Die Konterrevolution


  • Baden-Württemberg

    https://kommunistische.org/diskussion/audiomitschnitt-podium-ueber-30-jahre-konterrevolution/

    https://kommunistische.org/stellungnahmen/lll-referat-zur-lage-der-kommunistischen-bewegung-nach-der-konterrevolution/

    Zwei Dokumente - schriftlich und audio zur Diskussion um die Entwicklung nach der DDR.

    Vor allem aus der DDR - Jena - sind viele Kommunisten in den letzten 3 Jahren aus der DKP ausgetreten und haben die KO gegründet, aus der von ihnen gesehenen Notwendigkeit, aufzuarbeiten, neu zu diskutieren und eine neue kommunistische Partei aufzubauen. Alles im Fluss. Oben ihre Sichtweise zur Konterrevolution 1989.

    Ihre Sichweise


  • Oder-Neiße-Friedensgrenze

    @Lotte sagte in Die Konterrevolution:

    Vor allem aus der DDR - Jena - sind viele Kommunisten in den letzten 3 Jahren aus der DKP ausgetreten

    Hallo Lotte,

    alles was sich mit KP beschäftigt, ist für mich interessant, da ich sowohl Mitglied der SED von Beginn an (171/2 Jahre) war, in die DKP eingetreten bin, bis ich austreten mußte, beteiligt war an der Gründung der VKP - Vereinigende Kommunistische Partei - bis wir sie aufgelöst haben, dann NUR als Kandidt von der KPD aufgenommen wurde - die jedoch nach 18 Monaten sich nicht entscheiden konnte mich als Mitglied aufzunehem.

    Mit der KO habe ich ebenso Kontakt aufgenommen, bin dort angemeldet und finde den Ansatz richtig. Als ich nach einiger Zeit - in der Zwischenzeit waren die Zeichen auf ANTI-Def2020 gestellt - eine Anfrage erhielt, ob ich denn schon die Dokumente durchgearbeitet und neues beizutragen habe - fragte ich, inwieweit sie beim Kampf für den Frieden aktiv sind - und es kam NICHTS!

    Politische Bildung - Aufarbeitung der Fehler usw. sind sehr wichtig - in der gegenwärtigen Situation, hat aber die Abwehr von Krieg und die Sicherung des Friedens oberste Priorität. Über ALLES andere kann sich dann gestritten/diskutiert und gegrübelt werden - sollte der Krieg stattfinden - können und brauchen wir darüber nicht mehr zu streiten ! Das ist es was JEDER begreifen sollte.


  • Niedersachsen

    @Lotte, Ich hab mal den 2.Text gelesen. Beim Lesen knirscht der Beton. Die KO schafft es, sämtliche Probleme der DDR auszublenden und bekennt sich dazu: "Uns eint ... der Kampf gegen Revisionismus und Anti-Stalinismus." - Kampf gegen Anti-Stalinismus, das heißt Kampf für Stalinismus. Auweia. Die Sicht auf die Veränderungen 1989 verengt sich auf das Wirken auswärtiger Kräfte, diese Darstellung ist genau so falsch, wie die Darstellung als eine "friedliche Revolution" der Bevölkerung.



  • In anderen Ländern wurden neue kommunistische Parteien gegründet und konnten sich erfolgreich stärken
    ...

    All diese Parteien sind deshalb erfolgreich,

    – weil sie erstens entgegen aller Aufforderungen, ihre Weltanschauung zu „modernisieren“, am wissenschaftlichen Sozialismus festhalten,

    – weil sie zweitens einen zum Teil jahrelangen Klärungsprozess in Bezug auf die Strategie und die eigene Geschichte eingeleitet haben, der die Voraussetzung für ihr Erstarken war

    – weil sie drittens in den Klassenkämpfen konsequent für die Interessen der Arbeiterklasse einstehen,

    – weil sie es viertens schafften, auf Grundlage der Leninschen Parteitheorie schlagkräftige Kampfparteien aufzubauen.



  • @AS1

    Wissenschaft statt Glaube / Religion

    Erst denken, dann strategisch handeln. Notfalls experimentieren.

    Für die Interessen der Zielgruppe statt vor allem für die eigenen....

