Die Würde des Einzelnen ist die Würde der Gesellschaft!


  • MOD

    Hallo zusammen,

    Der Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte lautet:
    "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen."

    In Artikel 1 des Grundgesetzes steht u. a.: "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt."

    Daraus folgt u. a. Artikel 20, Absatz 1: "Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat."

    Der UN-Sozialausschuss hat Deutschland bereits mehrfach für die unwürdigen sozialen Bedingungen eine Rüge erteilt:
    http://grundundmenschenrechtsblog.de/armutsunrecht-un-sozialausschuss-ruegt-deutschland-fuer-die-ungenuegende-umsetzung-sozialer-rechte/

    Zur Würde des Menschen und damit zu einer würdevollen Gesellschaft gehört die Sicherstellung des soziokulturellen Existenzminimums. Es ist von "unserem Sozialstaat" also nicht nur das "nackte Überleben" sicherzustellen. Es geht darüberhinaus um die Teilhabe aller in allen Lebensbereichen wie Bildung, Kultur, Gemeinschaft, Sport etc..

    Oder anders gesagt: wie kann eine Gesellschaft in Würde leben, wenn es dies den Ärmsten, Alten, Geflüchteten, Kindern, also einfach allen, ein würdevolles Leben nicht ermöglicht.

    Neben schnellen pragmatischen Lösungen wie die Öffnung von Räumlichkeiten (z. B. Musikclubs in Berlin) für Obdachlose, Bereitstellung von Wohncontainern sind mittelfristige Lösungen gefragt. Dazu kann auch das Bedingungslose Grundeinkommen zählen.

    All das und noch viel mehr ist auch das Interview von Thorsten mit Pete und Manfred, die gegen die Obdachlosigkeit mit unterschiedlichen Ansätzen kämpfen. Lasst uns auch diesen Kampf unterstützen!

    Hier ist der link zum Video: https://youtu.be/2l_Z_2Tph7k



  • Und, macht nun auch wer mit, oder ist das nun wieder nur ein reiner Austausch ?


  • Oder-Neiße-Friedensgrenze

    @Thorsten_HL sagte in Die Würde des Einzelnen ist die Würde der Gesellschaft!:

    Es ist von unserem Sozialstaat

    Stell Dir bitte die Frage, ob DAS Dein Staat ist? Kann es also UNSER Sozialstaat sein?

    Der Artikel 1 ist so schwammig, dass selbst ein Aal dagegen eine Schruppfeile sein könnte - und so ist es mit fast allen Artikeln dieses Grundgesetzes. Trotzdem hat die KPD nach ihrer Ablehnung - weil z.B. das Recht auf Arbeit und andere grundsätzlichen Dinge nicht geregelt waren, darauf verwiesen, dass es mit Sicherheit die Kommunisten sein werden, die dieses Grundgesetz gegen die Reaktion verteidigen werden ( nicht wörtlich zitiert Max Reimann).
    Betrachte Dir die vielen Änderungen - Notstandsgesetze, Überwachungsgesetze, etc - mit denen dieses Grundgesetz mittlerweile verschlimmbessert wurde.


  • Baden-Württemberg

    Nein.
    Ich verweigere mich dieser Art der Fragestellung, habe ich beschlossen. Die Würde des Menschen ist eine globale.

    Alle Jahre wieder der Notstandsbericht: Uno rechnet mit 168 Millionen Hilfsbedürftigen

    "Denguefieber, Kriege, Klimaschock: Zahlreiche humanitäre Krisen werden sich im kommenden Jahr verschärfen, warnt die Uno. Die Zahl der Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, steige um gut ein Viertel.

    Der Klimawandel sorgt weltweit dafür, dass sich ohnehin bestehende Krisen durch Extremwetterereignisse verschlimmern. Aktuell sichtbar machen das die gleichzeitige Rekorddürre im südlichen Afrika (nach Überflutungen durch Zyklon Idai vor wenigen Monaten), und die ebenso katastrophalen Überschwemmungen in Ostafrika.

    Durch Missachtung des Völkerrechts wurde zuletzt in bewaffneten Konflikten eine Rekordzahl von Kindern vertrieben, versehrt und getötet. Die Uno warnt vor einer "verlorenen Generation".

    In 41 Kriegen weltweit sorgt extreme Gewalt und der Einsatz schwerer Waffen für eine große Zahl von Todesopfern. 90 Prozent der Menschen, die in Kriegen bei Explosionen getötet wurden, waren Zivilisten.

