Welche Fragen müssen wir JETZT klären?


  • Web-Auftritt

    Mein Thema ist vor allem, dass Aufstehen "auf Grund gelaufen ist", es geht praktisch nichts mehr voran aufgrund bestimmter Vorgänge, Strukturen, Dispositionen.

    Solange das so ist, halte ich eine Diskussion über ein Grundsatzpapier nicht für hilfreich, außer in zentralen Fragen, die es zu bereinigen gilt, die nicht schon im Gründungsaufruf halbwegs befriedigend geklärt wurden.

    Was stattdessen m.E. erforderlich ist, das ist, das festgefahrene Schiff wieder flott zu machen, damit es sich nicht vollständig in ein Wrack verwandelt.

    Zu diesem Zweck braucht es m.E. so etwas, wie ein Statut, das die Regeln festlegt, das die Dinge klärt, die zu der schweren Havarie von Aufstehen führten.

    Viele haben das Vertrauen zu Aufstehen verloren. Das unterminiert die Handlungsfähigkeit von Aufstehen.
    Die Ursachen für den Vertrauensverlust müssen beseitigt werden, sonst bleibt die Bewegung handlungsunfähig, wird zum Wrack.
    Bei den Ursachen geht es vor allem um die Strukturen der Kommunikation / Diskussion, um die Basisorientierung / Dezentralisierung und um die demokratische Partizipation.
    Diese Dinge wurden von der bisherigen Führung verweigert.

    Hier müssen Regeln her - zB. in Form eines Statuts - die diese sicher stellen.
    Sonst wird Aufstehen wahrscheinlich komplett untergehen.


  • BW-OrgaTeams

    https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/german-angst-vor-dem-aufstehen
    Hier hat sich auch ein ehemalige Mitglied geäußert.

    Bei uns war es ein bißchen anders. Am Anfang kamen sehr viele: Altlinke, aber auch Leute, die jeweils ein besonderes Interesse hatten. Die einen wollten Umwelt, die anderen Soziales aber Wirtschaft war böse, wieder andere wollten Vorträge, teilweise sehr intellektuell und der, der die Gruppe ins Leben gerufen hatte, wollte vor allem Aktionen. So schnell geht das nicht, erst muss sich so eine Gruppe mal finden und wissen, wofür sie steht. Der Gründungsaufruf ist zu indifferent, manche Ziele widersprechen sich auch. Was in Berlin lief, hat bei uns nicht interessiert, dazu hatten wir genügen Gerangel bei uns um die Lufthoheit. Es gab mehrer Arbeitsgruppen, die waren meist personengleich. Es geht nicht gleichzeitig und auch nicht jeden Abend. Viele haben schnell enttäuscht aufgegeben. Basisdemokratie ist auch nicht einfach. Manche hatten Ideen, die Aufstehen mangels politischer Macht und Mittel, z. B. Referenten, niemals hätte umsetzen können. Umwelt und Klima verträgt sich nicht immer mit sozialen Zielen. Durch die Verschärfung des Klimathemas in den Medien gibt es im Augenblick nur noch das - obwohl es genügend andere Themen gäbe. Aber das ist aus meiner Sicht politisch so gewollt. Ein Thema wird so breitgetreten, dass andere Themen durchgezogen werden und möglichst wenig öffentliches Interesse und damit Diskussion entsteht. So kann man das System auch aufrechterhalten, mit einem kosmetischen Petitessen.


  • Web-Auftritt

    Zweifellos ist es nicht ganz einfach, eine Bewegung, wie Aufstehen zu organisieren und man muss etwas Arbeit und Gehirnschmalz hineinstecken.
    Das ist der Punkt, an dem wir stehen: entweder wir werden hier aktiv und organisieren uns, oder wir überlassen die Macht dem neoliberalen System.
    Das große Problem, das sich ergibt, wenn man es mit hierarchischen Organisationen zu tun hat - mit einer Führungsebene usw., die nicht eng an die Direktiven der Basis gebunden wird, dann ist schon das Ende der Fahnenstange erreicht und es dauert nicht lange, da haben die politischen Gegner (die herrschende Oligarchie und ihre Hilfstruppen) die Führung korrumpiert.
    Das läuft immer so, wenn es keine starken basisdemokratischen Strukturen gibt.
    Heute schützt der Trägerverein mit seinen Anhängern die Oligarchie vor den Aufstehern, die das, was Aufstehen versprochen hat, nun auch erkämpfen wollen.

