Kaffeekränzchen


  • AG Traum- und Denkwerkstatt

    Okay, wenn ich versuche, es sachlicher auszudrücken, dann meine ich, was du gerade gesagt hast: Das Persönliche ist politisch, wird aber nicht thematisiert. Ich halte das für einen Fehler. Wir versuchen, eine andere Welt zu bauen, zumindest, dazu beizutragen, aber wenn wir die Fehler nur im Außen analysieren, werden wir grandios scheitern, egal, wie die Dinge sich weiterentwickeln. Ich halte es für absolut unabdingbar, uns selber, unsere Geschichte, unsere Verletzungen und Voreingenommenheiten, unsere Bedürfnisse, unsere ganz persönlichen Wünsche in den Blick zu nehmen, zu erkunden, zu formulieren. Uns darüber auszutauschen. Ich denke: Nur wenn wir begreifen, dass und wie wir selber verstrickt sind in Beziehungen, können wir Beziehungen von einer anderen, einer neuen Qualität aufbauen.


  • AG Traum- und Denkwerkstatt

    Zu den Gedichten: In poetischer Sprache machen wir uns verwundbar. Hinter sachlichen Texten können wir uns wunderbar verstecken. Neutralität vortäuschen.


  • Baden-Württemberg

    Ilse, ich stimme dir zu. Vor allem, weil meine erste politische Sozialisation bei den Kommunisten so eindimensional war. Das Persönliche war in der Belletristik zu lesen und in den Frauengruppen. Mit Männern fast nur in Liebesbeziehungen.
    Privates war nirgends angesagt offiziell. Das will niemand mehr.

    Erstens wurden wir ausgezehrt - als andere nächste Generation, vor allem bewusster Frauen - und wurden verheizt. Zu viel Politik, zu wenig Privat. Männer Alkohol, Frauen Therapie. Man hielt dieses entpersönliche Arbeiten nicht mehr so gut aus wie früher. Und man lernte, dass das Persönliche nicht geheim ist. Zähne zusammenbeißen, durchhalten, weitermachen - so kam man nach Moskau, aber viele von uns wollten das nicht mehr. Die Stärke liegt darin, Geühle, Privates, Kognitives in die Politik einzubringen. DAs hat die Frauen- und Schwulenbewegung stark gemacht.

    Bruno, ich bin aus Freiburg. Ja, Lisa E. ist klasse. Und warum geht das mit der FB Gruppe nicht? Ich hatte ja mal ein paar Monate mitgelesen.

    Was ich noch anmerken will: "Wir" haben das schon besprochen - ich nicht. Mich interessiert es. Hatte heute wieder ein Erlebnis, wo sich Aufsteher treffen, vorbereiten und nie gerät was in die Öffentlichkeit. Wagenknecht - und jetzt bin ich wirklich sauer und überleg mir was, hat es nicht für nötig befunden, auf meine Mail mit Anruf der Bürokraft und Vorschlag für eine Aktion zu antworten. Ich ahne viele Grüppchen und das wird mit echter Basisdemokratie schwer. Lenin - so meine ich - hatte zu Organisation eines politischen Prozesses gemeint, dass er nur gelingt, wenn alle eine 100 % ige Information und Transparenz erfahren. Nur das würde mobilisieren.


  • AG Traum- und Denkwerkstatt

    Dass Wagenknecht nicht auf dein Schreiben reagiert hat, empört mich.

    Dass auch heute noch die Selbstreflexion (im Hinblick auf individuelle Grundbefindlichkeiten) in einer politischen Bewegung wie Aufstehen so schwierig ist, frustriert mich.

    Warum nur über Penisse - als Symbole des Patriarchats -reden? Wo bleibt das Gespräch über die Vulva, das weibliche Geschlecht? In Japan gibt es ein Fest, bei dem überdimensionale Penisse durch die Gegend getragen werden. Eine Künstlerin, die Abdrücke von ihrer Vulva gemacht hat, musste sich in demselben Land vor Gericht verantworten.