    Helfer werden vermehrt zu Zielscheiben: Allein im ersten Dreivierteljahr 2019 verzeichnet der Uno-Bericht 791 Angriffe auf humanitäre Helfer, 171 starben. Das waren schon zu diesem frühen Zeitpunkt weitaus mehr als im Vorjahr."

    https://www.spiegel.de/politik/ausland/uno-global-humanitarian-overview-2020-krisen-werden-sich-verschlimmern-a-1298320.html

    Ich lehne eine nationalistische egozentrische Opferdiskussion ab. Die "Bedürftigkeitstabelle" gibt Auskunft über die "Großzügigkeit" von Spendern. Auch das gehört zur Gnade im Sinn von Pestalozzi.
    1972 wurden Biowaffen weltweit verboten - aber durch die extreme Weltlage sind Seuchen wie Pest, Cholera, Denguefieber, Ebola auf dem Vormarsch. Bakterien kennen keine Grenzen. Nicht umsonst ist die Angst der Professionellen vor Pandemien größer als vor Krieg. Wikipedia: "Einige pathogene Bakterien zählen zu den bekanntesten B-Kampfstoffen. Beispiele sind der Milzbrand (Anthrax) verursachende Bacillus anthracis, sowie Yersinia pestis (Erreger der Pest), Vibrio cholerae (Erreger der Cholera), Coxiella burnetii (Erreger des Q-Fiebers) oder Francisella tularensis (Erreger der Tularämie). Die B-Kampfstoffe sind umso effektiver, je weniger wirksame Antibiotika dem Feind zur Verfügung stehen." Haben wir nicht gerade das Problem, dass Antibiotika nicht mehr wirken? Da kommt eins zum andern.

    Die Katastrophe rückt uns immer mehr auf den Pelz - unser Inselchen wird bedroht. Hier haben wir noch mehr Würde als 3/4 auf der Welt. Ich weiß den genialen Ausweg noch nicht - raus aus der Monogamie ist schon mal ein wichtiger Schritt, Pete, aber kein entscheidender. 🙂

    Was muss David gegen Goliath machen? Von der Moral weg zum Geld? Zum Profit`? Kriege bringen unss offensichtlich keinen Profit sondern staatliche Unsummen an Reparaturkosten. Und gesundheitliche Gefahren. Da sollte der Egoismus ansetzen. Alles auf eine Karte setzen und die Weltherrschaft drehen. Klotzen statt kleckern.
    Ist ja schließlich Weihnachten. Die Würde der Welt ist die Würde jedes Einzelnen.


  • MOD

    @Günther-Wassen Hallo Günther, ich habe mir die Frage gestellt und wollte zunächst unser in Anführungszeichen setzen. Dann hätte ich auch Sozialstaat in Anführungszeichen setzen müssen und bin dann im Sinne der besseren Lesbarkeit mit mir übereingekommen, "unseren Sozialstaat" in Anführungszeichen zu setzen. Ich stimme mit Dir überein, dass das Grundgesetz ausgehöhlt wurde und immer wieder wir und der Begriff Würde unbestimmt ist. Dennoch bin ich Mitglied bei unsere-verfassung.de, nachdem ich den dort vertretenen Weg für gangbar halte und die Hoffnung habe, dass das Volk über Direkte Demokratie das Grundgesetz, bzw. die Verfassung dann verbessern kann...


  • Oder-Neiße-Friedensgrenze

    @Lotte sagte in Die Würde des Einzelnen ist die Würde der Gesellschaft!:

    Würde

    Würdest Du al den Versuch unternehmen, das Wort "Würde" zu definieren. Das Grundgestz betreffend finde ich diese Textpassage schwammig und nichts aussagend. darunter kann man sich Alles und Nichts vorstellen


  • Oder-Neiße-Friedensgrenze

    @Thorsten_HL sagte in Die Würde des Einzelnen ist die Würde der Gesellschaft!:

    Dennoch bin ich Mitglied bei unsere-verfassung.de,

    Das finde ich sehr gut. Wir brauchen eventuell früher als wir denken, eine neue Verfassung.

    Bei einer Konferenz in Varna - wir die VKP waren Einladende, hatten das so organisiert, um andere deutsche Kommunisten an einen Tisch zu bekommen, dort war auch eine Kommunistin aus München. Sie wies darauf hin, dass beim nächsten "Bankenskandal", also beim Platzen der nächsten faulen Kredite, die Staaten der westlichen Welt kaum noch in der Lage sind die Banken in ähnlicher Art zu retten. Das kann schnell zu bürgerkriegsähnlichen Situatuatonen und zur Unfähigkeit des bürgerlichen Staates führen.

    Sind dann Kommunistische Kräfte in der Lage dazu eine klare Position zu ziehen und lenkend einzugreifen. Gibt es andere demokratische Kräfte die dazu in der Lage wären? Kann es sein, dass dann NUR die Faschisten die Macht übernehmen? Soll das das Ziel unserer Arbeit sein?


  • MOD

    @Günther-Wassen Hallo Günther,
    Du forderst mich aber;-) Mir ist bewusst, dass der Begriff Würde sehr schwer zu definieren ist. Zumindest hatte ich wenigstens beim Einstieg in dieses Thema versucht zu beschreiben, was sich aus der Würde ergibt: die Sicherung des soziokulturellen Existenzminimums (für alle).
    Zunächst meine ich die Würde den Menschen, also die Menschenwürde. Auf Wikipedia wird Kant in folgender Weise wiedergegeben:
    "Das Grundprinzip der Menschenwürde besteht für ihn in der

    • Achtung vor dem Anderen,
    • der Anerkenntnis seines Rechts zu existieren und
    • in der Anerkenntnis einer prinzipiellen Gleichwertigkeit aller Menschen."
      Dem möchte ich folgen, zumal sich für mich aus dem "Recht zu existieren" die Sicherung des soziokulturellen Existenzminimums ergibt. Aus der "Achtung vor dem Anderen" und der "Anerkenntnis einer prinzipiellen Gleichwertigkeit aller Menschen" ergibt sich in der Summe Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit (Solidarität).

