Rechtsentwicklung - Worin bestehen die gesellschaftlichen Ursachen und Bedingungen? - Was ist zu tun?


  • Niedersachsen

    In Europa und in der ganzen Welt findet eine erschreckende Entwicklung nach Rechts statt. In Europa gewinnen sogenannte rechtspopulistische Parteien immer mehr Einfluss im politischen Geschehen. In Deutschland ist es die AfD, die vor Allem im Osten große Wählergruppen erreichen. Wie konnte es zu diesen Prozessen kommen? Der letzte Weltkrieg ist zwar schon lange Zeit her, aber das Grauen, dass dieser brachte kann noch nicht vergessen sein. Lasst uns eine Ursachenforschung betreiben, die es uns erlaubt, Einfluss zu nehmen auf diese verhängnisvolle Entwicklung.


  • Baden-Württemberg

    Eines der ganz wichtigen Themen. Ich würde mir wünschen, dass wir das gemeinsam gut abgerundet schaffen. Und zu diesem Thema ein lernfähiges zivilgesellschaftliches Erfolgskollektiv werden, statt uns zu verzetteln. Stoffsammlung: Ich werf ein Rechtsentwicklung und Triebunterdrückung.


  • Sachsen-Anhalt

    @Steffen-Beck ...für die AfD gibt es da eine relativ einfache Antwort. ...alle AfD Wähler, mit denen ich gesprochen habe, haben " Protest " gewählt. ..und halten ansonsten gar nichts von dieser Partei. ..so verrückt, wie das auch klingen mag. ...


  • Niedersachsen

    @Ellen Ja das sagen alle. Aber ist es wahr? Immerhin haben sich viele von der CDU abgewendet, weil diese nach ihrer Meinung einen Linkskurs fährt. Dazu kommt, dass Umfragen in zentralen Fragen zu Immigration und Ausländern sowie zu Antisemitismus eine klare Sprache sprechen. Rechte Positionen gibt es nicht erst seit Kurzem in Deutschland. Da sind Ursachen längerfristig zu hinterfragen. Welche Bedingungen sind es in Ostdeutschland? Eine Zurückführung auf rechte Positionen in der DDR halte ich für ausgeschlossen. @Lotte, ja wir sollten mit einer kritischen Materialsammlung beginnen.


  • Baden-Württemberg

    Wenn wir etwas tiefer gehen, könnten DDR und BRD Geschwister werden. Stoffsammlung:

    Das heutige Verständnis der autoritären Persönlichkeit wurde hauptsächlich durch die 1950 von Theodor W. Adorno, Else Frenkel-Brunswik, Daniel J. Levinson und R. Nevitt Sanford veröffentlichte Studie The Authoritarian Personality geprägt. Die Studie war Teil eines großen Forschungsprojektes an der University of California, Berkeley, über die psychologischen Grundlagen von Vorurteilen, insbesondere solchen antisemitischer Art.

    Vorausgegangen war Wilhelm Reichs psychoanalytisch-gesellschaftskritische Auseinandersetzung mit Faschismus und Nationalsozialismus. Er behauptete einen fundamentalen Zusammenhang zwischen autoritärer Triebunterdrückung und faschistischer Ideologie. Die autoritär verfasste Familie sei die Keimzelle des autoritären Staates. Ausführlicher und genauer als Reich entwickelte Erich Fromm in seinen theoretischen und empirischen Arbeiten die Grundzüge des autoritären Charakters, insbesondere 1941 in seinem Buch Escape from Freedom. Viele dieser Komponenten sind im Ansatz des amerikanischen Projekts wiederzuerkennen. Außerdem hatte Fromm bereits 1929/1930 in der Berliner Arbeiter- und Angestelltenerhebung eine groß angelegte sozialwissenschaftliche Erhebung über den autoritären Charakter und andere Formen des Sozialcharakters mit der damals noch selten verwendeten Methode der Fragebogen durchgeführt.

