet es erwarten SOLLEN!
    Warum, umgekehrt, ist es euch so zuwider, eure thematisch speziellen Äusserungen in diesem Format eines Blogs zu posten? Zensur wird hier wie dort nicht geübt (wenn man euch so hört, könnte man meinen, es wäre anders...)
    Passt es euch nicht, weil es euch die Möglichkeit zu genau solchen erzieherischen Statements nimmt?
    Was die Macht angeht, Willi: Die will ich nicht. Aber die Auseinandersetzung über eure Posting-Praxis - die möchte ich führen.
    Die Diskussion ist nicht aufzuhalten"? Oje. Manchmal verstopfen sich die Diskutanten ihren Diskussionsraum schon ganz selbst. Dazu braucht es keine Bürokraten.


  • Baden-Württemberg

    Erzieherische Statements - wären dann vielleicht deine hunderten theoretischen Einwände und Belehrungen gewesen. Was unpassend und passend ist, finde ich reichlich gewagt zu bewerten. Das Persönliche ist politisch und mein Thema sehe ich als politisches und nicht als psychologischen Selbsthilfegruppenartikel. Diese Positonierung der Verschiebung finde ich deshalb inhaltlich tendenziös. Ich musste auch nicht "petzen", weil du mir deine Kritik und den Kontakt mit Guido erzählt hast, ohne Aggression von beiden Seiten. Ich finde deine Meinung in Ordnung, deine Aktion auch, ich bin nicht sauer - ich bin aber anderer Meinung. Und das ist meines Erachtens von öffentlichem Foruminteresse und deshalb habe ich es öffentlich gemacht. Ein für mich ganz normaler Vorgang der Transparenz.


  • GLOBALER MOD LOKALER MOD

    @Lotte Ich sagte ja: Mein Einwand bezieht sich auf meine Texte genauso. Freilich nicht auf alles. Und das Wort Statement bezieht sich nicht auf Textpassagen - sondern auf exakt jene Art Statement, die jemand macht, wenn er etwas, das "eigentlich, nicht unbedingt, in diese Rubrik gehört" gerade und absichtlich DOCH dort postet: Als "dadurch dass man etwas macht" ein Zeichen setzen, oder: etwas DURCHSETZEN, etwa "dass das aber doch hierher gehört". Performativ nennt man das in der Linguistik: Handeln, Tatsachen schaffen durch Reden.
    Und das ist ein subtiler Missbrauch der Forums-Allmende, der öffentlichen Aufmerksamkeit. Den ich kritisiere.
    Dass das Private politisch sein soll, DARÜBER kann man REDEN (und es uU dann auch bestreiten).
    Wer sein Privates öffentlich MACHT, redet nicht mehr. Der hat eben schon Tatsachen geschaffen. Bei Willi und dir sehe ich da den ganz entschiedenen Willen zu solchen Durchsetzungs-Aktionen. Und schon kommt die ganze Pampigkeit der Gegenmacht zum Vorschein. Als ob ihr nicht auch Macht ausübt, und durchsetzt. Aber klar: Machthaber sind immer die Andern, und niemals nicht diejenigen, die den öffentlichen Raum, vor aller Verständigung mit andern, mit ihrer Agenda besetzen. Ist schliesslich die richtige; mit der darf man das. Auch ganz ohne Argument.


  • Baden-Württemberg

    "Wer sein Privates öffentlich MACHT, redet nicht mehr. " Das ist eine Katastrophenhaltung. Die letzten 3 Jahrzehnte hat die Forschung den Faschismus der 2. und 3. Reihe über Biographien dargestellt. Namen, Orte und Taten. Literatur ohne Ende. Das Große am Individuellen aufzeigen. Das Zitat oben hat weder das Private als Politisches verstanden, noch das Reden. Solche Texte sind in der Regel Anregungen und Aufforderungen, ins Gespräch zu kommen, anders als Referate oder Artikel, die dem Konsum dienen.
    Egal, ich lasse es so stehen und hätte nur gern die Liste mit den Regeln, was in diese Rubrik gehört.

    Gell 🙂



  • Lieber Hans Christoph ( @HCGuth ), ich liebe deine direktheit. Und, ehrlich gesagt, so abwehrend zu einem persoenlichen Blog im Blog (Forum) bin ich nicht. ich weiss nur nicht, was ich da tun soll.

    "Ich denke, dass wir, dieses Schreiber-Trio, das Forum derzeit zu stark prägen mit unseren Äusserungen; die aber thematisch und auch sonst zu stark unsere persönliche Anschauungswelt zum Ausdruck bringen, und damit den öffentlichen Raum besetzen, und andere vom Sich-Äussern abbringen."

    Wenn ich das lese, dann geht bei mir eine besondere Tuer auf. Ich kenne das zur genuege und nicht erst seit 20 jahren. Die anonyme Referenz auf die anonyme Mehrheit.

