Michael Hudson: Amerika eskaliert seinen „demokratischen“ Erdöl-Krieg im Nahen Osten



  • Amerika eskaliert seinen „demokratischen“ Erdöl-Krieg im Nahen Osten
    https://www.theblogcat.de/uebersetzungen/amerika-eskaliert-05-01-2020/

    daran anschliessend:
    Der Saker interviewt Michael Hudson
    09.01.2020

    Liebe freunde,

    Friedrich (Fritz the Cat) hat hier beide texte vom blog "The Saker' (der Falke) uebersetzt.

    Michael Hudson ist wohl eine der wichtigsten kritischen Oekonomen in der USA. Und so liegt es nahe, dass er viel mit Paul Craig Roberts kooperiert. Aber auch er macht in seinem Interview am Ende einen grossen fehler:

    "Ein einzelnes Land kann der unipolaren Weltordnung der USA nichts entgegensetzen."

    Das erinnert mich natuerlich direkt an Hans Christoph @HCGUTH und seine Kritik am Aufstehen Gruendungsaufruf, weil dort enthalten ist, dass die Moeglichkeiten regionaler Selbstorganisation nicht ausgeschoepft werden.

    Die Kette, die hier wirkt, ist das private Geld- und Finanzsystem. Das gilt auch fuer die EZB (Europaeische Zentral Bank), die ja letztlich nur ein Anhaengsel der FED (Federal Reserve) ist. Wenn zur Grundlage der Politik die Erhaltung der Investitionen in der USA durch selbsternannte Manager der deutschen Industriekonzerne erklaert wird, dann ist die Kettenwirkung vorgegeben. Warum sollten sich die Menschen in der Region Deutschland Gedanken machen, wie diese Dollar-Instanzen erhalten bleiben?

    Es gibt eigentlich nur eine Vorraussetzung, wenn wir in einem Geldsystem leben wollen: Die Selbstbestimmung des Geldsystems. Oder, wie Paul Schreyer und Franz Hoermann es formulierten: Eine demokratische Gesellschaft braucht ein demokratisch bestimmtes Geldsystem. Ernst Wolff formuliert es ja aehnlich. Und im Makroskop greift es auch langsam um sich.

    Hier brauchen wir eine andere Definition des Geldes. Bisher, fuer uns, gilt: Wir bekommen Geld fuer etwas. Merkwuerdiger Weise gilt das nicht fuer die Geschaeftsbanken, weil sie Geldmengen beliebig schaffen koennen, ohne etwas dafuer zu geben. Also, irgendwas stimmt da nicht.

    Drehen wir es um. Alles, was Werte schafft, bekommt Geld, wenn es gebraucht wird. Die Gemeinschaft bestimmt, was von Wert ist. Damit erhalten all jene das fuer ihr Tun vielleicht notwendige Geld, um reale Werte entstehen zu lassen. Wenn wir nichts tun mussen, weil wir alles schon haben, hat es sich schon von selbst erledigt.

    In der MMT (Modern Money Theorie) wie auch bei Silvio Gesell oder Georg Friedrich Knapp wird das nun umlaufende Geld per Steuern dem Umlauf entzogen und vernichtet. Es hat seine Funktion erfuellt.

    Gut, Silvio Gesell hat dann das angewendet, was schon im 12. Jahrhundert galt. Das Geld verliert jaehrlich seinen Tauschwert um bis zu 20%. Das geht ja auch und verlagert die Problemloesung in das Geld selbst. Aber damit reduziert sich der Moeglichkeitsraum erheblich.

    Fuer Michael Hudson ist das alles Gespensterei. Er schlaegt deshalb regelmaessige Schuldvernichtung vor, wie es die Sumerer in Mesopotanien schon vor 5000 Jahren machten. Nur, es trifft den Kern nicht: die private Wertakkumulation.

    mit lieben gruessen, willi
    Asuncion, Paraguay


  • Baden-Württemberg

    @willi-uebelherr

    ... und hinsichtlich der privaten Wertakkumulation gibt es durchaus Lösungsmöglichkeiten. Eine, die m.M.n. die Anreize der Marktwirtschaft nicht aushebelt aber dennoch von einem Großteil der durch private Wertakkumulation hervorgerufenen Probleme lösen kann wäre folgende:

