Politische Aufklärung-wichtige Aufgabe der Bewegung



  • " bleiben wir mal bei dieser Elternschulung"

    Ja, @Steffen-Beck, ich denke auch, dass es sich lohnen wuerde. Schulung ist organisierte Einstumpfung auf monotone Rezepte. @Lotte weiss das natuerlich, aber in ihrer ueberschaeumenden Spontaneitaet verliert sie manchmal ihre eigenen Prinzipien.

    Andererseits, die Kinder den Eltern hilflos ausliefern, geht auch nicht. Kinder brauchen Alternativen, denen sie sich frei zuwenden koennen. Sie koennen ihre Eltern und deren Umgebung nicht aussuchen. Hier greift der elterliche Eigentumsanspruch auf die Kinder, der niemals akzeptiert werden kann.

    Lotte hat "als junge schwangere Frau" begonnen, zu lesen. Wohl auch zu den psychologischen prozessen, die im Zusammenleben mit Kindern auftauchen. Die Kleinfamilie ist der reproduktive Ort der Reaktion. So verstehe ich deinen hinweis auf grossfamilien, die vieles ausgleichen koennen und die notwendige Vielfalt fuer Kinder ermoeglichen.

    Als angehender junger Vater hatte ich mich mit Alfred Adler und Erich Fromm beschaeftigt und da auch alles gefunden, was fuer einen freien Umgang mit Kindern wichtig ist. In den Kinderlaeden fand es seine fortsetzung. Es sind immer die kollektive, die uns helfen, unsere Engstellen aufzubrechen. Kinderlaeden waren immer selbstorganisierte Kollektive. Und jedes Kind war uns wichtig und alle Eltern. Und oft auch die Nachbarn.

    Was auffaellig ist, dass in meiner Jugend und Jung-Zeit keine Schule sich mit den Anforderungen durch und mit Kindern beschaeftigt hat. Die Kinder bekamen nur dann zugang zu diesem wissen, wenn sie das glueck hatten, dass ihre Eltern sich darum kuemmerten. Gut, wir wissen, die meisten LehrerInnen sind voellig unfaehig dafuer.

    Also: Schulung der Eltern funktioniert nicht. Ebenso nicht Schulung der Kinder. Aber Lotte greift etwas anderes heraus. Den oeffentlichen Raum. Der steht uns tatsaechlich immer zur Verfuegung.


  • Sachsen-Anhalt

    Warum soll der Mensch nicht können, was jeder anderen Art auf dieser Erde gelingt. ..Nachwuchs großzuziehen, ohne dafür vorher einen Bildungsweg zu beschreiten? " Bildung erfahren wir doch im alltäglichen Leben, bei Gesprächen....dafür haben wir doch unsere Sinne. Der Mensch hat einen Vorteil gegenüber den anderen Arten. ..er muss nicht 🙂



  • @Ellen, da kommt es auf den zur verfuegung stehenden freien Raum an, ob dieser existiert. In natuerlich wachsenden Umgebungen existiert und existierte so etwas. In den kuenstlich gestalteten Umgebungen der Staedte existiert es nicht.

    "Der Mensch hat einen Vorteil gegenüber den anderen Arten. ..er muss nicht."

    Das ist ein grosser irrtum, dem du da unterliegst. Alles, was unser Koerper benoetigt, erlaubt keinen Ausweg. Das einzige, was wir besser koennen, ist mit Vernunft, Rationalitaet und Logik in die Zukunft zu blicken und uns auf etwas vorbereiten, was gegebenfalls auf uns zukommt.

    Unsere Kopfgeburten interessieren unsere Koerper nicht. Sie folgen streng den Gesetzen der Natur. Du kannst dich etwas entziehen, zeitlich temporaer, aber egal wie du gehst, es wird dich einholen.

    Bei den noch natuerlich lebenden Arten, auch Menschen, existiert immer ein Gleichgewicht zwischen dem Vermoegen der Kinder und der Fuersorge durch die Eltern. Je weiter das Vermoegen der Kinder sich auspraegt, um so mehr ziehen sich die Eltern zurueck. Daher auch der alte Spruch der nordamerikanischen Indigenas:
    Wenn du willst, dass deine Kinder gesund aufwachsen, musst du in einem Dorf leben.

    Das Dorf koennen wir in etwa der grossfamilie gleichsetzen, wie @Steffen-Beck es ansprach.