    Fromm hatte bereits 1936 für das kollektiv verfasste Werk des Frankfurter Instituts für Sozialforschung Studien über Autorität und Familie zwei grundlegende Beiträge zur theoretischen und empirischen Sozialpsychologie verfasst. Max Horkheimer schrieb hier einen allgemeinen kultur- und familiensoziologischen Beitrag zum Thema Autorität. Vielleicht betonte er etwas stärker als Fromm, und ähnlich wie Reich, die äußere gesellschaftliche Repression. Demgegenüber spielte die Konzeption eines „autoritären Syndroms“ in dem Kapitel Elemente des Antisemitismus in der häufig zitierten Dialektik der Aufklärung von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno (1944/1969) keine zentrale Rolle. Dennoch betonte Adorno die Verbindung zwischen seinem Untersuchungsanteil und der Dialektik der Aufklärung.[1]

    Die Begriffsgeschichte ist seitdem durch die Konkurrenz unterschiedlicher Erklärungsansätze geprägt:

    Aus psychoanalytischer Sicht bildet sich der autoritäre Charakter aus, wenn aggressiv-triebhafte und andere Bedürfnisse des Kindes durch elterliche Gehorsamkeitsforderungen zu stark unterdrückt und schließlich auf andere Menschen, sozial Schwächere oder Minderheiten gerichtet werden;
    aus soziologischer Sicht wird primär der Anpassungsdruck der repressiven gesellschaftlichen Bedingungen und hierarchischen Strukturen verantwortlich gemacht;
    aus sozialpsychologischer Sicht werden vor allem die von der Familie und anderen sozialen Bezugsgruppen übernommenen Denkmuster hervorgehoben, also Einstellungen und Vorurteile aufgrund des fehlenden oder falschen Wissens über andere Personengruppen;
    entwicklungspsychologisch bedingen Autoritätskonflikte in einer misslingenden Ablösung von den Eltern eine unzureichende Identitätsfindung und Selbständigkeit, so dass eine autoritär strukturierte Abhängigkeit fortbesteht;
    aus Sicht der differentiellen Psychologie ist das Zusammenwirken einer Verhaltensbereitschaft (Disposition) und einer „passenden“ Auslösesituation wichtig, um verständlich zu machen, dass autoritäres Verhalten sich nicht einheitlich zeigt, sondern von der individuellen Disposition und der jeweiligen Situation abhängt.

    Fromm sieht im Streben nach Freiheit und nach Gerechtigkeit fundamentale Wesenszüge aller Menschen. Viele Menschen seien dieser Freiheit jedoch nicht gewachsen bzw. haben durch Erziehung einen Sozialcharakter erworben, der an Macht und Gehorsam orientiert sei. In seinem Buch Escape from Freedom (1941) beschrieb Fromm die Psychodynamik dieser Furcht und Flucht vor der Freiheit. Der geistige Konformismus verträgt keine Andersdenkenden und keine pluralistische Welt. Als typische Züge des autoritären Charakters nannte Erich Fromm die Unterwürfigkeit gegenüber Autoritätspersonen, außerdem Destruktivität (Zerstörungslust), Selbsterhöhung und starre Konformität. Zu dieser durchgehenden Orientierung an Macht und Stärke gehört eine Denkweise, die an Konventionen hängt, zugleich abergläubische und stereotype Züge hat, sensible und künstlerische Seiten zurückweist und vor allem alles Fremde, fremde Menschen und Sitten, ablehnt. Die autoritäre Persönlichkeit tendiert dazu, Ideologien zu folgen, ist konform, bei extremer Ausprägung „potentiell faschistisch“ und destruktiv. Den tieferen Grund, weshalb sich diese Charakterstruktur herausbildet, sah Fromm primär nicht in einer Triebstruktur, sondern in der Unfähigkeit von Menschen, mit ihrer prinzipiellen Freiheit umzugehen – sie fliehen vor dieser selbstverantwortlichen Freiheit in eine konforme Sicherheit und orientieren sich an der Autorität. Dieser soziale Charakter wird vor allem durch typische Grunderlebnisse innerhalb der Familie und im Kontext der gesellschaftlichen Verhältnisse und Anpassungen vermittelt.

    Hier verwendete Fromm den Begriff „autoritärer Charakter“ synonym mit der aus der Psychopathologie stammenden Bezeichnung „sadomasochistischer Charakter“. Dieser tritt in der aktiven Variante überwiegend mit sadistischen Tendenzen (Freude an Beherrschung eines Schwächeren, Befriedigung durch Machtausübung) und in der passiven Variante überwiegend mit masochistischen Tendenzen (Freude an Unterwerfung unter einen Stärkeren, Befriedigung durch Gehorsam) in Erscheinung. In gesellschaftlichen Hierarchien fügt sich, so argumentiert Fromm, der autoritäre Charakter kritiklos ein, weil er sich in der Identifikation mit Machtträgern nicht länger mit seiner Nichtigkeit und Ohnmacht konfrontiert sieht, sondern diese Gefühle kompensieren kann. Die autoritäre Gesellschaftsstruktur produziert demnach Bedürfnisse nach Gehorsam, Unterwerfung und Machtausübung und bindet gleichzeitig das Individuum an Autoritäten und hierarchische Strukturen, die diese Bedürfnisse befriedigen.