    Deshalb ist es notwendig, starke basisdemokratische Strukturen aufzubauen, die den Kräften der Korruption widerstehen können.


  • Niedersachsen

    Entscheidend sind nicht neue Papiere oder Vereine. Entscheidend ist, dass die Gruppen wieder in Gang kommen und wachsen. Dazu ist die Basisdemokratie das wichtigste Mittel (eben nicht nur ein modernes Gestaltungsmittel). Entscheidend ist, dass wir in unserer lokalen Umgebung de Probleme der Menschen sehen und solidarisch auf unsere Mitmenschen zugehen. Uns mit ihnen verbünden, um die Probleme zu lösen. Nur so werden wir wieder mehr. Dann geht es darum, uns zu bilden. Wir brauchen uns nichts vorzumachen, mit Arbeitsgruppen lösen wir direkt keine Probleme. Aber wir müssen über die großen Probleme reden, den neoliberalen Müll aus den Köpfen kriegen. Mit Aktionen sollten wir in unserer lökalen Umgebung beginnen. Dinge, die auch lösbar sind. Und wir müssen Kontakt halten zu allen Kräften die uns nützlich sein können bei der Lösung der Probleme. Dazu gehört auch die Vernetzung mit anderen Gruppen. Leitungen brauchen wir allerdings keine. Die haben in einer demokratischen Struktur keinen Platz. (Das heißt nicht, dass man nicht Bündnisse schließen kann und Verantwortung übertragen.)


  • Sachsen-Anhalt

    Bildung. ... und " Augen öffnen " ist sehr wichtig. ... die Bürger bekommen sehr viel gar nicht mit , wissen deshalb auch nicht, warum so mancher Protest statt findet. ..


  • Web-Auftritt

    @Steffen-Beck Würde ich weitgehend zustimmen.
    Aber Vereine haben dabei auch eine unterstützende Funktion.
    Ich habe zb. bei / mit Attac eine Reihe von Veranstaltungen organisiert, die ohne den Hintergrund der Attac-Struktur nicht hätten stattfinden können.
    Auch hier in Hamburg gibt es eine Anzahl von Vereinen, die gute politische Arbeit - speziell im Bereich politischer Bildung - organisieren.
    Dabei hat man schnell eine größere Rechnung (Raummiete, Reisekosten für Referenten usw.) die sich nicht ein halbes Dutzend Hartz IV-Empfänger leisten können.
    Auch das Sammeln von Spenden oder Mail-Adressen ist sehr viel leichter, wenn man einen Verein hat, der dahinter steht.
    Ein solcher Verein sollte aber basisdemokratisch organisiert sein und nicht hierarchisch, wie viele Kaninchenzüchtervereine.
    Man kann zB. einen Verein haben, in dem jeder (der möchte) Vorstand ist. Dann hat sich die Hierarchie erledigt.


  • Niedersachsen

    @gwhh Ich habe absolut nichts gegen unterstützende Vereine. Wenn allerdings jemand glaubt, duch Gründung eines Vereins die Probleme von Aufstehen zu lösen, der ist gewaltig auf dem Holzdampfer. Aktionismus aller Art nützt gar nicht.


  • Baden-Württemberg

    Mir ist es sehr angenehm, wenn es eine Partei, einen Verein, eine Organisation gäbe, die meine von mir präferrierten Inhalte bundesweit wie international umsetzt. Die Vervielfältigung meiner Absichten ist mein Ziel.

    In der Frauenarbeit sind wir in den 70ern als wilder Haufen gestartet, viele Grüppchen mit unterschiedlichen Zielen und Grundsätzen, keine Leitungen, aber wir waren schnell, vielseitig und effektiv. Freiburg hatte die erste bundesweite Frauenverantwortliche. Ebenso das 1. Mietersyndikat und das 1. freie Radio. Das waren die Anarchisten.
    Die Parteien dagegen waren schwerfälltig. Hierarchien gab es überall - bei den Autonomen waren es die informellen Hierarchien, fast noch schlimmer, weil schwer zu enttarnen.
    Es gab Pöstchengeschacher, Druck, und autoritäre Interpretation der Strukturen. Auch bei der DKP. Bei den anderen gab es Streit und Geschrei. Was waren wir verstritten - aber das war notwendig nach der muffigen Nachkriegszeit. Weg mit dem Denkschrott - und das hat Spaß gemacht und nicht das Leid stand im Vordergrund sondern die Lust auf ein anderes Leben, unser eigenes Leben.