  • Baden-Württemberg

    Ihr stellt die Form über den Inhalt. Was meint ihr, wieviele Großfamilien mit rigiden Erziehungs-Konzepten ich kenne, mit autoritären Hierarchien und Unterdrückung ?
    "Schulung ist organisierte Einstumpfung auf monotone Rezepte" - Willi, wir sind über die wilhelminische Zeit raus. Auch Paulo Freire hat geschult. Neudeutsch würde man das Wort "begleitet" nehmen. Des Kaisers neue Kleider...

    Die wachsende Zahl emotional bedürftiger Kinder zeigt die Notwendigkeit, etwas zu verändern. Mit Geld hat das am wenigsten zu tun. Woran liegts und was ist zu tun?
    Nach Ellen hätten einige Kinder Glück, andere nicht.

    Eine Erfahrung aus dem STadtteil: Es brauchte mehrere Jahre, bis sich eine Freundin, eine junge türkische Kurdin mit 4 Jahren Schule traute zu fragen: Warum sind deine Kinder im Gymnasium und meine nicht? Wir haben dann angefangen, über Erziehung zu sprechen....Das war nötig, weil sie aus einer anderen Kultur kam, wo Kinder nicht in Augenhöhe kommunizieren können und wo die emotionale Zuwendung an die Kinder über formales Essen ging. Das gleiche ist aber auch bei vielen deutschen. Ihr hat es geholfen.
    Familien so. Millionen sind süchtige Eltern.... sagte ich ja irgendwo schon. Also wie auswählen und was tun.



  • "Ihr stellt die Form über den Inhalt."

    @Lotte, das gilt fuer dich, weil du den Inhalt nicht siehst. Da bleibt dann nur die Form uebrig.


  • Baden-Württemberg

    Willi, ich habe dir gerade eben den reaktionären Inhalt von Grooßfamilien erklärt. Diese Form entspricht nicht automatisch einem fortschrittlichen Inhalt. Das mag in Summerhill gewesen sein, in Rumänien nicht. Und im Ruhrgebiet auch nicht.
    Und in meiner Großfamilie war gar nichst fortschrittlich. Die Sippe der Roma und Sinti - da ist alles rückschrittlich traditionell. Nur der emotionale Zusammenhalt ist toll. Das reicht aber nicht.
    Ihr habt eine sehr hippiehafte vorstellung von "Schulung" - ich muss lachen. Humor am Abend ist auch nicht schlecht. 🙂

    Aber ernsthaft: Ihr habt kein Konzept für die Not hunderttausender Kinder. Das ist unterlassene Hilfeleistung.



  • @Lotte,
    so wie du als Saeugling nicht die Eltern und ihre Umgebung aussuchen kannst, so koennen sie sich auch nicht die grossfamilie aussuchen, zu der sie sich gerne zugehoerig fuehlen. Insofern hilft nur, den kindern Alternativen zu ermoeglichen, wenn sie danach zu suchen anfangen.

    Aufgeklaerte Eltern tun das immer. Bei engstirnigen Eltern kann das nur das kollektiv aussen herum tun. Auch ein Einwirken auf die Eltern kann zum Gegenteil fuehren, weil sie ja meist schon selbst mit dem Ruecken zur Wand stehen. Sie koennen nicht mehr ausweichen.

    Jetzt lese ich gerade deine Ergaenzung:
    "Die Sippe der Roma und Sinti - da ist alles rückschrittlich traditionell."

    Ich hatte als Kind und Jugendlicher viel Kontakt mit Sintis und Romas und ihren Auslaeufern. Sie waren nicht weniger vielfaeltig wie die Bayern sonst aussen herum. Oft war ich bei ihnen beim Abendessen oder Festen. Ein hoch-lebendiger Austausch-Raum von kleinst bis zu den Aeltesten.



  • "Aber ernsthaft: Ihr habt kein Konzept für die Not hunderttausender Kinder. Das ist unterlassene Hilfeleistung."

    @Lotte, du wirst niemals mit dem Fokus auf die Kinder echte Veraenderungen erreichen. Das geht nur ueber die Stabilisierung der materiellen Lebensgrundlagen fuer Alle in den Gemeinden. Wenn diese Zwangsverhaeltnisse fuer alle wegfallen, oeffnet sich der Raum fuer alles andere.