    Die Bezeichnungen „Sadismus“ und „Masochismus“ verwendet Fromm nicht in Bezug auf sexuelle Praktiken, sondern im Verhältnis zur Autorität. Er begründet dies folgendermaßen:

    Diese Terminologie ist auch dadurch gerechtfertigt, dass der Sado-Masochistische immer durch seine Einstellung zur Autorität gekennzeichnet ist. Er bewundert die Autorität und strebt danach, sich ihr zu unterwerfen; gleichzeitig aber will er selbst Autorität sein und andere sich gefügig machen.“ (1941/1978, S. 163)

    Zudem nenne sich das faschistische System – auf Grund des überragenden Anteils der Autorität an seinem Aufbau – selber ein „autoritäres“. Durch die Bezeichnung autoritärer Charakter wird zugleich auf Faschismustheorien verwiesen. Der Gehorsam gegenüber etablierten Autoritäten und die Intoleranz bzw. Aggression gegen den ideologischen Gegner hängen laut Fromm oft mit anderen Einstellungen zusammen: mit unbedingter Loyalität zur eigenen Bezugsgruppe und deren Führer, mit der Bereitschaft, eine Ideologie unkritisch zu übernehmen, mit Nationalismus und religiösem Fundamentalismus. Die autoritäre Persönlichkeit ist konformistisch: Abweichungen vom „Normalen“ werden abgelehnt, unter Umständen verfolgt, Individualismus und liberale Einstellung oder ein kultureller Pluralismus werden nicht toleriert.

    Fromm als alleiniger Verfasser des sozialpsychologischen Teils der 1936 erschienenen Studien über Autorität und Familie erarbeitete damit Grundlagen für die berühmte, später in den USA entstandene Studie The Authoritarian Personality, die 1950 von Theodor W. Adorno et al. veröffentlicht wurde. Dass er dort nur in zwei Fußnoten erwähnt wird, liegt wohl an dem Zerwürfnis mit Adorno, der bei Max Horkheimer, dem Leiter des Instituts für Sozialforschung, kritische Einwände gegen Fromm vorbrachte und diesen 1939 aus dem Institut hinausgedrängt hatte.[2]
    Die Verbreitung des autoritären Charakters

    Die Fragen nach der Verbreitung und nach der Zu- und Abnahme des autoritären Charakters in der deutschen Bevölkerung im 20. Jahrhundert oder nach Unterschieden zwischen den Bevölkerungen verschiedener Länder verlangen sehr genaue Definitionen und repräsentative Untersuchungen. Da solche Forschungsergebnisse fehlen, müssen die Interpretationen spekulativ bleiben.

    Schon Niccolò Machiavelli in der Discorsi im 16. Jahrhundert und später Immanuel Kant legte 1798 in seiner Anthropologie in pragmatischer Hinsicht von ihm wahrgenommene Unterschiede zwischen dem deutschen Volk und anderen europäischen Völkern dar. Hier stehen viele der heute noch lebendigen Stereotype des nationalen Selbstbildes. So nennt Kant u. a. den „Fleiß“, die „Ehrlichkeit“ und „Häuslichkeit“ der Deutschen, außerdem den vergleichsweise schwächer ausgebildeten „Witz und Künstlergeschmack“ sowie die große Bereitschaft, fremde Sprachen zu lernen. Als unvorteilhafte Seiten hebt er hervor: der Deutsche „fügt sich unter allen zivilisierten Völkern am leichtesten und dauerhaftesten, der Regierung, unter der er ist“ und neigt in pedantischer Weise dazu, „zwischen dem, der herrsche, bis zu dem, der gehorchen soll, eine Leiter anzulegen, woran jede Sprosse mit dem Grad des Ansehens bezeichnet wird, der ihr gebührt“ (Kant 1798/1983, A 311), d. h. vor allem hinsichtlich der Titel. – Damit werden einige Aspekte der autoritären Persönlichkeit vorweggenommen, wie sie erst viel später von Wilhelm Reich und Erich Fromm mit Blick auf den Faschismus bzw. Nationalsozialismus genauer beschrieben wurde.