    Heute möchte ich mich nicht festlegen, zu alt und zu interesselos. Ich möchte freischwebend arbeiten, Geld spende ich natürlich. Über Gruppen hinaus. Mein Ziel ist immer noch der Kommunismus. Dazu bräuchte ich dann mehrere Inkarnationen, denke ich. Und deshalb stelle ich mich auf einen Weg ein, der Grundlagen dafür bildet. Vereine als organisatorische Absicherung und Unterstützung finde ich richtig. Ich habe das Statut von Radio Dreyeckland reingesetzt - dort sind inhaltliche Arbeit und organisatorische Verwaltung getrennt.
    Das grundlegend wichtige sind immer die Menschen, die mit Lust und Energie Bewegung "machen". Lust statt Pflicht, Aggression statt Lethargie.


  • Größte Truppenverlegung Ost-Europa

    @gwhh also ich bin zwar erst wenige Tage dabei, von einer Auflösung kann ich nichts bemerken. Kann es sein, das Du das zu pesimistisch siehst.


  • Web-Auftritt

    Ich bin nun ein Jahr dabei. Als ich mich damals Aufstehen Hamburg angeschlossen habe, gab es noch die Power, Demos zu organisieren.
    Daran ist heute nicht mehr zu denken. Auch andere Aktivitäten nur noch auf sehr niedrigschwelligem Level, kurz vorm Absterben.


  • Web-Auftritt

    @Lotte Deinen Bericht / Statement kann ich weitgehend nachvollziehen und unterstützen: ich sehe es ziemlich genau so.
    Allerdings: das Ziel des "Kommunismus" - wenn man sich diesen einmal als positive Perspektive und nicht als starr zentralistisches und konformistisches System vorstellt, sehe ich in viel größerer Nähe und es könnte in einem Zeitrahmen von 5 - 25 Jahren erreicht werden (das sage ich als Politologe, der tagtäglich den politischen Lauf der Dinge beobachtet, insbesondere die Entwicklungen in den USA, England oder Italien).

    Der Informationshorizont von 98 - 99% unserer Zeitgenossen ist ungefähr = "Frosch im Brunnen".
    Die meisten lassen sich ja bisher von den Medien desinformieren und hypnotisieren, egal ob Tagesschau, BILD, Junge Welt oder Telepolis. Da kann man sich solche Perspektiven zu Lebzeiten natürlich nicht vorstellen.
    Der Impuls von Aufstehen war m.E. ein guter.
    Leider ist dann viel zerschlagen bzw. stark verunreinigt worden durch Machtansptüche und einschlägige gegnerische Wühlarbeit.

    Nun muss man die Scherben aufsammeln, die Verschmutzungen beseitigen und für Struktur und Arbeitsfähigkeit sorgen.


  • Baden-Württemberg

    Interessant, deine Prognose. Und haben wir dann die Leute, die kompetent sind, alle notwendigen Positionen zu besetzen, am besten als Team?☠

    Oder ist vielleicht schon eine basisdemokratische Zirkelgesellschaft entstanden?

    So gesehen, wäre unsere Aufgabe, das bereitstellen zu können, wenn..... ☺

    Ich habe eine leise Idee, die ich mal probieren möchte - über Frauen. Mal sehen.



  • Ich sehe in diesem Beitrag hier aber auch einen ganz anderen fundamentalen Widerspruch, oder sehe ich den nur und es gibt ihn gar nicht, dass kann durchaus sein.
    "dass wir in unserer lokalen Umgebung die Probleme der Menschen sehen und solidarisch auf unsere Mitmenschen zugehen."
    Zumindest wenn man in einer Großstadt wohnt, dürfte es etliche Gruppen geben, die z.B. irgendwas mit sozialem Wohnraum zu tun haben. In Mecklenburg-Vorpommern (??) diese Aktion mit den Bäumen pflanzen. In Oldenburg die Aktion mit den Kältebaümen. In Duisburg die Aktion mit dem Krankenbett gegen örtliche Krankenhausbetreiber usw. (Auch wenn die nicht alle nur von Aufstehen waren)
    Und dann gibt es auch noch diese ominösen 2% des BIP für Militärausgaben, nur um mal eines dieser "globalen Metathemen" zu nennen.
    Bei z.B. der Hartz 4 Aktion sehe ich einen Schnittmenge zwischen lokalem und bundesweitem Bezug, man kann dem Hartz 4 Problem eine starke lokale Note geben.