  • Baden-Württemberg

    Willi, ich habe mit Roma-Jugendlichen aus dem Kosovo ein Buch über ihr Leben geschrieben, zweisprachig in Romanes und Deutsch. Es entstand in einjähriger Projektarbeit im Asylheim mit Eltern und Jugendlichen. Diese Roma sind kulturell wesentlich offener als die Sinti. Stimmt, die Kinder haben bei ihnen eine ganz außergwöhnliche Rolle auf Augenhöhe. Aber die Rolle der Frau, die Sitten und Gebräuche sind nicht egalitär und viele Jugendliche, die hier in Deutschland waren, haben darunter gelitten.
    Das "Kollektiv außen" - wer ist das? Nichts funktioniert an Kollektiv - das Kollektiv ist dann in der Regel der Staat mit einer Inobhut. Mach die Augen auf. Du bist also auch einer, der die Kinder ins Elend laufen lässt, bis sie "etwas suchen". Nicht mit mir. Außerdem verkennst du die Macht von Eltern und die Ohnmacht von Kindern. Kinder brauchen starke Partner oft gegen die Eltern. Ich bin das. Das kann jeder sein natürlich - aber ich sprach von systematischer Schulung. Genauso wie wir gesetzlich das Verbot von Schlägen verankert haben.


  • Web-Auftritt

    Sicher ist der Komplex der Erziehung wichtig.
    Aber hier und bei vielen anderen Themen, mit denen wir es heute zu tun haben, muss der Aspekt der Wirkungen / Prägungen durch den Neoliberalismus und seine Ideologie berücksichtigt werden.
    Das geschieht bisher noch viel zu selten, obwohl die Kernfragen lange bekannt sind.

    Margaret Thatcher war es, die in den 80er-Jahren erklärte: "There is no such thing like society. There are only individuals!"

    Das ist eine sehr zentrale Erklärung des Neoliberalismus, die vielfach ignoriert wurde und wird und deren Wirkung die gesamte Gesellschaft / Kultur des Westens prägt und bis in kleinste Verästelungen des Alltags durchzieht.

    Denn es war nicht nur Mageret Thatcher als eine Protagonistin des Neoliberalismus. Es waren / sind hunderte von Think-Tanks, es sind die großen Medien, die Unterhaltungsindustrie, die Wissenschaften, unser Bildungssystem, der gesamte ideologische Apparat des Neoliberalismus, die die "Wahrheit" von Margeret Thatcher tagtäglich neu durchdeklinieren.

    Das Ziel ist natürlich klar (zumindest für Diejenigen, die das soziologisch/psychologisch und politisch durchdeklinieren):
    das Problem des neoliberalen Kapitalismus bei seiner Durchsetzung war die Solidarität der Betroffenen.
    Diese wurde zerschlagen, indem man den grenzenlosen Individualismus zur herrschenden Doktrin machte.

    Wer sich in diesem ideologischen Raum bewegt - und das ist spätestens der gesamte Nachwuchs insoweit der Neoliberalismus nicht schon von der Elterngeneration absorbiert wurde - hält deshalb Solidarität oder Empathie für eine Verirrung die womöglich therapiebedürftig ist.
    Unter diesen sozialpsychologischen Vorgaben des Neoliberalismus wird Traumatisierung der Beteiligten / Unterworfenen zum Normalfall.

    Dies ist leider nur wenigen der politischen AktivistInnen bekannt und bewusst.
    Im Gegenteil sind sie oft selbst durch den Neoliberalismus indoktriniert - ohne sich dessen bewusst zu sein -und zeigen ein - durch die neoliberale Indoktrination nahegelegtes - Konkurrenzverhalten, das die Zusammenhänge des politischen Widerstands vergiftet - und was wir z.T. bei Aufstehen beobachten, ist da nur das jüngste Beispiel.

    Zu denen, die dies Problem, das politischen Widerstand systemisch paralysiert, untersucht und benannt haben, gehört Rainer Mausfeld.
    Dessen Konsequenz ist: zu den ersten Dingen, die es zu tun gilt, gehört die Wiederherstellung von GEMEINSCHAFT - jenseits der neoliberal strukturierten und dominierten Kollektive (zB. der Mercedesbesitzer oder der Amazon-Konsumenten).
    Inwieweit sind denn unsere Kinder fähig, Gemeinschaften zu bilden, sie wertzuschätzen, Potenziale aus ihnen zu gewinnen?