    Einzelne autoritäre Züge oder ein typisches Muster autoritärer Einstellungen sind unübersehbar: in den Familien, in der Politik und Wirtschaft, in Schulen, Universitäten und Kliniken, in Institutionen wie im Privatleben und in den Religionen. Gerade im Nachkriegs-Deutschland lag die Frage nahe, wie verbreitet diese autoritären Einstellungen waren und wie sie durch eine demokratische Erziehung beeinflusst werden könnten. Die deutschen Psychologen und Soziologen haben diese Fragestellung kaum aufgenommen; auch vom Frankfurter Institut für Sozialforschung wurden weder NSDAP-Mitglieder und Mitläufer noch die inhaftierten Täter untersucht.

    Bekannte literarische Beispiele im Deutschland des 20. Jahrhunderts, in denen dieser Charakter beschrieben wird, sind: Heinrich Manns Der Untertan (1914)[3] und die 1980 in der Bundesrepublik Deutschland veröffentlichte Erzählung Der Vater eines Mörders von Alfred Andersch. Auch die bekannten Experimente in den 1960er Jahren in den USA Milgramexperiment und The Third Wave, worauf der mehrfach verfilmte Roman Die Welle basiert, liefern Anhaltspunkte.
    Neuere Theorien

    Die Theorie des Autoritären Charakters bei Adorno baut auf der Freudschen Theorie (z. B. auf dem Konzept des Narzissmus der kleinen Differenzen)[4] auf, die in einigen Forschungsarbeiten in den 1960er-Jahren in Teilen als veraltet betrachtet worden waren.[5] Teile dieser Theorie, zumeist stärker verbunden mit soziologischen Fragestellungen, wurden hingegen weiterentwickelt.[6]


  • Niedersachsen

    Stoffsammlung: Reicht der Rechtsstaatsgedanke aus, um der Rechtssentwicklung etwas entgegen zu setzen? https://www.spiegel.de/panorama/justiz/giessen-richter-haelt-npd-slogan-teilweise-fuer-realitaet-a-1299078.html


  • Sachsen-Anhalt

    @Steffen-Beck ...was ist " fremdenfeindlich" ...und was vermittelt das Gefühl " verraten und verkauft " zu werden. ....viele haben 3 Nebenjobs, mit " Aufstockung " , um über die Runden zu kommen. ...sehr kleine Renten, schlechte medizinische Versorgung. ...warten auf die selten fahrenden Busse....während andere ins Taxi steigen dürfen. ....Handwerker haben mir erzählt, was sie in Unterkünften wieder herrichten mussten....und wie das Schulgebäude aussieht. ..auch ein Polizist hat sich bei mir ausgesprochen. .....sie fühlen sich " ungerecht " behandelt. .....bin ich fremdenfeindlich..... weil ich dagegen ankämpfe, dass Muslime in Deutschland schächten dürfen? ( Tierschützer hatten Jahrzehnte hart dafür gekämpft )... ich glaube nicht, dass es um die " anderen " Menschen geht. ...es geht wohl mehr um den Umgang mit der Sache. ..


  • Baden-Württemberg

    Schächten oder Schechita (hebräisch שחט šacḥaṭ, deutsch ‚schlachten‘) ist das rituelle Schlachten von im jeweiligen Ritus zugelassenen Schlachttieren, insbesondere im Judentum und im Islam. Die Tiere werden mit einem speziellen Messer mit einem großen Schnitt quer durch die Halsunterseite, in dessen Folge die großen Blutgefäße sowie Luft- und Speiseröhre durchtrennt werden, getötet. Mit dem Schächten soll das möglichst rückstandslose Ausbluten des Tieres gewährleistet werden. Der Verzehr von Blut ist sowohl im Judentum als auch im Islam verboten.

    Das jüdische Schächten erfolgt ohne vorgängige Betäubung des Tieres, da nach jüdischer Auffassung das Tier durch die Betäubung verletzt und das Fleisch dadurch zum Verzehr unbrauchbar wird.

    Ellen - wieso gehen eigentlich Kritiker nicht gegen Juden vor? Auch die Beschneidung von kleinen Jungen gilt als Körperverletzung - alle Bräuche, deretwegen Muslime in der Kritik stehen, sind bei Juden die gleichen. Wieso erwähnt das niemand in der Diskussion?