    Neben den vielen beispielen will ich jetzt eines aus 2016 hervorheben. Die globale mailliste von ISOC (Internet Society). Dort habe ich parallel zum EU-Survey pogramm "The Next Generation Internet" meinen vorschlag zu den Konstruktionsprinzipien eines InterNet vorgelegt. Sie verstanden alle, dass wir heute kein InterNet haben, sondern etwas, das wir maximal InterStar nennen koennen.

    Eine gwaltige diskussion begann, die sich ueber wochen hinzog. ISOC nennt sich selbst "directory driven Organisation". Die mitglieder sind die Statisten. Werden benutzt. Jede ihrer versuche, diese diskussion zu beenden, war zwecklos.

    ISOC umfasst auch IETF (Internet Engineering Task Force) und IRTF (Internet Research Task Force), die beiden wichtigsten gruppen bei den protokolldefinitionen. Und so war da alles da, was global irgendwie mit Internet zu tun hat. Und das zieht natuerlich gewaltige kreise.

    Die argumentation der "board directors" war die gleiche wie deine. Da gab es keinen unterschied. Es ist ein Selbstverstaendnis, was hier zum Ausdruck kommt. "Wir achten auf die vielen Anderen, die sich nicht selbst aeussern". Sie sagen ja nie, worum es ihnen wirklich geht. Auch im WeltSozialForum finden wir das nicht. Auch nicht bei Attac. de, fr, at oder sonstigem. Es ist ueberall das gleiche.

    Eine intensive debatte koennen wir nicht erzwingen. Sie entsteht spontan. Oft ueber viele ecken. Und wir wissen es vorher nicht, wann. Das kann sich bei jedem thema entzuenden und kann bei auch wichtigen themen ausbleiben. Und, wie willst du nun das Leben in seinem freien Ausdruck ordnen, was immer auf zuegeln und begrenzen hinauslaeuft? Ich werde dir diesen gefallen nicht tun.



  • ""Wer sein Privates öffentlich MACHT, redet nicht mehr. " Das ist eine Katastrophenhaltung."

    Voellig richtig, liebe @Lotte. Hans Christoph ( @HCGuth ) ist ueber sein Studium schon derart entfremdet, dass er nicht mehr weiss, was er eigentlich tun soll. Das leidige Schicksal der "AkademikerInnen", die ihre Kopfgeburten zur Wirklichkeit erklaeren wollen.


  • GLOBALER MOD LOKALER MOD

    @willi-uebelherr Jaha, das Leben in seinem freien Lauf... das schöne ist ja, dass es vor allem DEIN Leben ist, das sich ungezügelt breitmachen darf, oder LOTTES Privatheit, die "politisch" ist.
    Das wirklich Üble ist: dass an den Sätzen, auf die ihr euch beruft, wirklich viel dran ist. Bloss... dass ihr genau DIESE berechtigte Einsicht ausnutzt, um höchst selbst-bezogene Zwecke zu verfolgen. Das ist das Verlogene dran.
    Du sagst, Willi: Eine intensive Debatte koennen wir nicht erzwingen.
    Ich ergänze: Auch Rücksichtnahme nicht. Und du bestätigst: "Ich werde dir diesen gefallen nicht tun."
    Du so wenig wie Lotte.
    Und letztlich... ist das auch eine unnütze Auseinandersetzung um Charakterzüge, die niemand aus dem Stand heraus ändert. Also keine Moralfrage.

    Und auch da muss ich rechtgeben: Am Ende schreibt im Forum gar niemand mehr, wenn wir nicht schreiben. Das wär dann allerdings auch blöd.

    @Lotte Anmerkung zu deinem letzten Beitrag: Es war nicht von der grossen Öffentlichkeit, der bürgerlichen, da draussen die Rede. Sondern von unserer, hier, im Forum. Irgendwie scheinst du geflissentlich diesen Unterschied zu ignorieren.

    Und... nein, ich bin kein director. Von mir aus lasst euer Blog unbenutzt. Ich zwinge niemand zu nichts. Wozu ich Leute am liebsten zwingen würde, geht sowieso nicht: zur Einsicht. (Ok, was ich dafür halte...)



  • "Am Ende schreibt im Forum gar niemand mehr, wenn wir nicht schreiben. Das wär dann allerdings auch blöd."

    Lieber Hans Christoph ( @HCGuth ), so gefaellst du mir wieder. Und vergesse @Steffen-Beck und @Gero-Hoffmann nicht, die ja auch sich mehr und mehr einmischen und damit notwendig die verhaeltnisse veraendern. Auch @Ralf und @Guido schreiben haeufig. @Bruno jetzt auch. Und @Ottopeter hoffentlich bald mehr, wenn es um ein Bunte Westen Thema "Nato raus - Raus aus der Nato" mit der oeffnung hin zur voelligen entmilitarisierung der region Deutschland geht. Dann werden enorme Ressourcen frei, die ein "gutes Leben fuer Alle in Harmonie mit der Natur" auch in der region Deutschland ermoeglichen.