    Ziel des Neoliberalismus ist es, dass wir möglichst ausschließlich durch Strukturen versorgt und geprägt werden, die durch ihn geprägt und kontrolliert werden, also die gesamte Konsumsphäre aber auch die neoliberale Arbeitswelt und die Medien.

    Es sind Gemeinschaften, die diese Dominanz durchbrechen, sobald sie stark genug sind und sich unabhängig erklären von der Dominanz des neoliberalen Systems.
    Sie ermöglichen es auch eine Logik zu entwickeln, die nicht vom neoliberalen Konkurrenzverhalten geprägt sind und sich gegenüber dem System kritisch und souverän zu verhalten.

    Das wurde bisher bei der Linken nicht oder selten begriffen und verursacht einen großen Teil ihrer Schwäche und dass sich linke Gruppierungen immer wieder zB. durch Konkurrenzverhalten zerlegen, handlungsunfähig werden.

    Insofern gehört das zu den Verdiensten Mausfelds, dies herausgearbeitet zu haben.

    Jetzt muss die Linke an den Punkt kommen, sich für diese Erkenntnisse aufgeschlossen zu zeigen und die Konsequenzen daraus zu ziehen - dann gibt es auch wieder Hoffnung, dass sie wieder schlagkräftig und aktionsbereit wird, anstatt sich immer wieder als unfähiger, zerstrittener Haufen zu präsentieren.

    Die systemische Durchdringung unsere gesamten Alltags, unserer Kommunikation, unseres Denkens durch die neoliberale Vergiftung wird leider regelmässig von den linken / systemkritischen AktivistInnen ignoriert bzw. unterschätzt mit dem Ergebnis der oft nahezu vollständigen Paralysierung ihrer politischen und/ oder individuellen Souveränität.



  • Lieber @gwhh, ich will dir hier jetzt nicht widersprechen, Denke aber, dass du den falschen Fokus setzt. Das zeigt sich mir in deinem hinweis auf die Unfaehigkeit der "Linken" und "Progressiven". Deren Objekt ist aber der parasitaere politische Ueberbau und niemals der reale oekonomische Unterbau.

    Das ist auch letztlich der grund, warum sie sich so zerfleischen und gegenseitig zerstreiten. Sie haben auch keine Substanz, weil sie sich ihrer freiwillig entledigt haben.

    Die popagandismen, die du als "neo-liberal" erklaerst, sind ja nicht so neu. Das durchzieht unsere ganze geschichte der letzten Jahrtausende. In der "oesterreichischen Schule fuer Oekonomie" wurde es wieder theoretisch zusammen gefasst, neu aufgewaermt, den aktuellen Begrifflichkeiten angepasst. Der kern: alles leben wird ueber den "Markt" organisiert, der die organisierten Gewaltapparate benoetigt, damit da keine Stoerungen auftreten. Schon im roemischen Imperium als auch bei den Sumerern sehen wir das gleiche. Die zentralen Instrumente sind das private Eigentum an gemeinschaftlichen Ressourcen und das privat organisierte Geldsystem. Der Markt selbst ist eigentlich nur das virtuelle Distributionssystem, ueber das alle Austausch-prozesse laufen muessen. Neu bei uns ist eigentlich nur der Grad der verdichtung.

    Die Alternative dazu, die uns immer zur verfuegung steht, ist die demokratische Selbstorganisation der Bevoelkerung, die notwendig eine radikale Dezentralisierung vorraus setzt. Das heisst aber, dass wir uns dem oekonomischen Unterbau zuwenden muessen, um oekonomisch unabhaengig zu werden und erst dann auch politisch unabhaengig agieren koennen.