    In einer Demokratie gibt es zwei Wege:
    Wie vorgesehen in den Parlamenten oder sonst außerhalb kämpfen.


  • Baden-Württemberg

    @Steffen-Beck Ja, der Beton - ich bin unentschieden. Sie erscheinen mir wie die alten Genossen, als ich 1978 eingetreten bin. Es ist also ob sie was Altes retten wollen. Die DKP hat nun durch sie die 3. große Abspaltung erlebt. 1987-89 die ganzen Studenten und 2012 die Abspaltung oder der "Putsch" der Revolutionäre gegen die Revisionisten in Gestalt der Münchner, die ganz stark dem Bündnisgedanken verhaftet waren. Jetzt die KO.
    Ich denke, das passt zu dieser historischen Zeit und der Suche nach Wegen. Neben dem autoritären Element - sie verweigern die Zusammenarbeit mit Trotzkisten und denen, die "Staatssozialismus" als Begriff für die DDR verwenden - gefällt mir aber ihr strikter Aufbau des Neuen. Sie gehen davon aus, dass der Diskussionsprozess Jahre dauern wird, laden alle Linken dazu ein und haben das organisatorisch gut aufgebaut. Das gefällt mir sehr und ich lese die Diskussion mit. Vieles finde ich richtig an Positionen, einiges kann ich nicht beurteilen, ich werde zum Denken angeregt, der Sprachstil an sich stößt mich ab. Aufstehen haben sie gleich am Anfang - ohne viel zu wissen - völlig eingematscht. Ihre Fehleranalyse ist in manchen Bereichen sehr exakt - z.B. der Vertretungsanspruch statt der konsequenten Selbstermächtigung(in der Arbeiterbewegung). Die Forderung nach "Diktatur des Proletariats", wörtlich, finde ich etwas belustigend. Na ja.

    Ich hatte sofort bei Günther das Gefühl, dass er da reinpasst. Mir haben sie auf meine Anfrage nach Leuten in meiner Nähe erst gar nicht geantwortet. 🙂

    Günther, deine Begründung war schon immer so - der Frieden steht voran.

    Sie haben einen Film mit DDR-Bürgern gemacht.

    https://kommunistische.org/diskussion/ddr-film/

    @AS1 stimmt - hoffen wir, dass es dann doch rechtzeitig klappt 🙂


  • Niedersachsen

    Der größte Fehler, den die Linken machen, besteht darin, dass sie die Menschen in Schubladen einteilen, mindestens in links/nichtlinks. Dem zugrunde liegt ein vereinfachtes Menschenbild. Es gibt "gute" und "schlechte" Menschen. Die Guten sind die Mitglieder der eigenen Partei, die Arbeiterklasse, Stalin usw. Und zwar "prinzipiell". Die Bösen sind die Kapitalisten, die Neoliberalen, die Rassisten, Faschisten, die Konservativen, die Liberalen, die Sozialdemokraten, die Revisionisten und Abweichler, manchmal auch überhaupt alle Andersdenkenden. Auch prinzipiell. Man verspricht sich von dieser vereinfachten Auffassung, die auch "Klassenstandpunkt" genannt wird, eine erfolgreiche Veränderung der Gesellschaft im Sinne aller "Guten". Hieraus ergibt sich das Konzept der "Avantgarde", die die unwissenden, unentschlossenen Menschen in die Shäre des Glücks führen soll. In wie weit Marx, Engels und Lenin diese Sichtweise vorbereitet haben, darüber lässt sich trefflich streiten. Ich würde behaupen, dass ihr Weltbild nicht so einfältig war, wie es bei vielen Linken heute ist. Es ist höchste Zeit, diesen Beton aufzuweichen und eine wirkliche und flexible Analyse der Welt vorzunehmen. Ein erstes Zeichen guten Willens wäre es, auf die unselige Bezeichnung "Linke" zu verzichten.


  • Baden-Württemberg

    Wenn es menschelt, wird es dann ganz grausam. Schubladen sind Kategorien und sehr nützlich.

    Über die Schubladen rechts und links hinaus, gibt es viele Bereiche, wo es menschelt, auch politisch. Zusammenarbeit im zivilgesellschaftlichen Kontext funktioniert ohne Schubladen, aber Grundsatzentscheidungen auch schon im Kommunalen kommen ohne Kategorien nicht aus. Richtungsanzeiger müssen sein. Wie die gestaltet sind, ist derzeit ohne Frage neu zu justieren.