    • die Berechnung der Grenze von Vermögenswerten, welche in Geldwerte umwandelt werden können, ab der das Vermögen prinzipiell sich selber vermehren kann. Gemeint ist der Betrag, ab dem die durch legale Anlagemöglichkeiten erzielbaren Gewinne die „normale“ Lebenshaltungskosten übersteigen und somit Überschüsse erzielbar machen.
    • diese, jeweils zum Zeitpunkt der Vererbung zu ermittelnde Grenze als Schranke einzurichten, die die Übertragung der Vermögenswerte an die nächste beschränkt.
      Diese Schranke wäre nicht so klein, wie man es gemeinhin denkt. Der gemeine im abhängigen Beschäftigungsverhältnis stehende Subjekt wäre von den Kürzungen genau so wenig betroffen, wie die (allermeisten) handwerklichen Betriebe und ein großer Teil der Mittelständler (im Übrigen, ein sehr schwammiger Begriff).
      Diese Regelung führt zur signifikanten Erhöhung der Chancengleichheit, hinsichtlich der aus dem Materiellen herrührenden, ohne den eh schwer zu fassenden Begriff der Gerechtigkeit (im Sinne der Einkommensverhältnisse) ins Feld zu ziehen.
      Nebenbei bemerkt, sollte das Subjekt einen Lebensstill führen wollen, der den aus dem Erbe erzielbaren übersteigt, so stehen demjenigen alle Wege der Bildung und wirtschaftlichen Handels genau so offen, wie die des Nutzens der Früchte des Handelns. Bei der nächsten Generation greift wiederum das oben dargestellte.

    Mindestens zwei Herausforderungen stehen dabei allerdings an:

    1. Die genannte Grenze muss "korrekt/belastbar" ermittelt werden. Wer und wie bemisst diese? Welche Kriterien sind bei der Ermittlung zu berücksichtigen.
    2. Wie lässt sich unterbinden, dass die Vermögenswerte noch zu Lebzeiten des Vererbers an die potenziellen Erben, widrig im Sinne der oberen Punkte, weitergeleitet werden.

    Natürlich sind da auch sonst Aspekte, die es zu berücksichtigen gälte, zahlreich sogar. Nun es geht um das Prinzip und um die Abwägung der Chancen und Risiken im Zusammenhang mit der Umsetzung der Regelung.

    Eigentlich sollte das Thema in einem anderen Forum-Platz diskutiert werden. Aber dann müsste auch der obere Beitrag mit umgezogen werden.



  • ".. die Anreize der Marktwirtschaft nicht aushebelt aber dennoch von einem Großteil der durch private Wertakkumulation hervorgerufenen Probleme lösen kann.

    • die Berechnung der Grenze von Vermögenswerten, welche in Geldwerte umwandelt werden können".

    Lieber @GWFram, genau da beginnt sofort mein Einspruch.

    1. Marktwirtschaft gibt es nicht. Markt ist historisch ein Austauschplatz der Produzenten. Was heute damit getan wird oder wie es beschrieben wird, ist etwas ganz anderes.
    2. Geld hat keinen Wert und ist damit auch nicht wertmaessig tauschbar. Seine Austauschfunktion wird kuenstlich ueber private Eigentumsverhaeltnisse geschaffen, wofuer die staatlichen Apparate notwendig wurden.

    Geld ist nur eine Information als bedrucktes Papier oder Zahlen in Datenverarbeitenden Systemen. Es kann dazu verwendet werden, reale Werte zu schaffen und es ist beliebigst generierbar. Diese Funktion als hilfmittel zur realen Werterzeugung kann nur dort wirken, wo ein Geldsystem vorhanden ist.

    Prinzipiell wird kein Geldsystem benoetigt, weil in der Oekonomie kein Geld existiert. Wir finden es nur in der virtuellen Austauschsphaere, dem Distributionssystem. Unser beitrag fuer reale Werte ist nur unsere Zeit, deswegen kann das geld selbst nur ueber Zeiteinheiten eine Referenz erhalten. Aber damit koennen wir es auch weglassen, wenn wir direkt mit der Zeit arbeiten.

    Zur Themen-Kategorie. Dieser text von Michael Hudson ist primaer auf Frieden fokussiert. Allerdings zerstoert die private Wertakkumulation den Frieden und mit den heutigen technischen Moeglichkeiten dies auch global. Ich habe nun in meinem kommentar den fokus auf die Wertakkumulation gesetzt, weil sie die Vorraussetzung ist fuer die Zerstoerung des Friedens.

    Zur zeit gibt es keine kategorie, die sich den gesellschaftlichen systemischen Strukturen zuwendet. Es ist alles irgendwo verstreut. Das hat viel mit der orientierungslosigkeit der Forums-Initiatoren zu tun, die langsam sich in eine klare orientierung verwandeln kann. Das kann sich dann in der themengliederung niederschlagen.

    Es ist eigentlich die Aufgabe der redaktionell arbeitenden Mods-gruppe. Darueber sollten wir mal ein eigenes thema eroeffenen. Weil Bildung (Schule, Universitaeten ..) unter ferner liefen einzuordnen ist ja total falsch. Wenn, dann muss es an einer der ersten Stellen stehen. Es ist eine bedingende Vorrausetzung fuer "politiche Aufklaerung - die wichtigste Aufgabe fuer Aufstehen".