  • Baden-Württemberg

    Da das Thema Organisieren von Politischer Bildung ist, möchte ich als meinen Abschluss noch hinweisen: Die meisten Städte haben keine autonomen Jugendzentren. Freiburg hat keines - außer einem von intellektuellen.
    Hier zeigt sich das gezielte Desinteresse einer gesamten politischen Schicht, eingeschlossen der Linken. Wir kamen in den 70ern selbst aus diesen Zusammenhängen, schrieben unsere wissenschaftlichen Arbeiten darüber - aber nach einer kurzen Zeit der Blüte legte sich der Muff wieder über die Jugend. Auch ein Mausfeld brauchte man nicht, zumal ALLE diese Wissenschaftler oder Selbstverlautbarer die Praxis nicht im Sinn einer Bildung von lernfähig kollektiver Jugend prägen. Erziehung ist Erfahrung und die wird den Jugendlichen und auch Kindern verwehrt, abgesägt und erstickt. Dafür sind die Linken zuvorderst verantwortlich. 1970 bauten wir das Autonome Zentrum auf, 1973 wurde es friedlich von der Stadt vereinnahmt - das sind 45 Jahre her. Das ist unvorstellbar. Die Anarchisten hocken in ihrem von der Stadt bezahlten AZ - mehr interessiert sie nicht. Erst seit die Industrie ihre Notwendigkeiten vor 15 Jahren forsch formuliert hat, wird in der Schule auf anderes Lernen, auf kollektive Fähigkeiten Wert gelegt. Es ist vorstellbar, dass dann auch die Industrie Selbstverwaltung in Jugendzentren einführt. Eine Farce.
    Es ist darüberhinaus ekelhaft, dass sich eine intellektuelle Linke nicht im geringsten darum kümmert, dass die weniger elaborierten, weniger mutigen und mehr hoffnungslosen Jugendlichen einfach nur verwaltet werden. Da sind sie überhaupt nicht zerstritten. Geht einfacher und billiger. Dafür gehören sie geschlagen. Es ist tatsächlich mein Hass, wenn ich diesen Niedergang der letzten Jahrzehnte anschaue.

    Trotzdem ist es eine eher typische Männersichtweise, zum "Wichtigen", zum "Kern" zu kommen und damit ist das Thema vom Tisch. Das darf nicht passieren, meines Erachtens. Reform und Revolution müssen Hand in Hand gehen.


  • Web-Auftritt

    @willi-uebelherr
    Leider hast du das tatsächliche Problem nicht verstanden und ich würde dir empfehlen - soweit dir daran liegt - einmal zu schauen, was Mausfeld dazu erklärt.
    Das Problem liegt darin, dass unser Denken, unser Bewusstsein durch den Neoliberalismus penetriert sind, wie ein komplett virenverseuchter Computer.
    Das möchten die meisten natürlich nicht wahrhaben und wehren deshalb diese Einsicht ab.

    Die Opfer dieser neoliberalen Indoktrinierung verhalten sich, wie ein virenverseuchter Computer, der nur noch tut - und nur noch tun kann - was ihm die Programmierer dieser Viren erlauben.

    Das bedeutet: Gemeinschaft fällt als Option komplett aus und wird systematisch sabotiert: die Menschen in diesem System haben die Fähigkeit verloren, funktionierende Gemeinschaften zu bilden.
    Denn solche Gemeinschaften werden vom neoliberalen System als Störfaktor betracht, den es zu eliminieren gilt: sie bedrohen die Kontrolle durch das neoliberale System.

    Und nahezu jedes politische Projekt ist davon betroffen: ob man sich die Linkspartei anschaut, Attac oder Aufstehen. F4F sind noch zu frisch, um diese Mechanismen in dieser Deutlichkeit auszuprägen.

    Wer schafft es denn heute noch, Gemeinschaften zu konstituieren, in denen sich die Beteiligten über eine längere Zeit wohl fühlen, ihren Sinn finden können? Das sind ganz seltene Ausnahmen.

    Egal, ob Linke oder Anarchisten: alle sind der Prägung dieses Systems unterworfen, weil sie nur in seltenen Fällen überhaupt in der Lage sind, diese Problematik zu erkennen, dass ihnen die Souveränität abhanden gekommen ist, oder sich dies einzugestehen, und dass sie automatisch die Muster des Neoliberalismus bedienen.
    Diese Muster des neoliberal geprägten Individualismus verhindern heute in der Regel - anders als noch in den 70er-, 80er-Jahren - die Bildung von Gemeinschaften, die deshalb zur seltenen Ausnahme werden.
    Und dadurch erreicht das neoliberale System sein Ziel: die Kontrolle über den überwiegenden Teil der Gesellschaft.