    Sollte man jedoch dieses als einen der Ausgangspunkte nehmen, also viele Ortsgruppen mit örtlichem Bezug und mit anderen örtlichen Gruppen vernetzt unter dem Dach Aufstehen vs. bundesweitem Aufstehen mit Einflussbereich bis runter zu den Ortsgruppen. Müsste das nicht auch in Strukturen, Basisdemokratie usw, berücksichtigt werden? Ich denke schon. Ich gehe sogar soweit, dass beide Sachen an einigen Punkten nicht zusammen passen, was den Aufbau betrifft.


  • Web-Auftritt

    @Lotte Das Problem mit einer "kommunistischen" Perspektive liegt - seitens der Linken - oft daran, dass hier die Kreativität fehlt.
    Immer wieder treffe ich hier Leute, zB. der Linkspartei, die mir erklären "in den nächsten 50 Jahre haben wir hier nichts zu erwarten / wird sich am kapitalistischen System nichts ändern".
    Die sind meist so fixiert auf das Elend der kapitalistisch-neoliberalen Strukturen, dass ihnen nichts anderes mehr einfällt.
    Und damit sind sie / wir darin gefangen - indem wir Margereth Thatcher nicht widersprechen, sie uns erklärte "There Is No Alternative!!" (TINA).
    Da gibt es eine fatale Einigkeit zwischen Neoliberalen und Linken.

    Ich habe da eine andere Perspektive und räume unserer Zukunft größere Freiheiten ein:
    vor (m.W.) 8 Jahren erfuhr ich zufällig von einem Auftritt, den Bernie Sanders im amerikanischen Kongress hatte und dort eine "Filibuster"-Rede hielt, nachdem die Obama-Regierung die massiven Steuererleichterungen für die oberen 0,1% dauerhaft installierte, und in dieser Rede alles auflistete, was im neoliberalen System inakzeptabel ist - über 8 Stunden lang.
    Im Saal nur der Vorsitzende, der Saaldiener und ein paar Touristen.
    Aber: die Rede wurde über den Kanal des Parlamentsfernsehens übertragen, wo ein paar Freaks darauf aufmerksam wurden und über Twitter darauf hinwiesen, bis mehrere zehntausend Zuschauer Bernie Sanders zuhörten.
    Damals kamen einige (auch ich) auf die Idee, dass er sich um die nächste Präsidentschaft bewerben sollte - was er dann tatsächlich versuchte - unterstützt von zehntausenden Fans - und nur durch massiven Wahlbetrug Hillary Clintons verhindert werden konnte.
    Heute ist das Polit-Establishment der Demokraten verzweifelt mit diversen Bemühungen, Bernie Sanders mit seiner neuen Bewerbung aufzuhalten.
    Für die nachwachsende Generation hat "Sozialismus" einen positiven Klang und eine große Mehrheit wollen Bernie Sanders ihre Stimme geben.
    Dazu kommt: er hat jahrzehntelange Erfahrungen mit dem politischen System der USA und hat sich immer als unbestechlich erwiesen (im Unterschied zu 95% seiner Politikerkollegen).

    Wir konnten in Venezuela sehen, dass (mit Chavez) eine signifikante Änderung des Systems realisierbar ist, zB. indem die Einnahmen der Ölindustrie zugunsten der verarmten Bevölkerung eingesetzt wurden und die Armutsrate so von über siebzig Prozent auf unter 30% abgesenkt werden konnte.
    Sicher nicht alles perfekt und unter dem massiven Druck der US-Sanktionen, aber ein klarer Beleg dafür, dass das neoliberale System nicht unangreifbar ist.