    In Kamerun, vielleicht auch noch in anderen afrikanischen Ländern, binden Mütter ihren pubertierenden Töchtern die Brüste ab, um sie vor Vergewaltigung zu schützen.

    Es gibt mit Sicherheit nicht zu vernachlässigende Unterschiede in der Sozialisation von Mädchen und Frauen im Osten und Westen der Republik. Aber die patriarchale Prägung ist eine Gemeinsamkeit.


  • Baden-Württemberg

    O Gott, wie schnell wir beim Patriarchat sind.....

    Ich denke, beide Geschlechter sind dem Zwangssystem unterworfen, das Geschlecht bedeutet. Auch die Mannwerdung ist ein brutaler Vorgang. Der Unterschied ist, dass Frauen sich die letzten 150 Jahre einen Riesenschritt aus diesem Korsett hinaus bewegt haben und dass dies für Männer noch aussteht. Sie müssen die Chance für ihre Freiheit erkennen und ergreifen.

    Dazu ist das Kaffeekränzchen da. Wenn sie wollen. 🙂 Deine Impulse sind gut, Ilse.


  • AG Traum- und Denkwerkstatt

    Joo, ich sehe das auch so, der Weg aus dem Patriarchat ist eine Befreiung für alle ..... raus aus den Schubladen und rein ins unberechenbare, fließende Leben...


  • Baden-Württemberg

    Dazu müssten dann Männer was sagen. 🙂


  • AG Traum- und Denkwerkstatt

    Na dann... 🙂


  • Baden-Württemberg

    Rezepte

    Jetzt haben wir unsere Unterhaltung etwas verengt- das Schweigen brach an. Das wollen wir nicht. Männer, die am Patriarchat leiden, werden schon zu uns finden. Wir stellen das Thema auf den Kachelofen, damit es warm bleibt. 🙂

    Heute ein Beitrag, der so richtig zum Thema passt. Ein Rezept. Ich bin in einem palästinensisch-israelischen Verteiler, der hat es heute geschickt.

    Hier für diejenigen, denen noch ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk fehlt:

    unser Kalender "Sahtein! Guten Appetit!" mit Rezepten aus der palästinensischen Küche!

    Auch dieses Jahr möchten wir Euch unseren wunderschönen farbigen DIN A3 Geburtstagskalender mit köstlichen palästinensischen Rezepten als Weihnachtsgeschenk für Freunde und Verwandte ans Herz legen. Die Fotos in den Flüchtlingslagern haben junge von NISCVT ausgebildete Fotografen gemacht. Gestaltet wurde der Kalender von BerufsschülerInnen einer Mediendesign-Klasse in Reutlingen. Alle Rezepte wurden von uns ausprobiert und die Gerichte mit großem Genuss verkostet.

    Hier könnt Ihr den Kalender anschauen:

    www.lib-hilfe.de/infos_kalendersahtein

    Aktueller Preis: 10 € + 5€ Verpackung und Versandkosten

    Zu bestellen bei:
    Ines Dieffenbacher, Tel.: 0151-14902465, Email: idieffenbacher@lib-hilfe.de

    Und hier noch ein Rezept als Beispiel:

    Mutabbal – Auberginendip:

    für 4 Personen braucht man: 1kg Auberginen, 60ml Zitronensaft, 60ml Tahina, 3 Knoblauchzehen, ½ TL Salz, 2 EL fein gehackte Petersilie, Olivenöl

    Die Auberginen mit einem spitzen Messer mehrere Male an den Seiten einstechen. Auf Alufolie unter den heißen Grill schieben und grillen, bis die Haut schwarze Blasen wirft (10-15 Min.). In die Alufolie locker einwickeln und in eine Schüssel stellen, so dass der bittere Saft unten abfließt. Abkühlen lassen. Den Saft weggießen. Die Auberginen schälen, grob schneiden und in den Mixer geben. Alle anderen Zutaten außer dem Öl und der Petersilie dazugeben, sehr fein mixen. In einer flachen Schale anrichten. Mit Petersilie bestreuen und Olivenöl beträufeln. Passt sehr gut zu Fladenbrot, aber auch zu gegrilltem Fleisch. Guten Appetit!