  • "Diese Muster des neoliberal geprägten Individualismus verhindern heute in der Regel - anders als noch in den 70er-, 80er-Jahren - die Bildung von Gemeinschaften, die deshalb zur seltenen Ausnahme werden. Und dadurch erreicht das neoliberale System sein Ziel: die Kontrolle über den überwiegenden Teil der Gesellschaft."

    Nein, @gwhh, dem ist nicht so. Es ist die Enteignung, wodurch die "Kontrolle über den überwiegenden Teil der Gesellschaft" entsteht. Durch systematischen Raub. Und das habe ich schon in den 50er und 60er Jahren in Bayern erlebt, wie die gemeinschaftlichen kommunalen Ressourcen zerstoert wurden.

    Die Muster der Propaganda, die Besetzung der Narrative, koennen das nur verkleiden. Ich kenne die meisten vortraege von Rainer Mausfeld.

    Ein gutes beispiel finden wir heute in der Ukraine. Der Ausverkauf des Landes in 200.000 ha grossen stuecken, erzwungen vom IWF. Und ploetzlich brechen die Risse in langen Linien auf. Die Bevoelkerung weiss, diese Schwarz-Erde-Flaechen sind der groesste Schatz der Ukraine. Das war auch eines der grossen Kriegsziele fuer die NSDAP.

    Diese oekonomischen grundlagen bleiben immer die basis. Ueber Indoktrination kann eine Selbstermaechtigung hinaus gezoegert werden, aber niemals verhindert.

    Die Menschen in der Region Deutschland partizipieren noch an dem kolonialen Raub und koennen so noch eingelullt werden. Aber die spielraeume werden immer enger, wodurch sich die Effizienz privat-kapitalisitischer Systeme selbst in Frage stellt, weil sie keine Lebensstabilitaeten fuer Alle realisieren koennen. An diesem Punkt zerbrechen alle kopfgeburtigen Propagandismen der "Neo-Liberalen".

    Ich habe einen text der gruppe "keine Waffen vom Bodensee" auch hier im Forum eingestellt. Dort sehen wir das gleiche. Moralisch-ethische Skrupel gibt es da nicht, wenn die Ruestungsindustrie mit hohen gehaeltern winkt. In den 60er jahren war meine erste Demonstration vor Krauss-Maffei in Augsburg, damals noch Panzerbau. Wie die christlichen Faschisten in Bolivien sind die organisierten Arbeiter und Funktionaere der Gewerkschaften auf uns los. Dieser Ego-Wahn hat mit der "Neo-Liberalismus-Propaganda" ueberhaupt nichts zu tun, auch wenn er schon aus den 30er Jahren stammt, als Mises und Hayek ihre alten Kamellen als etwas Neues darstellten.

    In meinen Augen ist das alles nur billiges Geschwaetz, was da so als Neo-Liberalismus daher kommt oder als solches verinnerlicht wurde. Die Polaritaet Egoismus versus Communismus ist uralt und begleitet uns staendig. Und die Individualisierung war immer die Methode elitaerer Herrschaft. Alle Rechtssyteme setzen darauf. Ebenso alle "Bildungssysteme", wobei es da nie um Bildung geht und ging. Auch das Christentum ruht darauf. Kein Staatssystem ist ohne Individualisierung lebensfaehig und war es noch nie.


  • Sachsen-Anhalt

    @Lotte Hallo Lotte, für mich bleiben die Eltern in der Verantwortung. ..niemand sonst trägt die Verantwortung für " mein " Kind. Dafür kann ich nicht meine Mitbürger verantwortlich machen und auch keine Parteien ( jedenfalls solange die Eltern existieren ). Der Staat hat einzugreifen, wenn andere durch Fehlverhalten Schäden erleiden . Mich entsetzt schon, wenn Kinder im Zigarettenqualm der Eltern sitzen, oder mit vorm Einkaufszentrum stehen müssen und Mama daneben hält die Bierflasche in der Hand. ( vor kurzem bei Dresden gesehen ). Man muss auch in diesem System seine Kinder nicht derart verkommen lassen, bzw. sich keine anschaffen. Da helfen auch keine Jugendzentren, die die Eltern mitfinanzieren müssen, die schon das Studium ihres Kindes bezahlen müssen. Für " sich gehen lassen " kann ich kein Verständnis aufbringen. ....