    Heute sind die Protagonisten des neoliberalen Systems in der Defensive: das zeigt nicht nur die große Anhängerschaft von Bernie Sanders und die Tatsache, dass Linke inzwischen in den USA die Themen der öffentlichen Debatte setzen können und viele Sozialismus für eine gute Idee halten.
    Ähnlich in England unter dem neuen Labourchef Jeremy Corbyn, der ebenfalls - wie bei uns Wagenknecht / Lafontaine - mit linken / sozialistischen Konzepten auftritt und möglicherweise demnächst die Regierung übernimmt.
    In Italien haben wir eine basisdemokratische Bewegung - die M5S - als Regierungspartei, der es gelungen ist, ein Grundeinkommen durchzusetzen.
    Der Neoliberalismus ist nicht mehr unangefochten, sondern zunehmend umstritten, wie auch die Gelbwesten in Frankreich zeigen.
    Und die Elite macht sich zunehmend Sorgen, wie sie ihre Position verteidigen kann.
    Deutschland gehört heute noch zu den Ländern, die am besten von der Elite kontrolliert werden und der Widerstand noch mit Ladehemmungen kämpft, wie Aufstehen zeigt.
    Da sind wir am Ball...


  • GLOBALER MOD LOKALER MOD

    @Peter-Flindt Dein Widerspruch ist insgeheim das Zentralthema in allen Organisations- und auch Strategie-Debatten, die wir seit einem Jahr bei aufstehen führen. EINE Lösung haben die "Brückenbauer" bereits gefunden: Das Monothematische vieler Initiativen (regional wie überregional orientiert) wird aufgefangen durch "Runde Tische", zu denen lokale Brückenbauer/aufsteher einladen. Dort begegnen sich die Ein-Punkt-Initiativler und verkörpern füreinander auf einmal die Vielzahl der Probleme, um die man sich kümmern müsste: Genau das ist der Fortschritt, den der Gründungsaufruf brachte (alle Probleme auf den Tisch - und trotzdem nicht Partei!). Viele Initiativ-Angehörige nähern sich über ihr punktuelles Engagement vorsichtig einer weitergehenden Politisierung an; das grösste Hindernis dafür ist aber die fehlende Perspektive: keine Erklärung der Verhältnisse steht bereit, keine artikulierte Kritik (nur viele zT extreme Beschwerden, dringliche Anliegen, massive Ängste), keine Strategie. DAS ist, was die gesamte Linke lähmt. Daran muss als einer der ersten Schritte gearbeitet werden. Und der von allen oder wem immer zu erarbeitende Stoff muss anschliessend selbstverständlich auch an alle gelangen! Auch das will organisiert sein. Schliesslich ist eine "horizontale" Organisation in wesentlichen Teilen neu zu erfinden; niemand weiss, wie das unter unseren fortgeschritten-spät-industriegesellschaftlichen Bedingungen, mit der ungeheuren Diversität der Bildungsgänge, Weltanschauungen, Persönlichkeiten, Lebenssituationen funktionieren soll.
    Zur Vernetzung genügt derzeit noch eine zentrale Gruppe in jedem Bundesland - ohne Befugnisse, wofür auch; nur einfach, um Verbindung zu halten. In den Ortsgruppen aber schlage ich vor, dass als Organisationsstruktur diese beiden dauerhaften Formate eingerichtet werden: Runde Tische zur Politisierung von örtlichen Initiativ-Angehörigen; und als "interne" Form und Anschluss-Struktur die Zirkel (vgl. https://aufstehen-forum.net/topic/1024/das-zirkel-netzwerk?page=1 )

    Für Vorgehen auf der lokalen/kommunalen Ebene haben die Magdeburger aufsteher noch ihr Format der (kleinen, intensiven) Bürgerversammlung entwickelt. Damit würde man nicht-engagierte Einzelpersonen ansprechen, die aus der Isolation raustreten wollen.
    @Lotte hat hier immer wieder ein sehr umfangreiches Programm für kommunale Arbeit vorgeschlagen, mit lokaler alternativer Öffentlichkeit, Arbeit in Bürgerräten, Stadtteil-Organisation, eventuell in sozialen Brennpunkten. Der Bedarf an Aktivisten für solch eine arbeits-intensive Struktur ist immens. Da klafft eine Lücke, die eben mit den genannten zwei bzw drei "Rekrutierungs"- und Organisations-Bildungs-Formaten geschlossen werden soll.