    Ich bin Kommunist, was ich als neu zu definieren propagiere.

    Was bist du?


  • Niedersachsen

    @Lotte sagte in Die Konterrevolution:

    Ich bin Kommunist, was ich als neu zu definieren propagiere.

    Wie ist Dein Ansatz einer neuen Definition?


  • Baden-Württemberg

    Ich habe mich mit den Ansätzen von Willi und HC beschäftigt, verbunden mit meinen Erfahrungen von Quartiersarbeit.

    Dann habe ich mich mit der kommunistischen Strategie von DKP und KO zu Bündnisarbeit, Stellvertreterprinzip beschäftigt.

    Dann habe ich mich mit psychosozialen Problemen von Menschen beschäftigt wie sexueller Mißbrauch, Sucht und Abhängigkeit sowie Depression.

    Dann natürlich die zunehmende Analphabetisierung.

    Zu allem kann ich vertieft was sagen.

    Grundsätzlich wird bei meinen Themen zu lässig Geld ausgegeben von der Politik, neue Stellen geschaffen, ohne eine grundständige Qualitätsdiskussion und Erfolgskontrolle zu leisten. Das ist der Tod sozialer Verbesserung und betrifft alle herkömmlichen Parteien. Ein kommunistisches System muss dies ganz anders angehen.

    Als erstes finde ich die Sammlung von Menschen wichtig, die sich sammeln und diskutieren. Also die Einrichtung von Foren, vor allem regionalen, wo sich neben der Diskussion eine Gruppe samt einer Aktion entfalten kann. Kollektive entwickeln, die Parlamente kontrollieren, mitregieren, wach werden.

    Und wie gesagt: Frieden als wichtigstes zentrales Thema
    , -

    Ach das ist jetzt etwas zerstückelt - bin noch vom anderen Thema gefangen.

    Grundsätzlich hadere ich mit den Menschen. Ich halte nicht die Form für bestimmend sondern den Inhalt. Demokratischen Zentralismus, zum Beispiel. Konstruktive kreative offene und egalitäre Menschen können alles bewerkstelligen - aber die finden wir kaum vor. Wie dann was verändern - ist meine große Frage.


  • Baden-Württemberg

    Ich habe Fetzen, aber kein Programm.

    Die Veränderung der Produktionsverhältnisse, was das Zentrale wäre, ist mir derzeit schleierhaft.

    Die Analyse der Zivilgesellschaft geht meines Erachtens am Kern vorbei. Die Lämmer starren und kriegen nichts gebacken, dafür werden sie ganz nach neoliberaler Art entschuldigt. Die Armen, die immer so dominiert werden - selbst in fortschrittlichen Kreisen wie im Thread nebenan. Und in die AfD rutschen sie auch irgendwie rein, die Verführten.

    Ich bilanziere meine Erfahrung von 35 Jahren Beruf und Politik. Erst die Analyse, dann ein Programm.

    Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm das will.

    So weit so gut. Stand aber nichts still. Die Masse an Menschen wiill regiert werden und regt sich tierisch auf über falsche Regierungen. Sucht Führung. Gib dem Deutschen eine Kapitänsmutze und er ist zufrieden, der Vereinsmeier - war so auf dem Bauernmarkt in meinem Ghettowohnviertel, wo der ehrenamtliche Ordner und Aufseher so eine Phantasiebefehlsoberhaberuniformmütze aufhatte. Stolz war er.

    Das setzt sich fort. Alle zivilgesellschaftlichen INitiativen sind von einer BevölkerungsMINDERHEIT unterstützt und getragen worden. Forum 2000 - eine Bewohnerinitiative im Hochhausviertel, die sich um alles gekümmert hat. Mieten, Kinder, Wohnungen, Sozialraum. Gekämpft hat, links war - gedümpelt ist. 2000 Mitglieder von 12 000 Einwohner. Und da waren keine "Usurpatoren" - bin ich hier im Film Matrix - da waren einfach keine Engagierten. die kamen nur, wenn sie Hilfe brauchten gegen Vermieter.