  • Niedersachsen

    Einige Aspekte zur Rechtsentwicklung. a) international: Durch den Fall des sozialistischen Lagers, fiel die Notwendigkeit weg, die Menschen von den Vorzügen des Kapitalismus zu überzeugen. Dieser wurde per Dekret, eben weil Sieger in der Systemauseinandersetzung, als das bessere System dargestellt. Gleichzeitig begann der Prozess der verstärkten Umverteilung von Unten nach Oben. Arbeitnehmerrechte wurden eingeschränkt, die Gewerkschaften verloren an Bedeutung. Mit der Beschneidung der Rechte kam es zu einem Ausbau des Polizeistaates. Mit zunehmenden sozialen Problemen geht immer eine Entwicklung des Protestpotentials einher. Das betrifft sowohl linke als auch rechte Protestformen. (Man sagt "die Ränder der Gesellschaft" werden größer oder "Der Extremismus nimmt zu.") International haben wir es mit einem Roll-Back-Prozess zu tun, der sich gegen alle noch vorhandenen Enklaven sozialistischer und antikolonialer Ausrichtung wendet. Also auch in der internationalen Politik ist ein Rechtsruck zu verzeichnen.
    b) national: Neben dem Obengenannten hat die Bundesrepublik eine ungebrochene Tradition der rechten Bewegungen, die sich daraus erklärt, dass nach 1945 die Ursachen des Faschismus eben nicht konsequent beseitigt wurden. Zu nennen sind wirtschaftliche Ursachen, aber auch eine gewisse staatliche Kontinuität. Das hatte zur Folge, dass mit rechten Bewegungen nicht konsequent umgegangen wurde (Blindheit auf dem rechten Auge). Dies zieht sich bis in neueste Zeit durch (NSU-Prozess, AFD-Sympatisanten im Verfassungsschutz, rechte Strömungen in Polizei und Militär)


  • Baden-Württemberg

    Verbunden damit ist auch eine mentale Manipulation durch die Medien. Zur Zeit tickt Freiburg in der Kommentarspalte mal wieder aus, weil paar SUVs mit "CO2" besprüht wurden. Man sieht die RAF wieder auferstehen. Es gibt eine gesettelte Mehrheit, die bei "links" sofort das Riechfläschchen zückt, bei "rechts" abwiegelt und nicht erknnen will, dass die rechte Gewalt in der BRD mehr Opfer bis heute gefordert hat als die linke.

    Immer wieder interessant im Vergleich zu heute der "Göttinger Mescalero". 1977 wurde Buback von der RAF ermordet und in einem Göttinger Studentenblatt äußerte sich ein anonymer Mescalero mit "klammheimlicher Freude". Obwohl er gleichzeitig diese Art politischer Gewalt ablehnte, begann sofort ein Kesseltreiben. Das ist besonders interessant, wenn man sieht, was heute an Hassmails ruhig kursiert. Die rechte Bewegung - obwohl von kritischen Journalisten immer wieder recherchiert - wurde in Ruhe gelassen. Als die Wehrsportgruppe Hofmann verboten wurde, war jedem klar, dass die sich im Untergrund vermehren werden - aber es tat sich wenig. Heute sind sie alle da.

    "Mit dem Göttinger AStA und anderen, die den Artikel nachdruckten, gab es insgesamt mehr als 140 Beschuldigte. Die Verfahren, zuletzt gegen 13 niedersächsische Hochschullehrer und 35 Kollegen aus dem übrigen Bundesgebiet, die eine Dokumentation Buback – ein Nachruf veröffentlicht hatten, endeten zumeist mit Freisprüchen oder kleineren Geldstrafen. In Augsburg wurde ein 29-jähriger für die Verteilung des „Nachrufs“ zu sechs Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt.[3] Der Hochschulprofessor Peter Brückner wurde u. a. wegen seiner Mitherausgeberschaft im Oktober 1977 vom Dienst suspendiert; die Suspendierung wurde nach vierjähriger gerichtlicher Überprüfung im Oktober 1981 aufgehoben.