    @ThomasN, @Klaus, @Guido, @HCGuth, @Thorsten_HL, @Steffen-Beck und andere.



  • Liebe freunde,

    im blog "Linke Zeitung" wurde die Uebersetzung von Friedrich der texte vom blog "The Saker" ebenfalls weiter geleitet und da kam nun eine antwort, auf die ich hinweisen will.

    Ist Michael Hudson ein Lügner?
    "unbetreut denken", 12.01.2020
    https://linkezeitung.de/2020/01/12/ist-michael-hudson-ein-luegner/


  • Baden-Württemberg

    Lieber @willi-uebelherr,
    erstmal danke für Deine Stellungnahme. Auch wenn, so wie ich es aus Text oben entnommen habe, wir der gleichen Meinung sind, dass die Diskussion dieses Sachverhalts wo anders (im Forum) besser angesiedelt sein sollte, möchte ich doch kurz hier eingehen.

    Nebenbemerkung:
    Einverstanden, die Themen-Struktur des Forums muss verbessert werden. Die Arbeiten in diese Richtung sind, soweit ich es weiß, im Gange.


    Vorbemerkungen zu:

    Lieber @GWFram, genau da beginnt sofort mein Einspruch.

    • Marktwirtschaft gibt es nicht. Markt ist historisch ein Austauschplatz der Produzenten. Was heute damit getan wird oder wie es beschrieben wird, ist etwas ganz anderes.
    • Geld hat keinen Wert und ist damit auch nicht wertmaessig tauschbar. Seine Austauschfunktion wird kuenstlich ueber private Eigentumsverhaeltnisse geschaffen, wofuer die staatlichen Apparate notwendig wurden.
    1. „Marktwirtschaft gibt es nicht.“:
      Nun z.Z. offensichtlich doch, zumindest gibt es dem Wort „Marktwirtschaft“ begriffliche Zuordnungen, wenn auch unterschiedliche, die die Interaktion der Handelnden behandeln und dass Handeln auf diesem ominösen Markt versuchen zu behandeln. Ich schreibe bewusst „behandeln“ und nicht „beschreiben“, weil zur Beschreibung das Vorliegen der Kausalität vorausgesetzt werden muss, was hier nicht immer gegeben ist. Da sind wir, wie ich lese, gleicher Meinung, da du schreibst: „Was heute damit getan wird oder wie es beschrieben wird, ist etwas ganz anderes.“
    2. „Geld hat keinen Wert“:
      Nun z.Z. offensichtlich doch, zumindest wird es in den meisten Fällen akzeptiert. Ja, mit deiner Feststellung: “ Seine Austauschfunktion wird kuenstlich ueber private Eigentumsverhaeltnisse geschaffen, wofuer die staatlichen Apparate notwendig wurden.“, bin ich einverstanden.

    Dass das Geld als Tauschmittel nichts Anderes ist als Vertrauensbonus, den die es nutzende Akteure dem jeweiligen (Tauschmittel) beimessen und damit ihre Arbeitszeit (Lebenszeit) in Waren und Dienstleistungen eintauschen bzw. im Tausch annehmen, ist (auch mir) bekannt.

    Einen Einwand erlaube ich mir dennoch einzubringen:
    Es ist, so meine Position, nicht richtig, isolierend von der Zeit (Arbeitszeit) zu sprechen, denn es geht nicht um den reinen Zeitaufwand, sondern um das Ergebnis des Arbeitseinsatzes unter der Aufwendung der Zeit. Dass die Bemessung der sich ergebenden Leistung unter den z.Z. real existierenden „Markt“-Verhältnissen groteske Formen annimmt (siehe Entlohnung von Manager & Co), lasse ich mal außen vor. Dass muss definitiv wo anders eingehend diskutiert werden.

    Wenn mein Einwand aber korrekt ist, so kann das wie auch immer zu bezeichnende Tauschmittel (Geld, Coin, …) als Referenz nicht die Zeiteinheit alleine haben, sondern muss in Verbindung mit, wie auch immer zu bemessenen, Arbeit stehen.

    Wenngleich ich annehme, dass es klar war, dass die im oberen Beitrag geäußerte Möglichkeit, die sich durch private Wertakkumulation ergebenden Probleme abzumildern, nicht als Lösungsansatz auf der Zielgerade gemeint war, möchte ich betonen, dass es lediglich als ein möglicher Schritt zur evolutionären Entwicklung gesellschaftlicher Strukturen gemeint war, wobei das fortgeschrittene Stadium dieser evolutionären Entwicklung einen radikalen Charakter haben kann und muss.