  • Baden-Württemberg

    Willi, Kaffee ist gemacht, Sekt gekühlt. Habe ich mir kleines Wuschelchen doch überlegt, dass wir beide uns besser hierher verlagern, wo es gemütlich wird. Joint liegt auch bereit. Wie du es gern am liebsten hättest.
    Heute möchte ich dir doch einen blasen, Hasenschnäuzchen, weil du mir ja keine andere Alternative lässt. Gut, ich hätte auch gern politisch diskutiert, aber nachdem du mir zuerst sagst, dass ich mich seit Jahren „privat“ um AfD-Massen kümmere und dann in meinem Thread zu Vision nach meinem Protest an deinen Schlägen dann ins Persönliche wechselst, hebe ich das Köpfchen, über das du mir so liebevoll tätschelst, zu deinem Gemächt und fange mein Nachmittagswerk an. Wir lieben das, wenn Männer uns zärtlich zu unserer Bestimmung führen. Wir kommunizieren um soziale Bindungen herzustellen, sie sind die Jäger und Sieger. Warum dann nicht gleich zur Sache kommen, du wilder Schnurrdiburr, du Ekstatiker unter den Kommentatoren.
    https://www.youtube.com/watch?v=1_GAvBdlqgs
    Komm mal ein bisschen schneller, Gott der Anarchisten, ich muss noch schnell in die Stadt – es gibt ein Sonderangebot für figurformende Unterschwäsche.
    https://www.youtube.com/watch?v=1wd2S4fHqKs


  • Baden-Württemberg

    Ellen, falls du Lust hast ....

    Für mich ist AfD und Aufsteher ein wichtiges Thema, weil ich nun ein Jahr in FB mitgelesen und geschrieben habe. Auf der Seite aufstehen bundesweit formte sich ein dicker Kloß von sozialen Forderungen und Mißständen zusammen mit Ablehnung von Migration in einem Ton, der für mich nicht erträglich war. Sahra Wagenknecht hatte gerufen und es kamen sicher mehr, als ihr lieb waren. Egal... aus diesen Erfahrungen heraus muss aufstehen für sich klären, wer oder was dazu gehört.
    Deswegen habe ich bei dir nachgefragt - du sagst, du weißt - weil die Islamfeindlichkeit den Antisemitismus bei den Rechten ersetzt hat. Da möchte ich mich fernhalten.

    🙂 Also falls du Lust hast...


  • Baden-Württemberg

    Was ist künstliche Intelligenz? Eine brünett gefärbte Blondine!

    Gehe ich zu Greta, diesem kleinen frechen kranken Luder, was besser in die Schule oder in ihr Zimmer gesperrt werden sollte - diese Hexe der modernen Erziehung geschuldet, von Eltern mißbraucht in den Medien, verhaltensgestört, altklug, hysterisch und mediengeil.

    Patrick Gensing in der ARD - diesem Tor zur Hölle - schreibt dazu:

    https://www.tagesschau.de/faktenfinder/feindbild-greta-thunberg-101~_origin-be07e311-35ae-46c4-b250-7874501b0b56.html

    "Anfeindung wegen Geschlecht, Hautfarbe oder Behinderung

    Solche Kommentare sind keine Einzelfälle: Amnesty International veröffentlichte eine Studie über Anfeindungen im Netz. Zahlreiche Frauen berichteten darin, dass verbale Gewalt auf Twitter floriere und dies selten geahndet werde. Frauen erhalten demnach Androhungen körperlicher oder sexualisierter Gewalt. Sie berichteten, dass sich Anfeindungen gegen unterschiedliche Aspekte ihrer Identität richten - also beispielsweise Geschlecht, Hautfarbe oder Behinderung. Ziel der Gewalt und Belästigung sei es, ein frauenfeindliches Klima zu schaffen.