    Ich sehe unseren disput sehr gelassen. Unsere liebe @Lotte vielleicht weniger. Wenn es einer person klar ist, was sie in einem persoenlichen blog innerhalb des forums tun will, werden sie es auch tun. Wenn es um die person selbst geht, ist ein eigenstaendiger blog ausserhalb des forum besser. Wenn es um ihr verhaeltnis zum Aufstehen-Forum geht, dann mag das begruendbar sein.

    Nur, so wie @Lotte es formuliert, hat dieser blog im forum nicht den richtigen ort, weil es eine zusaetzliche anmeldung erfordert. Sie will ja Menschen anregen, vielleicht um sich scharen.


  • GLOBALER MOD LOKALER MOD

    @willi-uebelherr Schnelle Korrektur: Die Blogs erfordern keine Anmeldung, es verhält sich wie in den Foren: Jeder kann kommentieren und lesen, auch Nicht-Registrierte von aussen können lesen. Also nur die Rubrik ist anders, sonst bleibt alles gleich.


  • Niedersachsen

    Eure ganze Kommunikation ist ja ganz nett, aber die Frage, was in einem Blog diskutiert werden sollte, sollte in einem Blog diskutiert werden. Das Problem des Faschismus erscheint mir so wichtig, dass es hier diskutiert werden sollte. Ziel dieser Diskussion sollte es sein, herauszuarbeiten, was notwendig ist, die weitere Entwicklung nach Rechts zu beenden. Was könnte unser konkreter Beitrag sein, die gesellschaftlichen Prozesse mit Denkinhalten zu beeinflussen. Was müssen wir im Zuge der Aufklärung mitteilen. Die ganze linke Propaganda ist offenbar nicht in der Lage, die Menschen breit anzusprechen. Sehr schnell wird zugemacht, wenn die Richtung der Propaganda sichtbar wird. Selbst die Punkte, die richtig sind erreichen nicht mehr ihre Adressaten.


  • Baden-Württemberg

    Das finde ich auch und ich finde, es müssten unterschiedliche Zugänge zum Thema gefunden werden. Meines war einer. Ich wollte versuchen, die Empathieunfähigkeit aufzurollen an meinem schwierigen Prozess, Gefühl zu entwickeln.
    Ich kümmere mich hier um die Deutschen, weil es meine biographische Geschichte ist. Robert Schindel in seinem Buch "Gebirtig" hat sich um die deutschsprachigen Kinder der Opfer und Täter gekümmert. Moshe Zuckermann tut das mit den Deutschen und Juden. Egal eigentlich, Faschismus ist international, hat aber seine nationalen Geschichten. Dazu zählen darüberhinaus die in Deutschland lebenden Ausländer, die ich deswegen trenne, weil sie andere Sozialisationen haben. Ich war jetzt 20 Jahre in Vorbereitungsklassen - bei den älteren Schülern ab 14 Jahre war die Neugier groß, diese Deutschen samt ihrem Hitler kennenzulernen. Fast jeder war vorbereitet. Egal in welche Richtung. Meine tschechische Gymnasiastin samt sämtlichen Kusinen wurden vorbereitet von der Familie, was zu tun sei, wenn neben ihnen an der Bushaltestelle z.B. Springerstiefel auftauchten. Es war eine sozialdemokratische Familie. Angst vor dem deutschen Faschismus hatten sie fast alle.

    EIne meiner Säulen wäre die Tendenz zu Führersehnsucht, Gewalt/Mißbrauchszunahme und Ersatzbefriedigung (zusammengefasst Sadomasochismus) als Sekundärtugenden einer wachsenden Faschismusbereitschaft. Dazu kommen die Sperren bei der Bereitschaft zur Selbstorganisation in den Dörfern und Städten. Konkretes Mitregieren oder regieren wird nicht gewollt. Sagte ein Anarchist aus Dresden: Stell dir vor du bietest das an und kein Arsch interessiert sich dafür.
    In diesen Bereichen habe ich meine Frustration. Was haben wir falsch gemacht und was ginge. Im Moment sehe ich - außer dem politischen Tagesgeschäft - eher die Frage Krieg und Frieden als eine bewegungsmögliche an.
    soziale Frage und Ökonomie bedarf es vielleicht mehr Konzeption.

    Ich würde auch verweisen wollen zu dem Thema: Eine Alternative zu Facebook. Dort wird das bundeweite Netz vorgestellt, was von Freiburg aus initiiert wird. Genossenschaftlich. Das wäre eine Möglichkeit auf den kommunalen Ebenen ein Konzept zu entwickeln und zu diskutieren, ob unser dieser kommunale Einstieg was nützen könnte.

    https://www.youtube.com/watch?v=pOv7oZTdun8


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