    In der Folge wurde von einer Reihe deutscher Professoren, anderen Universitätsmitgliedern und Rechtsanwälten eine zweite, um eine Vorrede erweiterte Fassung des originalen Pamphlets veröffentlicht. Die 48 Herausgeber, darunter 17 Personen aus Bremen, 14 aus Berlin und 10 aus Oldenburg, kritisierten die Reaktion von Staat und Gesellschaft und forderten „eine öffentliche Diskussion des gesamten Artikels“:

    „Dieser Nachruf hat heftige Reaktionen ausgelöst: seine Verbreitung wird von Justiz und Polizeiorganen sowie von Hochschulleitungen verfolgt; in den Massenmedien, auch in den bürgerlich-liberalen Zeitungen, wird dieser Nachruf als Ausgeburt ‚kranker Gehirne‘ und als Musterbeispiel für ‚blanken Faschismus‘ (Frankfurter Rundschau) deklariert. Der vollständige Text wird nirgends veröffentlicht; im Gegenteil, die zentrale Intention des Artikels – seine Absage an Gewaltanwendung – wird unterschlagen.“

    Ähnlich reagierten auch Studenten: An verschiedenen Universitäten veröffentlichten Studentenzeitungen Kopien des Pamphlets. Sie hatten sich daraufhin mitunter mit Geldstrafen oder Problemen mit der Universitätsleitung auseinanderzusetzen[4][5]. "

    https://de.wikipedia.org/wiki/Göttinger_Mescalero


  • Niedersachsen

    @Lotte Im Thread Aufklärung gehst Du auf die AfD ein. Wenn man sich anschaut, wo die Wähler herkommen, bleiben viele Fragen. Dass da diejenigen sind, denen die CDU nicht rechts genug ist, kann klarer nicht sein. Auch die früheren Nichtwähler wären für mich erklärbar. Solche Parteien, wie NPD waren für viele früher trotz Sympatien oft nicht wählbar. Nun haben aber die Wölfe einen bürgerlichen Schafspelz umgelegt und sind so offenbar wählbarer. Hier kommt aber auch ein psychologisches Moment zum Tragen. In der Masse fühlt man sich sicher. Je gößer die AfD desto mehr Anziehungskraft wird sie allein deshalb haben. Was ich nicht verstehen kann, ist die Tatsache, dass auch Linke- Wähler AfD wählen können, aber auch die hat es gegeben. An der Stelle sind noch wesentliche Fragen unklar. Und da ist das Problem Ostdeutschland. Für mich ist es nicht die DDR-Vergangenheit, aber die Brüche werden es sein, sicher auch Verrohung durch die Lebensumstände. Biertisch-Wissen der Arbeiter und Bild-Lehrgang hat sicher einiges bewirkt. Dauerhafter Kulturmangel wäre eine Option. Sicher eine gefühlte Konkurrenz durch die Einwanderer, solche Begiffe wie "Verwässerung der Werte" haben am Stammtisch Zugkraft. Empfänglichkeit für einfache Erklärungen. Auch eine Folge permanenter Werbeberieselung. Anspruchslosigkeit an geistigen Austausch.


  • Sachsen-Anhalt

    @Lotte ...zum Thema schächten. ..und Juden. ..ich weiß worauf du hinaus willst. ..ich habe die Muslime spontan als Beispiel genommen. ..ich selbst habe kein Problem damit, auch die Juden in diesem Zusammenhang zu nennen. ..weil mir egal ist, in welche " Ecke" man mich dafür stellt....


  • Baden-Württemberg

    Steffen, ich würde gern tiefer in das Problem gehen, muss mich da aber erst informieren. Ich erwähnte schon die Sekundärtugenden der autoritären Persönlichkeit, die verschwinden ja nicht und wurden auch in der DDR weitergetragen. Sachsen z.B. las ich einen Artikel, hätte anders als andere deutsche Länder eine eigene spezifische historisch lange rechte Tendenz.

    Linke Wähler zur AfD getrifftet, kenne ich eine relativ große Gruppe. Anders als Wllli das provokativ als "privat" bezeichnet hat, kam ich erstens professionell als Grundschullehrerin, die alle Eltern hat und als Bewohnerin in Kontakt. In der Quartiersarbeit haben wir als DKP als einzige Gruppe durch ein paar Sozialarbeiter guten Kontakt zu Sinti entwickelt. Eine in den 70ern noch in dürftigen Baracken lebende, isolierte und hochaggressiv nach außen agierende Gruppe. Durch unsere Arbeit erwarben wir uns Akzeptanz und Sympathie - wir wurden gewählt nach dem Motto "die setzen sich für uns ein". Dasselbe bei a nderen sozial Abgehängten - da war die Mieterbewegung ein Schwerpunkt. Nun hat sich über die Jahrzehnte zwar viel bewegt, aber nichts in den entscheidenden Dingen. Über die Hälfte dieser Linken-Wähler sind nach 20 Jahren zur AfD, wegen ihrer aggressiven Propaganda gegen oben. Große Verluste dort der Linken Liste. Im Hochhausviertel, sozialer Brennpunkt.