    Ich habe andern Orts beschrieben, wie konservative Kreise die Mehrheit in den Quartieren haben. Das Leben organisieren, was wichtig ist. Daraus entwickelt sich bei denen ein Anspruch auf ein politisches Mandat im Kommunalparlament. Wie gehen wir damit um? Keine Antwort auf meinen Beitrag.

    Gewerkschaftsarbeit verläuft ähnlich. Die "Linken" beklagen die falsche Führung. Schon wieder die fehlerhaften Regenten und das betrogene Arbeitervolk. Man boykottiert die Gewerkschaft und merkt nicht, dass man dem neoliberalen Konsens geradezu in die Arme läuft, weil sich nichts dagegen aufbaut. Da stehen keine Räder still und kein Anspruch erhebt sich außer dem "Mehr Geld". Eine systemkonforme Forderung.

    Vom Staat wird ein Versorgungspaket verlangt. Eigenintiative hat man aufgegeben und durch Vergnügungsparks ersetzt. Konsum über Kreativität.
    Am deutlichsten habe ich das bei Kurden erlebt, die schon lange in Deutschland sind, die ich gut kenne und die noch in ihren feudalen Strukturen leben. Nicht die linken. 5-6 Kinder, kaum Arbeit, Frau zu Hause, sagen die zu mir: "Am schlimmsten ist das Wochenende, wenn alle Kinder zu Hause sind." Sie wurden in eine soziale Situation hineingworfen, die anders als meine eigene früher, von Betreuung gekennzeichnet ist. Schule, Ganztagsschule, Kindergarten, Sozialarbeiter. Sie kennen es gesellschaftlich nicht anders. Sie haben mit ihren Kindern nichts mehr zu tun. Einerseits gewollt, weil man solchen Leuten die Kinder aus den HÄnden nehmen will, andererseits ein emotionales Desaster. Das dürfte nun von den DDRlern nicht so gesehen werden, weil sie so aufgewachsen sind. Aber könnte es nicht sein, dass dieser Versorgungsstatus - der natürlich anzustreben ist - irgendwie falsch aufgebaut wurde? Bei uns sicher. Heraus kommt eine Bevölkerung, die gewohnt ist, regiert zu werden. Versorgt, aber halt schlecht. Und man kommt nur auf die Idee, nach besserer Versorgung zu rufen. Gerade die LINKE. Falscher Weg.
    Nichts gegen Ausländer - ich kenne auch eine deutsche Familie, die 6 Kinder hat, und monatlich etwa 20 000 Euro an Stütze braucht. Knast, betreutes Wohnen, Psychiatrie - Vater arbeitet, Lohn reicht nicht, Mutter überfordert. Bei den letzten 2 Kindern hat sie von sich aus das Jugendamt aufgefordert, das Sorgerecht zu übernehmen. Natürlich sind das Extreme, aber signifikante, finde ich.

    Also mache ich mir vor einem linken Programm immer noch Gedanken über das Volk. Denen, die da schwätzen, wir sind das Volk, traue ich nicht viel zu. Die radikalen Linken sehe ich nur in ihren alternativen Blasen. Der Rest der Mitte ist angstbesetzt und egoistisch. Selbst ich bin egoistisch g eworden und merke: Die Entwicklung zeigt mir an, für mich selber zu sorgen, weil es sonst keiner macht. Eine fatale Entwicklung, weil ich von Jugend an ein sozialismuskompatibler Mensch war. Gebt mir eine billige Wohnung und eine gute Krankenversicherung, mehr brauche ich nicht. Ich wäre in dieser Hinsicht für die DDR passend gewesen - in antiautoritärer Sicht gar nicht.

    Eine Bewegung voller Männer kann es vielleicht nicht richten. Die stehen unter Zwang, klug zu schwätzen und es mangelt ihnen, kluge Fragen zu stellen.

    Und alle gleichzumachen ist eine idealistische Konzeption. Dein Spott, @Steffen-Beck gegen Avantgarde ist blöd, denn es gibt immer Menschen, die weiter sehen und Bewegungen organisieren. Das ist gut und richtig, wenn sie nicht elitär wird. Links ist für mich, Visionen zu haben und an ihrer Umsetzung zu basteln.