  • Niedersachsen

    Ich versuche einmal eine Zwischenbilanz userer Diskussion zu ziehen. Einig sind wir uns in der Auffassung, dass Menschen in unserer Umgebung sich verstärkt egoistisch zeigen. Dies zeigt sich u.A. in der Erziehung oder Nichterziehung der Kinder. Diese Verhaltensweise hat ihre Ursache in der Fragmentierung der Gesellschaft durch die Herrschenden. Durch Betonung der Individualität und die Unterdrückung der Kollektivität in der Erziehung, durch die mediale Beeinflussung im Sinne der Herrschenden werden Eigenschaften wie Besitzstreben und Gier gefördert, sowie materielle Werte überbetont. Der Mensch wird zum Verbraucher reduziert. Werte, die ursprünglich dem Schutz der Gemeinschaft dienten, werden im Interesse der Herrschenden umdefiniert und können so die Gemeinschaft und damit auch die Interessen des Einzelnen nicht mehr schützen. (Freiheit-Individualismus, Eigentum, Recht-Eigentum, Sozialstaat-Almosen, Eigenverantwortlichkeit, Demokratie-Vertretung ohne Vertretungspflicht) Die Begrifflichkeiten sind bis in die Linke verinnerlicht und verhindern wirkungsvolle Lösungen, die Lage der Betroffenen, insbesondere der Kinder, Migranten und auch der weniger Leistungsfähigen zu verbessern. Vorgeschlagen werden Gemeinschaften, in denen alternative Werte gelebt werden können. Auch hier wird es vor Allem auf ein solidarisches Miteinander ankommen. Hierzu gibt es viele Erfahrungen und auch dazu, wie solche Initiativen durch Assimilation in die Gesellschaft oder einfach wegen Geldmangel scheiterten. Trotzdem denke ich, dass wir an solchen Erfahrungen anknüpfen sollten.


  • Baden-Württemberg

    gwhh: Was verstehst du unter "Gemeinschaften"?

    Ellen: Du machst die Tür hinter dir zu und der Rest geht dich nichts an, außer dass du ihn beobachtest und beurteilst? Das kann ich ja fast nicht glauben. Afrikanisches Sprichwort: Du brauchst ein Dorf, um ein Kind großzuziehen.

    Steffen: Und was machen wir mit den täglichen Gewaltopfern? Laut dem Mißbrauchsverantwortlichen der Bundesregierung Röhrig sitzen in jeder Schulklasse 2 Kinder, die massiv sexuell mißbraucht werden. Prävention lehnt ihr als staatliche Gewalt ab. Kontrolle wahrscheinlich noch mehr. Und jetzt? Das werfe ich ja vor, dass die Entwicklung von Neuem vollkommen richtig ist, aber nicht ausreicht. Ich kann auch den Ertrinkenden im Mittelmeer nicht zurufen, dass wir noch eine solidarische Gemeinschaft entwickeln müssen und dann weiterfahren.


  • Niedersachsen

    @Lotte , Ich für meinen Teil lehne weder Prävention, noch Kontrolle ab. Was es gibt an Schutz, sollte gestärkt und weiter entwickelt werden. Aber was wir nicht machen können, das sind Gesetze. Wir können sie einfordern, gut. was wir wirklich tun können, ist nur, unsere zivile Aufmerksamkeit zu stärken, eine wenig weniger übersehen. Und wir können versuchen, uns den Ursachen zu nähern. Auch Gewalt ist eine gesellschaftliche Erscheinung die Ursachen hat, das bezieht sich nicht ausschließlich auf sexuelle Gewalt. Auch Gewalt ist eine Ausdrucksform von Egoismus. Macht über andere Personen auszuüben. Hier gibt es Strafgesetze, die extreme Erscheinungen dieser Art bestrafen. Allein reichen die aber nicht aus. Früherkennung und Prävention sind also notwendig. Darüber hinaus muss es aber in der Gesellschaft Wandlungen geben, die die animalische Anwendung von Gewalt als nicht akzeptabel bewertet. Nun könnte man sagen, Gewalt habe es schon immer gegeben. Das ist wohl auch so, aber die menschliche Zivilisation hat sich in einiger Hinsicht im Laufe der Jahre verändert. Auch was die Gewalt angeht. Denken wir an die Abschaffung der Todesstrafe, die auf einer Höherbewertung der Menschenwürde beruht. Aber es ist wohl sicher so, dass eine Abschaffung jeder Form von Gewalt wohl in den Bereich der Utopie gehört. Nur eine solidarische Gemeinschaft, wo der Gedanke der Achtung vor den Mitmenschen tief verwurzelt ist, kann zu einer Verringerung der Gewalt führen. Bildung und Kultur alleine sind hier überfordert. Da ist mehr erforderlich. Zu Deinem letzten Satz: So traurig, wie es ist, bis die Gewalt beherrscht wird, wird es noch viel Gewalt geben. Um so wichtiger ist es aber, über tiefgreifende Wandlungen in der Gesellschaft nachzudenken.