    @gwhh hat die US Situation angesprochen - eine unsagbar verfahrene, die unmittelbar hier sich wiederholen würde, wenn die EU ebenfalls ein Bundesstaat wäre. Ich lese die Debatten unter progressiven US Bürgern, sie kommen und kommen auf keine Lösung. Bernie Sanders selbst fordert es, beinah alle, die anfangen darüber zu sprechen, sprechen es an: Ja, es bräuchte ein movement. Und wer immer das sagt, weiss: Es fehlt in der verwirrten, fragmentierten, verarmten, erschöpften, extrem-diversen US Gesellschaft am Nötigsten, um so etwas auf die Beine zu stellen. Der Weg bis Washington DC ist einfach zu weit, die Verbindungen zu lang. Als US Progressives gegen den Demokraten_Parteitag demonstrieren wollten, mussten sie, diese Massen, Wege von tausenden Kilometern zurücklegen, sie mussten MASSENHAFT eingeflogen werden, viele konnten sich das rein finanziell oder vom Zeitaufwand schon nicht leisten. Ein Wunder, dass es noch ein paar Zehntausende nach Philadelphia geschafft haben seinerzeit. Und doch verpuffte das völlig, im Parteitags-Medienrummel, und das war natürlich Absicht (die Bernie-Delegierten ausgrenzen, ausschliessen usw; um die Hillary-Wahl gibt es so einige Rätsel, die auch nachträglich nie geklärt wurden: Ob Bernie mit der Anklage gg Hillary rechnete, und im letzten Moment von Obama erfuhr, dass das vom FBI unterdrückt würde?).
    Nach meiner Einschätzung bedarf die US Zivilgesellschaft massiver Unterstützung von aussen; aber die Mittel müssen erstmal entwickelt sein, mit denen man sie unterstützen könnte. Und das wiederholt sich an den andern Gross-Staaten, die versucht sein könnten, in die Rolle der Hegemonialmacht aufzusteigen, und oligarchische Strukturen zu entwickeln: Die Schwäche der Zivilgesellschaft ermöglicht es. Das Problem von Krieg und Frieden wurzelt in dieser Schwäche. Und wir erledigen es nicht mit Forderungen nach Nato-Austritt usw


  • Baden-Württemberg

    Nein, Lotte hat auch beschrieben, dass die Akteure schon längst da sind und solche Strukturen aufgebaut haben. Nicht überall, aber exemplarisch in Freiburg. Aber überall ist das Raunen im Gange. Das Problem ist, dass diese Strukturen nicht mit radikalen Inhalten GEFÜLLT werden. Sie wurden von Sozialdemokraten aufgebaut, werden von der bürgerlichen Mitte bedient und verändern die Gesellschaft und erhalten sie gleichzeitig. Die Inhalte sind nicht sozialistisch. Deswegen ist die Diskussion hier eine Spur zu hoch in der Abstraktion und kommt meines Erachtens nicht am Boden an.

    Die Lethargie und "Erschöpfung" sind Angst, Unwissen und Suchtsymptome. Deswegen braucht es da Menschen, die das überblicken und eine Strategie haben. Zack, wäre das schon von den Fundamentalanarchisten abgelehnt. Ui, Anführer, Führungspersönlichkeiten... Bernie Sanders raus.. Ich sage, es gibt immer welche, die ihr Wissen und ihre Fähigkeiten nutzen, anderen etwas lernen oder gemeinsam zu lernen. Die neoliberale Mittelschicht weiß sehr genau, ihre Interessen durchzusetzen. Bürgerdemokratie ist ihr neues Wort, Runde Tische ihr Lieblingsinstrument. Sie sind viel weiter als ide radikalen Linken, die oft keine "Volksberührung" haben. Und keine mitreißenden öffentlichen Persönlichkeiten. Sahra hätte es werden können. Angesichts eines weltweiten hysterischen Zusammenbruchs von Millionen Menschen beim Tod von Diana müssten wir uns darüber tiefere Gedanken machen.

    Skurriles Beispiel aus Freiburg: Das Mietersyndikat, von Anarchisten gegründet, angesiedelt räumlich in der Anarchistennische, hat in Freiburg nach 40 Jahren die liebevolle Wertschätzung aller Konservativen bekommen, in Artikeln und Kommentaren, sogar bei der Stadtverwaltung - weil sie in dieser Wohnungsnot billige Mieten garantieren. Mehr nicht. Jetzt dürfen sie wahrscheinlich im neuen Stadtteil ihr Modell verwirklichen mit vielen Wohnungen und der mittlerweile 75jährige Hauptanarchist gibt freundlich Interviews, die freundlich bestreichelt werden.
    Oh wie schön ist Panama. Genau das ist der Weg der Katastrophe - der Bürger oder der Mensch oder der Bedürftige will nur seinen materiellen Vorteil. Die Vision ist ihm eigentlich wurscht. Die Gesellschaftsveränderung auch. Der Prüfungstest dafür ist die Flüchtlingshaltung. Der Neoliberalismus ist genial im Verwurschten und Vereinnahmen aller Strömungen, von den Subkulturen bis zur Philosophie. Ich erinnere mich an eine Werbekampagne von McDonalds mit zentralen Philosophen und Kommunisten. Es war genial.