    Das Ziel der Attacken: Frauen sollen sich schämen, eingeschüchtert, abgewertet und herabgesetzt werden und letztlich verstummen. Ihr Recht, sich frei, gleich und ohne Angst zu äußern, werde dadurch stark beeinträchtigt. Ihre Stimmen werden laut Amnesty geschwächt, denn diese Erfahrungen führen zu Selbstzensur und dazu, dass Frauen ihre Online-Kommunikation einschränken oder Plattformen ganz verlassen."

    Gilt sicher auch für "schwache" Männer.

    Könnte man sich einen Schnaps hinter die Binde gießen und schweigend genießen oder mal schauen, wie das bei uns ist. Also nicht die Beschimpfung sondern der vorauseilende Gehorsam von Frauen, die erst gar nicht schreiben. Wo sind die Mädels?

    Zwei Blondinen bewerfen sich mit Stroh. Wie nennt man das? Gedankenaustausch.

    Wie bezeichnet man eine Blondine die 95% ihrer Intelligenz verloren hat? Witwe!


  • Baden-Württemberg

    Mein Filmtipp:

    Gestern habe ich Kapstadt - eine Stadt ohne Wasser angeschaut, heute Iran- Wassernotstand und Dürre und jetzt mache ich mich an den Wasserkrieg der EU.

    Eingangszitat: 2010 hat die UNO den Zugang zu Wasser als Menschenrecht anerkannt, die EU hat bis heute nicht den Zugang zu Wasser als Menschenrecht anerkannt. "Bis zum letzten Tropfen - Europas Wasserkrieg"

    http://www.arte.tv/de/videos/072486-000-A/bis-zum-letzten-tropfen/

    In Arte sind die Filme zum Thema zu sehen.

    Vielleicht wäre die Forderung tatsächlich die Entprivatisierung aller Elemente? Als Strategie aller Aktiven?

    Das obengenannte Menschenrecht wird in der liberalen Badischen nicht erwähnt. Es bleibt bei religiösen Appellen.

    https://www.arte.tv/de/videos/082810-000-A/wasser-im-visier-der-finanzhaie/

    Was haben Protest und Linke eigentlich bewirkt? Fragt man sich bei diesem Film über Wasser und Finanzhaie. Wir sollten besser nachdenken.


  • Baden-Württemberg

    @Lotte dann werden Dich die Aktivitäten des Stuttgarter Wasser Forums (http://www.wasserforum-stuttgart.de) sicherlich auch interessieren.
    Übrigens, mit den Aktiven dieses Forums, sowie mit den von https://www.100-strom.de/ und https://www.friedenskooperative.de/ läuft z.Z. enge und viel versprechende Zusammenarbeit. Mit ihnen haben wir, Aufstehen-Gruppen von Ludwigsburg und Stuttgart, neulich die Kundgebung zum "Tag der Menschenrechte" organisiert.

    Das Thema Wasserversorgung wird zweifellos auch im Süd-Westen der Republik ein großes und kontroverses sein. Die Sicherheit der Trinkwasserversorgung in der sich die meisten wiegen ist trügerisch. Es sollte allen klar sein, dass die anzunehmende Reduzierung der Niederschläge zwangsläufig zum Qualitätsverlust des Wassers in den Bächen und Flüssen führen wird. Dies wird aber dazu führen, dass die Bedeutung des Bodensees für die Versorgung der Bevölkerung weit über die Landesgrenzen der Anrainerstaaten existenziell wird.

    Wenn das Thema unser Thema ist, und dass sollte es aus meiner Sicht auch sein, wird ersichtlich, dass unsere Bemühungen grenzüberschreitend ausgerichtet sein müssen und rechtzeitig so auch angegangen werden müssen.