  • Baden-Württemberg

    Da hast du recht, mir geht es dabei immer um das sowohl als auch. Das eine machen und das andere nicht lassen. Da sind die Einwände von Christoph richtig, ob man ausreichend Kapazität dafür hat. Wichtige Frage. Je nachdem, wo du dich befindest, kannst du nicht wegschauen und darfst trotzdem nicht Mutter Theresa werden.

    Noch wichtiger sind die "Gemeinschaften". Welche sind das und wo haben wir sie und welche Kriterien akzeptieren wir für sie und wo sind die Notlösungen, die wir auch akzeptieren.

    "Zivile Aufmerksamkeit stärken" ist schön - ich will es aggressiver. Massiven Druck aufbauen.


  • Niedersachsen

    Ich möchte von einem Projekt berichten, dass in den 90-er Jahren von der Bundesrepublik als ein Pilotprojekt gefördert, von der Diakonie getragen wurde. Dort hatte ich Gelegenheit mitzuarbeiten. Das Projekt hieß "Schülerland" und wurde in Dessau (Sachsen-Anhalt) durchgeführt. Zielgruppe waren Schüler im Alter von 10-15 Jahren, die aus problematischem Umfeld stammten. Das heißt Armut, Scheidung, auch sexuelle Gewalt. Dieses Projekt lief über 4 Jahre und war voll wirksam eigentlich nur für eine Schülergeneration. Die finanzielle Ausstattung war sehr großzügig. In einem Schwerpunktstadtteil wurde eine Begegnungsstätte eingerichtet. Mehrere Räume, die genutzt werden konnten für Nachhilfe, kreative Arbeiten, musikalische Betätigung. Dann gab es einen Klubraum, den die Jugendlichen selbst hergerichtet haben, sowie sportliche Betätigungsmöglichkeiten(Hometrainer und Tischtennis). Über das Angebot einer kostenlosen Nachhilfe war das Projekt schnell stark frequentiert. Die Teilnehmer entsprachen der Zielgruppe. Schnell bildete sich eine Klubstruktur heraus, entsprechend der Altersstufe. Über einen Klubrat wurde die Freizeitgestaltung geplant auch Regeln des Umgangs wurden aufgestellt. Viele Jugendliche waren dann regelmäßig am Nachmittag da und nutzten die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Ein wöchentlicher Bastelnachmittag, ein Fotozirkel, eine Musikgruppe standen zur Nutzung. Auch mehrere Fahrten in Jugendherbergen waren möglich, nennen möchte ich eine Fahrt nach Weimar, mit einem Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald, aber auch ein Besuch des Musicals "Phantom der Oper" in Hamburg. In den Sommern wurden Zeltlager an einem nahegelegenen See durchgeführt. Betreut wurde das Projekt durch eine Sozialpädagogin, einem Pädagogen in ABM vollzeit (das war ich.) sowie zwei Honorarkräfte und ein Zivi. Es bildete sich eine vertrauensvolle Atmosphäre heraus, die Jugendlichen identifizierten sich mit ihrem Klub. Einerseits wurden so Bedingungen geschaffen, die den Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitgestaltung ermöglichten, Probleme mit der Schule und in der Wohnumgebung konnten direkt bearbeitet werden. Eine Zusammenarbeit mit den Eltern war sehr gut möglich, diese nahmen die Unterstützung sehr gern an. Alles in Allem, könnte man sagen, die Verhältnisse der durchaus noch nicht vergessenen DDR wurden ein wenig rekonstruiert. Die Wirkung auf die beteiligten Jugendlichen war enorm. Die schulischen Leistungen wurden besser und das wichtigste, das Selbstbewußtsein nahm zu. Alle damals Beteiligten konnten soweit stabilisiert werden, dass eine gute weitere Entwicklung möglich war.


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