    Ich habe das Gefühl, die einen Linken sehen in ihrer uraltverfassten Systemkritik die positive Weiter- Entwicklung nicht, die anderen schwimmen schon im Gelaber, was heißt reine materielle Interessensvertretung, mit. Beides daneben. Da helfen " zwei bzw drei "Rekrutierungs"- und Organisations-Bildungs-Formaten geschlossen werden soll." gar nicht, weil man gar nicht weiß, was man bilden soll. Die Leier kann man sich schenken.


  • Baden-Württemberg

    Wir müssen klären, ob Radikallinke hier überhaupt richtig sind. Sie sind immer richtig hier, aber ich meine mit ihrem über das System hinausreichende. Die anderen sind in der Mehrheit, glaube ich.
    In Freiburg kamen plötzlich viele Menschen - einige kannte ich. Ein linker PH-Dozent, eine führende Kindertheaterschauspielerin, ein Staatsanwalt. Alles keine Kommunisten. Die Schauspielerin wollte gar keine Linken. Alle blieben wieder weg. Sie wollten handeln, nicht diskutieren.
    Wären trotzdem wichtig gewesen, finde ich. Ich glaube, die hat Wagenknecht gemeint.


  • Niedersachsen

    @Lotte Wenn die Gesellschaft erst mal anfängt über die Zukunft zu diskutieren, wird es kein Halten mehr geben. Dann muss auch die Linke ihren Ausgrenzungsinstinkt beherrschen, egal aus welchen Vorsichten der entstanden ist. Ob eine Systemüberwindung notwendig ist, wird der gesellschaftliche Dialog ergeben. Und wenn der Souverän erst spricht, wer wird es wagen, sich ihm entgegenzustellen?


  • Baden-Württemberg

    Recht und nicht recht. 🙂
    Geh mir weg mit dem Souverän. Der spricht ja schon....... Wieviel Regenbogenpresse wird wöchentlich verkauft? Millionen...

    Aber grundsätzlich hast du recht und deswegen reicht nur eine Linke im System, um die Fragen zuzuspitzen und andere Inhalte reinzutragen. Alexandra Kollontai wurde mit Wut und Angst von Lenin zu der ganz rechten Gewerkschaft der Zimmerleute geschickt, um die Inhalte der Revolution zu erklären. 🙂


  • Niedersachsen

    @Lotte Dein Beispiel mit der "rechten" Gewerkschaft ist gut. Ob nun Polizeigewerkschaft, Gewerkschaften der Energiewirtschaft aber auch Bauernverbände vertreten die wirtschaflichen Interessen ihrer Klientel, hohe Löhne und Arbeitsplatzsicherheit zu vorderst. Diese Forderungen sind aber nur zu erfüllen, wenn die entsprechenden Branchen auch wirtschaftlich gut dastehen. Die Polizeigewerkschaft fordert mehr Einstellungen und Aufrüstung zur Erhöhung der Sicherheit der Polizisten. Sind diese Gewerkschaften nun rechts? Einerseits stützen sie die neoliberale Herrschaft, stellen den Umweltschützern Widerstand entgegen. Andererseits kämpfen sie um berechtige Verbesserungen der Arbeitsbedingungen. Linke Agitation muss sie dazu bringen, die eigene Existenz in Frage zu stellen. Dazu werden die Wenigsten bereit sein. Wenn Lenin seine besten Agitatoren schickt, wird es vieleicht erfolgreicher sein, aber sicher nicht vernünftig. Es ist ein wichtiges Herrschaftsmittel des Neoliberalismus, die Menschen zu korumpieren, ihre Interessen mit seinen zu verknüpfen. Auch ihr Denken mit seinem zu verknüpfen. Und so tritt er ins in Gestalt unserer Mitmenschen entgegen. Das ist wahrscheinlich die größte Herausforderung, die der Neoliberalismus an uns stellt. Wie das Problem zu lösen ist, halte ich für eine wichtige, noch zu führende Diskussion. Aber ich bin überzeugt, dass die Lösung nur radikaldemokratisch möglich ist, ohne Ausgrenzung.


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