    Ein anderes Beispiel ist das Dorf, wo ich unterrichtet habe. Immer waren dort wohlhabende Bürger, Handwerker oft, ein eingeschworender Haufen. CDU und Freie Wähler. Sie sträubten sich gegen ein Wohngebiet mit Sozialwohnungen, sie machten mobil gegen neue Reihenhäuser und ihr Kampfbegriff war : Neubürger und Altbürger. Alles Deutsche. Null MIgration. Ihr Vorwurf: Neubürger sind modern, gehen nicht in die traditionellen Vereine. Diese Gruppe wählte auch 15 Jahre später geschlossen AfD - ein riesiger Schock der Gemeinde mit grünem Ortsvorsteher. Es waren keine Abgehängten darunter.
    Das waren in Freiburg die einschneidensten 3 Wahlbezirke, die weit über 20 % AfD erzielten.

    Ich widerspreche Willi. Wen will man denn noch alles "Links" liegen lassen? Das sind unsere Kollegen und unsere Nachbarn, Dezentralisierung trifft genau auf die. Auch auf die. Die Mehrheit in BaWü zusammen mit CDU und Freien Wählergemeinschaften. Es führt höchstens zu der Frage, ob wir historisch überhaupt was ausrichten können oder pausieren müssten in diesen entscheidenden Gebieten. Außer Frieden und Abrüstung.


  • Niedersachsen

    @Lotte , weil Du die Sinti erwähnst, könnte es nicht auch sein, dass Gruppen von Spätaussiedlern aus Russland AfD- affin sind, immerhin stellen sich russische Medien nicht gegen die AfD. Allerdings habe ich da keine Nachweise. Auch türkischstämmige Bevölkerungsteile sind sicher denkbar. Bei deutschen Linken kann ich mir das einfach nicht vorstellen.


  • Baden-Württemberg

    Es ging ja um das Wechseln von Links-Wählern, ist ja nicht identisch mit Linken. Und ich habe meine gesicherten Erfahrungen beschrieben.

    Wir haben in Lahr eine große Ansammlung von Spätaussiedlern, etwa 12 000 - dort ist der AfD-Anteil sehr hoch. Gemeinsam ist vielen dieser AfD-Wählern, dass sie Strauß und Adenauer und die 50er Jahre idolisieren mit völlig falschen Vorstellungen. Es ist aber die Sehnsucht nach Ruhe, Ordnung, weniger Menschen, mehr Natur und Rückbau der Gesellschaft. Allerdings alles ganz unkonkret.

    "Etwa jeder vierte Lahrer hat russlanddeutsche Wurzeln. Doch die exakte Zahl der Spätaussiedler, die kamen und heute hier leben, lässt sich nicht ermitteln. Foto: Braun

    In Lahr leben viele Menschen mit deutschen Wurzeln, die aus der früheren Sowjetunion übergesiedelt sind. Doch wie viele genau hierher kamen und noch heute hier wohnen, bleibt wohl für immer unklar.

    Reinhard Krämer, der Abteilungsleiter Bürgerservice im Lahrer Rathaus und verantwortlich für das Standesamt, sagt unumwunden: "Die genaue Zahl an Spätaussiedlern, die nach Lahr kamen und heute noch hier leben, können wir nicht ermitteln." Das habe einen ganz einfachen Grund: Die Bürger aus den Sowjetstaaten, die in den 90er-Jahren nach Lahr gekommen sind, haben einen deutschen Pass, sind regulär als Deutsche gemeldet. Eine gesonderte Erfassung dieses Personenkreises gebe es nicht.