  • Baden-Württemberg

    Vielen DAnk, so sollte Vernetzung auch sein. Schau dir das Video an - von Griechen mit Arte produziert. Es wird deutlich,dass man nur europaweit agieren kann und auch schon tut. 2 Millionen Menschen waren auf der STraße - wurden ignoriert.

    "Während der Trend weltweit zu einer Rekommunalisierung der Trinkwasserversorgung und Abwasseraufbereitung geht, stehen die öffentlichen Versorgungsunternehmen im krisengeschüttelten Europa unter zunehmendem Privatisierungsdruck. Die Dokumentation folgt der Spur des Geldes quer durch den europäischen Kontinent und enthüllt die Interessen der Unternehmen.
    Städte, Regionen und Länder der ganzen Welt ziehen sich verstärkt aus der über Jahre praktizierten Wasserprivatisierung zurück und rekommunalisieren die Versorgungsunternehmen, um die Kontrolle über Trinkwasserversorgung und Abwasseraufbereitung zurückzugewinnen. Dieser Trend führt fast überall zu einer grundlegenden Umstrukturierung des Wassersektors. Gleichzeitig übt Brüssel im krisengeschüttelten Europa zunehmend politischen und wirtschaftlichen Druck auf öffentliche Versorgungsunternehmen aus und fordert, die Wasserversorgung zu privatisieren. Dabei ist die Lage paradox: Länder wie Deutschland und Frankreich, die in der Vergangenheit mit der Wasserprivatisierung experimentiert haben, führten ihre Wasserversorgung zurück in die öffentliche Hand, drängen dabei aber südeuropäische Länder zur Privatisierung ihrer Versorgungssysteme. Im Spannungsfeld zwischen Austeritätspolitik und EU-Lobbyismus fließt das Wasser in Europa scheinbar entlang der Kapitalströme. Die Bürger jedoch beschäftigt eine andere Frage, auf die die europäischen Institutionen durchaus nicht eindeutig antworten: Ist Wasser Handelsware oder Menschenrecht? Zwischen den Lippenbekenntnissen der Politiker und der alltäglichen Praxis klaffen auf jeden Fall große Lücken. Auf der Grundlage ausführlicher Recherchen, die im Januar 2013 begannen, berichtet „Bis zum letzten Tropfen“ nicht nur über die Wasserversorgungssituation in Europa, sondern offenbart indirekt auch den Verfall der europäischen Wertegemeinschaft. Die Dokumentation spielt in sechs europäischen Ländern, folgt der Spur des Geldes quer durch den Kontinent, beleuchtet die Interessen der Unternehmen, die bis in die oberste Entscheidungsebenen der EU verhandelt werden, und offenbart den verborgenen Kampf um die überlebenswichtigste Ressource überhaupt."

    Ich suche ja nach unserer Strategie und bin wegen der Verknüpfung zur linken nationalen, europäischen und internationalen Politik also wegen Wagenknecht zu aufstehen gegangen. War wohl eine Fehleinschätzung - im Video versperrt auch rot-rot den Zugang zur Öffentlichkeit von Wasserverträgen, bis ein Gericht es erzwingt.

    Überall fehlt der nächste Schritt zur nächsten größeren Etappe. Wir können das ja in BaWü weiterdiskutieren und Möglichkeiten suchen.


  • Baden-Württemberg

    Stellen Sie sich bitte folgende Situation vor: Eine Gruppe von Menschen sitzt in einer aufblasbaren Rettungsinsel, dicht an dicht, auf dem offenen Meer treibend. Die Schiffbrüchigen hoffen auf baldige Hilfe.

    Plötzlich hört jemand ein leises Zischgeräusch, dann noch jemand und noch jemand. An unterschiedlichen Stellen rund um die Rettungsinsel sind kleine Löcher im Gummi entstanden. Klein genug, um sie mit einem angefeuchteten Finger zuzuhalten, aber groß genug, dass die Insel langsam Luft verliert.