    VG von Thorsten


  • MOD

    @Günther-Wassen

    unsere-verfassung.de wird des öfteren kritisiert, da aus dem Grundgesetz plus dem Element der direkten Demokratie eine Verfassung gemacht wird, die (noch) nicht die Qualität einer "neuen" Verfassung hat. Dennoch befürworte ich diese Vorgehen, nachdem jede Verfassungsänderung nur noch durch das Volk abgestimmt werden kann.
    Ein radikaler Ansatz verfolgt die initiative146.de, die ich ebenfalls schon kennenlernen durfte. Dort wird an einer gänzlich neuen Verfassung gearbeitet.
    Was Du zum nächsten Bankenskandal (Finanzcrash?) sagst, ist interessant. Auch Island war 2008 stark betroffen. Die Isländer hatten sich in der Folge eine neue Verfassung gegeben. Doch die Machthabenden haben den Prozess und sein Ergebnis nicht anerkannt. https://verfassungsblog.de/islands-verfassungsexperiment-ist-so-gut-wie-gescheitert/
    VG von Thorsten


  • Oder-Neiße-Friedensgrenze

    @Thorsten_HL sagte in Die Würde des Einzelnen ist die Würde der Gesellschaft!:

    Dem möchte ich folgen, zumal sich für mich aus dem "Recht zu existieren" die Sicherung des soziokulturellen Existenzminimums ergibt. Aus der "Achtung vor dem Anderen" und der "Anerkenntnis einer prinzipiellen Gleichwertigkeit aller Menschen" ergibt sich in der Summe Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit (Solidarität).

    Da wird die Würde schon maximal gebrochen, wenn man sich vor den TV setzt und dort "Nachrichten" verbreitet werden, die absolut würdelos sind, weil man feststellen muß, dass mit derart dicken Lügen gearbeitet wird, dass die Lügner nur davon ausgehen KÖNNEN dass die Gegenseite an Hirnlosigkeit leidet. Diese Lügen in der Art sind einfach beleidigend, erniedrigend.
    Wenn in diesem Land Achtung vor dem Anderen existent wäre dürfte die Bundesregierung und der Bundestag KEINE Soldaten ins Ausland senden, weil mehr als 70% der Bürger das ablehnen... usw.


  • Baden-Württemberg

    @Günther-Wassen

    Da gibt es so viele Anteile, dass der Begriff wirklich schwierig ist.

    Ich assoziiere mal. Seit ein paar Tagen wüten in meiner regionalen Presse leidenschaftliche Diskurse um einen Kommentar der Zeitung, dass der Hype um die verbrannten Menschenaffen eines Affenhauses, verursacht durch Sylvesterlaternen doch ein wenig über die Stränge schlage. Kondolenzbuch liegt aus, Pfarrer sind da, Trauerbegleitung, Blumen-und Kerzenmeer. Dagegen die Gleichgültigkeit bei Massentierschlachtungen und Flüchtingstode. Die Frage nach der Würde von Mensch und Tier, von Empathie.

    Man kann viel anführen, ich greife für mich die Funktionalisierung von Menschen im Namen des Profits heraus. Auch da g ibt es viele Punkte - Leben im Dreck, im Krieg, Entzug von sauberem Wasser, etc.
    Ganz persönlich betroffen haben mich aber Talkshows, wo Menschen überraschend mit Informationen konfrontiert wurden: Dein Sohn ist nicht dein Sohn, deine beste Freundin ist meine Geliebte etc.
    Das waren tägliche Talkshows, wo Beleidigung, Demütigung, Pranger und Hilflosigkeit von einem johlenden Publikum goutiert wurden. Dafür gab es immer genügend Menschen - als Mitmacher, Zuschauer und Moderatoren.
    Die Fortführung der Gaukler des Mittelalters, wo Monstrositäten zum Vergnügen anderer ausgestellt wurden, weitergeführt bei begeisterten Zuschauern bei Auspeitschungen oder Hinrichtungen oder dem Sadismus der schwarzen Pädagogik - der Mensch als Objekt von neurotischer Befriedigung im Kontext von Profitmaximierung.
    Diese psychische Verelendung ist für mich eine Körperverletzung und ein Verstoß gegen die Würde des Menschen, aber kultureller Bestandteil des Imperialismus.
    Wenn Selbstbestimmung das Ziel wäre, wäre der Verstoß gegen die eigene Würde und die anderer in solchen Fällen damit kein Verstoß mehr. Es gibt Volksentscheide, die vollständig gegen die Würde des Menschen gehen, materiell wie seelisch.
    Da fängt es an, schwierig zu werden. Sehe, das Thema ist ja Sozialstaat. Dann habe ich hier nichts zu suchen. 🙂


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