    Allein schon die Abgrenzung sei schwierig. Wer ist denn eigentlich Aussiedler oder Spätaussiedler? Nicht wenige Russlanddeutsche sind mit Ehepartnern übergesiedelt, die keinen russlanddeutschen Hintergrund hatten, sondern Russen waren. Diese gründeten hier in Lahr dann Familien, bekamen Kinder. Wird nun formal die ganze Familie zu den Deutschen aus Russland gezählt? Und wie sieht es mit Aussiedlern aus, die einheimische Lahrer heirateten und Familien gründeten? Sind das dann noch alles Russlanddeutsche? Viele Fragen, kaum Antworten."
    https://www.lahrer-zeitung.de/inhalt.lahr-genaue-zahl-der-spaetaussiedler-bleibt-unklar.fdb26b05-1351-4d89-b5f6-12b49b398350.html

    Die sozialen Forderungen samt Familienvorstellungen sind natürlich mit allen patriarchalen System kompatibel. Ich habe schon vor 20 Jahren an meinen Brennpunktschulen mit Entsetzen gemerkt, dass wenn die deutschen Rechten endlich mal ihre Ausländerfeindlichkeit aufgeben würden, hier eine krasse Mehrheit von Rechten entstehen würde. Ab da habe ich mit Quartiersprojekte entwickelt.

    20 000 Graue Wölfe in Deutschland - rechts von der AKP

    sehenswert

    http://webstory.zdf.de/graue-woelfe/


  • Niedersachsen

    Die Frage besteht darin, was die Parteien gemacht haben, dass die AfD zur Blüte kommen konnte. Wo liegen vor allem die Defizite der "linken" Parteien. Sind diese Defizite korrigierbar? Wie müssen sich dazu die linken Parteien verändern?


  • Baden-Württemberg

    Habe ich doch gesagt: die Linken haben sich auf die materielle Interessensvertretung konzentriert. Mehr Geld, bessere Wohnungen, niedrige Miete, mehr Mitbestimmung. Die Vision wurde nicht thematisiert, die Solidarität nicht samt Diskriminierung von Minderheiten. Gleichzeitig hat man sich benutzen lassen in einem Stellvertretersyndrom, ohne konsequent auf Selbstermächtigung aller zu achten. Man wollte das natürlich, aber man hat sich in den Sog ziehen lassen, für andere etwas zu tun. Sozialhelfersyndrom. So was rächt sich bitter - bist du nicht gut genug, lässt man dich fallen.

    Und das sind nicht nur Parteien sondern Bürgervereine, Caritas etc. Diversität und Transkulturalität kamen erst sehr spät als Inhalte. Das, was Sahra Wagenknecht genau falsch gemacht hat mit ihren Bemerkungen zu Grenzen. Wir sollten nochmals diskutieren, was links ist und diese unguten Querfrontebenen verlassen. EIndeutiger werden. "Solidarität das ist die Zärtlichkeit der Völker", sagte Che Guevara.

    Aber ich glaube, es ist ein Zeitgeist, eine Befindlichkeit im sozialen und psychischen Bereich, die nicht genügend aufgearbeitet ist und hochkommt, als Spiegel des Politischen im Menschlichen.


  • Niedersachsen

    @Lotte Danke für die Klarstellung. Fehlende Solidarität, kann ich auch so sehen. ""Solidarität das ist die Zärtlichkeit der Völker", sagte Che Guevara." - schöne Erinnerung. Der Begriff hat aber nicht nur eine emotionale Ebene sondern auch eine sehr materielle. Solidarität ist praktisch gelebte Gleichheit, ist d i e Waffe gegen den Neoliberalismus, denn sie enthält die nötige Transparenz. Wenn ich ein solidarisches Verhältnis herstelle, geht das nur über Ehrlichkeit. Wenn irgendwann alle Menschen solidarisch sind, ist der Neoliberalismus einfach nicht mehr da. Das gilt auch in Teilgesellschaften. Z.b. Aufstehen könnte eine neoliberalismusfreie Zone werden, die dann weitergreift in die Gesellschaft. Weil Solidarität so gut tut, kann es eine Suchtdroge werden, die die Gesellschaft machtvoll verändert.


  • Baden-Württemberg

    Fast christlich... 🙂 🙂 🙂



  • "In Europa und in der ganzen Welt findet eine erschreckende Entwicklung nach Rechts statt."

    Ich weiss nicht, wo du lebst, @Steffen-Beck, aber in West/Mittel-Europa wohl nicht. Wenn der Rand bereits erreicht ist, kann es kein Weiter-Rechts geben. Zumindest bis zum Anfang 2011, als ich noch in Deutschland lebte, war es so.

    Gabe es eine Links-Entwicklung? In meinen augen Nein. Es gab eine Empoerungsentwicklung, ja. Eine verstaerkung auf das Private, Ja. Eine optimierung der Anpassungsprozesse, Ja. Einen rueckzug ins religioese, Ja.

    Du laesst dich viel zu sehr von den Aeusserlichkeiten blenden.


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