    Erstmal Fingeryoga

    "Halten Sie mal das Loch da direkt vor ihnen zu!" ruft einer, und der Angesprochene entgegnet: "Da bei ihnen pfeift es doch auch, halten Sie doch erstmal ihr Loch zu!" Einige wenige drücken ihre Zeigefinger schon krampfhaft auf den Gummi, doch es zischt und pfeift noch an diversen Stellen. "Mir tut jetzt schon die Hand weh!", stöhnt jemand, "ihr Loch ist doch viel größer als meins! Machen sie erstmal das zu!" Die angesprochene Frau stellt sich taub und sucht lieber angespannt den Horizont ab.

    "Das mit den Fingern bringt doch nichts und ist auch viel zu anstrengend!", versucht ein Mann im Anzug die Debatte in eine andere Richtung zu lenken, "was wir brauchen, ist eine gute Idee! Hat nicht irgendjemand eine gute Idee?" Stille. "Bis wir eine Idee haben, sollten wir erst einmal gar nichts tun. Nur Innovation kann uns retten!" Statt einer Antwort hört man weiterhin nur leises Zischen.

    "Hysterie!"

    Dann plötzlich vielstimmiges Stimmengewirr: Irgendjemand fragt, ob nicht jemand Fahrradflickzeug dabeihat. Eine Frau mittleren Alters erklärt laut und bestimmt, sie werde ihr Loch demnächst zuhalten, sie müsse nur vorher noch eben ihre Fingeryoga-Übungen abschließen. Einer ruft, sein Loch sei doch viel später entstanden als die anderen, die sollten jetzt erst einmal in Vorleistung gehen.

    Ein weiterer erklärt mit drohendem Unterton, er werde sein Loch erst dann zuhalten, wenn ihm zugesichert werde, dass er eine Extraration von den Wasser- und Lebensmittelvorräten bekomme. Ein Mann mit rotem Kopf schreit wütend, er sei diese Hysterie leid, alle sollten jetzt gefälligst mal die Klappe halten. Unterdessen wird der Rand der Rettungsinsel langsam weicher.

    Die beschriebene Situation nennt man in der Spieltheorie ein soziales Dilemma: Viele müssten etwas tun, um allen zu helfen, aber niemand will anfangen. Natürlich würde sich in Wirklichkeit kaum jemand so verhalten, das wäre ja selbstmörderisch.

    Oder?

    https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/eu-klimapaket-zerschlagt-das-kartell-des-nichtstuns-a-1301253.html


  • Baden-Württemberg

    Manche schreiben hier viel und kompliziert. Da haben es andere schwer. Ich kenne welche, die nur lesen deswegen und sich nicht trauen zu schreiben. Die könnten hier mal einen Kaffee trinken und erzählen, warum sie nicht schreiben.


  • GLOBALER MOD MOD

    Liebe @Lotte.
    Ist doch völlig klar, was in solch einer Situation auf dem Meer zu tun ist. Bevor irgend ein Loch verschlossen wird, hier eigenmächtig Entscheidungen getroffen werden, muss erst einmal ein Verein gegründet werden. Aber bitte absolut basisdemokratisch. Und die Gewichtung der Stimmen doch auch bitte schön sortiert nach Herkunft der Ertrinkenden hier auf der Rettungsinsel. Wenn dann die offizielle Bestätigung vom Vereinsgericht eingetrudelt ist, über die Rechtswirksamkeit des Vereins, nehmen die demokratisch gewählten Vorstände ihre Arbeit auf und beschließen, in welcher Reihenfolge Vorschläge einzubringen sind, welche Rettungsmaßnahmen zu erbringen wären. Über diese Sprecherreihenfolge wird aber dann noch einmal in einer Mitgliederersammlung abgestimmt, damit alles demokratisch zu geht und sich nicht einer der Vorstände zu viel Sprechermacht hätte aneignen können. ........und wenn die Rettungsinsel nicht untergegangen ist, denn diskutieren sie heute noch darüber, wer zu bestimmen hat, wer wann und wo reden darf...und wer das Sprecherforum zum Reden zur Verfügung stellt. Sie liegen inzwischen alle samt Rettungsinsel mit vielen kleinen Löchlein auf dem Meeresgrund. Aber sie tragen alle so ein zufriedenes Lächeln im Gesicht....alles lief zutiefst demokratisch ab, bis zum letzten Atemzug.
    Zwinker Smiley. @Tomas @Steffen-Beck