    Um die Entwicklung in die gewünschte Richtung lenken zu können, kann die Rolle der Bildung (Familie, Vor-/Schule, Universitäten ...) nicht hoch genug eingeschätzt werden. Somit sehe auch ich, dass diese Thematik in der Forum-Struktur entsprechend berücksichtigt sein sollte.

    P.S. Danke für das Teilen von:

    Ist Michael Hudson ein Lügner?
    "unbetreut denken", 12.01.2020
    https://linkezeitung.de/2020/01/12/ist-michael-hudson-ein-luegner/



  • ".. denn es geht nicht um den reinen Zeitaufwand, sondern um das Ergebnis des Arbeitseinsatzes unter der Aufwendung der Zeit."

    Lieber @GWFram, auf diesen deinen Einwand sofort mein Einspruch.

    Der Grund dafuer ist eigentlich sehr einfach. Wir sind Gleichwertig und damit auch Gleichberechtigt, aber nicht gleich. Materielle Herstellungsprozesse, und nur darum geht es mir, erfordern die Kenntnis der Gesetze der Natur, um sie anwenden zu koennen. Aber unsere kenntnis dafuer sind notwendig unterschiedlich, weil unsere Biografien sehr unterschiedlich sind.

    Unter der Bedingung einer freien Technologie, die nicht privat okkupiert wird, findet notwendig eine stetige Angleichung der Kenntnisse der Gesetze der Natur und den Konstruktionserfahrungen statt, wobei gleichzeitig eine individuelle oder regionale weitere Verteifung stattfindet. Letztlich laeuft es auf ein Optimum hinaus, die einen minimalen Zeitaufwand und Ressourenverbrauch beinhaltet.

    Innerhalb einer Region ist es nicht wichtig, ob nun fuer bestimmte Herstellungsprozesse mehr oder weniger Zeit benoetigt wird, weil wir nicht in Konkurrenz zueinander stehen. Die Herstellung orientiert sich an dem Bedarf und der ist geografisch verteilt sowieso extrem verschieden. Ein globaler Austausch kann praktisch gesehen sowieso voellig entfallen.

    Wir koennen auch sagen, dass ein deutlich geringerer Zeitbedarf fuer eine Herstellung des Gleichen eine Referenz darstellt fuer die anderen, dies ebenfalls zu erreichen. Bei uns ist dafuer mit der freien Technologie der Weg offen. In Umgebungen mit privater Aneignung gemeinschaftlicher Ressourcen wie Wissen sind die Zaeune und Mauern im Wege.

    Das Geldsystem funktioniert ja nach den gleichen Grundmethoden, weil es ausschliesslich auf der Privatisierung aufsetzt. Von daher sehe ich dies gelassen, weil die menschen sowieso die privatisierung im generellen beenden muessen, um gut und einfach leben zu koennen.


  • Baden-Württemberg

    Lieber @willi-uebelherr, danke für die Präzisierung Deiner Position.

    Mit der Angabe der, von Dir indirekt getroffenen, Annahme, einer allgemeingültigen Bezugsgröße für die verrichtete Arbeit - der Referenz für die Arbeits-Einheit, kann ich Deinen Einspruch annehmen und unterstützen. In der Tat, so angenommen, kann die Zeit (-einheit) alleine zur Bestimmung der Wertigkeit der vom Menschen erschaffenen Werte herangezogen werden.


    An dieser Stelle mochte ich den Leser auf die mir im oberen Beitrag unterlaufene Unvollständigkeit hinweisen! Die Formulierung: „Dass die Bemessung der sich ergebenden Leistung unter den z.Z. real existierenden „Markt“-Verhältnissen groteske Formen annimmt …“ suggeriert, dass Leistung an sich bemessen wird, wogegen diese über die Zeit, was wiederum Arbeit ergibt, gemeint war. Ich bitte um Nachsicht!

    Mit dem Begriff „Leistung“ sollte, im Übrigen, eh vorsichtiger umgegangen werden. Die in einem gesellschaftlichen Kontext (in den Medien) weit verbreiteten Wortbildungen „Leistungsempfänger“ oder insbesondere „Leistungsträger“ sind nicht nur (beabsichtigte) Beschönigungen (Euphemismen) sondern schlicht falsch angewandte Begriffe. Auch „Dienstleistung“ wäre, meiner Meinung nach, korrekter als „Dienstarbeit“ oder „Dienstware“ zu bezeichnen.
    … denn: ARBEIT ist eine, über eine (gewisse) ZEIT, erbrachte/verbrauchte LEISTUNG!


Anmelden zum Antworten
 

Dies ist ein unabhängiges Forum für die Sammlungsbewegung aufstehen. Wir stehen für Meinungsfreiheit und effektive Vernetzung.