  • GLOBALER MOD MOD

    @Lotte

    Hehe, ein sehr schönes Beispiel, was auch wie die Faust aufs Auge für Aufstehen passt.

    Im letzten Jahr hatte ich irgendwann mal geschrieben, mein persönliches Aufstehen-Unwort des Jahres ist "Partei". Mein persönliches Aufstehen-Unwort dieses Jahr ist "Legitimation", ich kann dieses Wort einfach nicht mehr hören. Für mich hat es etwas zutiefst Undemokratisches und Einengendes und ich finde, dieses ständige Fragen nach Legitimation entspringt dem (vielleicht unterbewussten) Bedürfnis, Eigenverantwortung abzugeben. Aus meiner Sicht braucht Aufstehen aber Menschen, die bereit sind Verantwortung zu übernehmen, die bereit sind, eigenmächtig zu denken und zu entscheiden und die zu ihren Entscheidungen stehen (selbst wenn mal etwas falsch gelaufen ist), anstatt die Verantwortung auf andere abzuwälzen. Wenn die Hauptfrage in den Köpfen der meisten "Darf ich das tun?" lautet und nicht "Was kann/will/werde ich tun?", haben wir ein ernsthaftes Problem in unser Bewegung und werden nicht weit kommen.


  • AG Vernetzung

    @Guido
    Findest du das lustig? Ich nicht.
    Ich finde, das liest sich wie ein dispektierlicher Abgesang auf die Demokratie. Erdogan hätte sich nicht besser über Demokratie lustig machen können. Es ist der Abgesang eines Autokraten.

    Du hattest alle Optionen, es besser zu machen als es jetzt ist, und hast sie gegen den Widerstand vieler anderer Aufsteher/innen, die zügig umsetzbare Vorschläge gemacht haben, in den Wind geschlagen zugunsten deiner ganz privaten Behütung "deines Babys" -wie du so gerne betonst-, ein "Baby", das gar nicht deines ist, sondern das der Vielen, die dem Forum erst Leben eingehaucht und es mit Content gefüllt haben.

    Nun hältst du auch noch nach der Gründung deines Vereins am elitär-autokratischen Konzept fest, obwohl eine "Notlage", die man ohnehin nur notdürftig mit dem persönlichen Haftungsrisiko begründen konnte, nicht einmal mehr besteht.
    Dieses Risiko hast du im übrigen ohnehin schon seit mehr als einem Jahr getragen, ohne dass es dich sonderlich gestört hätte. Als ob es da noch auf eine paar Wochen angekommen wäre!
    Und jetzt -nach Gründung- kann von einer Notlage auf einer Rettungsinsel schon gar keine Rede mehr sein.

    Die Wahrheit ist, dass du zur Demokratie schlicht nicht bereit bist. Und das ist traurig, nicht lustig. Wenn das so bleibt, wird auch dieses Forum keine Zukunft haben.

    Versuche es doch mal mit einem Perspektivwechsel.
    In deiner autokratisch/oligarchischen Welt geht die Rettungsinsel unter, weil Demokratie zu umständlich sei.
    Welch eine Verachtung für diesen von Generationen erkämpften Wert!

    Perspektivwechsel:
    Die Rettungsinsel IST die Demokratie. Geht sie unter, gehen alle auf ihr mit, weil sie nämlich ohne Demokratie nur noch entrechtete Bittsteller sind, die nichts mehr zu melden haben.

    In diesem Sinne: ✊
    @Lotte @Steffen-Beck @ThomasN @gwhh


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