    Ich frage mich derzeit, ob es nicht klug ist, Realitäten anzuerkennen und aufzuhören, mit der Sisyphosarbeit der Agitation. Wenn man wollte, könnte man, aber man will nicht.

    Sollen sie ersaufen und ersticken, die Dulder. Die Sintflut wird kommen und sie haben sie nicht aufgehalten. Mit der Konsequenz konfrontiert, werden sie richtig aggressiv - in meinem lokalen Bereich. Das Einzige, was man erreichen kann? Die "Guten Bürger" - halblinke Grüne keifen und beissen mich weg. Ich sei ein kaltherziger Sektierer. Grins.

    🙂


  • Baden-Württemberg

    Was mich wirklich erschreckt und hilflos macht:

    Ich habe mich durch meine eigene Biographie mit Alkoholismus und sexuellem Mißbrauch beschäftigt.

    Und mit anderen ausgetauscht. Mit linken professionellen Frauen.

    Die Symptome von Menschen mit diesen Problemen (waren waren Kinder von Alkoholikern) sind relativ gut erforscht.

    Mal schnell wahllos herausgegriffen, Folgendes. "Erwachsene Kinder von Alkoholikern " sind eine Kategorie.

    Wenn man davon ausgeht, dass wir eine Suchtgesellschaft sind und wenn man die Symptomatik auf die Bevölkerung überträgt, kommt man - oder ich und andere - zu dem Ergebnis, dass erst die Suchtsymptomatik aufgebrochen wreden muss, ehe Blinde aufwachen und sehen können. Sucht als Abhängigkeit von allem, über den Alk raus.

    Das ergäbe neue und andere Fragestellungen für eine Strategie. Leistungsstark und emotional verarmt - ein linkes Psychogramm. 🙂 Unter der Sucht liegt der Mißbrauch - und Faschismus ist Mißbrauch besonders der damaligen Jugend. Ihre Symptome ist haben sie uns als Eltern weitergegeben. Wir sind infiziert.

    10 Dinge, die dich als erwachsenes Kind eines Alkoholikers immer noch begleiten

    1. Scham und Einsamkeit

    Die Autorin Brené Brown definiert Scham als „äußerst schmerzhaftes Gefühl bzw. die äußerst schmerzhafte Erfahrung zu glauben, dass wir fehlerhaft sind und deshalb keine Liebe und Zugehörigkeit verdienen.“ Dieses gewohnte Gefühl aus der Kindheit führt dazu, dass du dich schnell selbst verurteilst und das Gefühl hast, nicht okay zu sein.

    Eine der stummen Regeln in einer Alkoholikerfamilie ist: „Sprich nicht“. Man spricht untereinander weder über den Alkoholismus noch über andere Probleme. Und vor allem nach Außen spricht man nicht darüber – das dunkle Familiengeheimnis ist viel zu beschämend.

    Wenn du tief im Inneren glaubst, der Liebe unwürdig zu sein, kannst du dich selbst nicht lieben.
    Du erlaubst dir insgeheim nicht, dich von anderen aufrichtig lieben zu lassen.
    2. Schwierigkeiten zu vertrauen

    Du wurdest in deiner Kindheit mehrmals im Stich gelassen und verletzt. Es ist somit ganz natürlich, dass du dein Herz aus Selbstschutz verschließt.

    Menschen zu vertrauen (einschließlich dir selbst) fällt dir schwer. Du kannst dich nicht richtig fallen lassen und hältst dich emotional zurück. Dies führt auch dazu, dass du dein wahres Selbst nicht vollständig offenbarst, was wenig Intimität nach sich zieht.

    Das Verhältnis zu deinem Partner geht nicht in die Tiefe und du fühlst dich trotz Beziehung einsam.
    3. Scharfe Selbstkritik

    Von außen hast du immer wieder vermittelt bekommen, dass du nicht gut genug oder wenig liebenswert bist. Du glaubtest damals, dass du nicht in Ordnung und für die Probleme innerhalb der Familie verantwortlich bist.

    Durch diese in der Kindheit verinnerlichten Glaubenssätze bist du sehr hart zu dir selbst und hast Schwierigkeiten, dir selbst zu vergeben. Da du glaubst, nicht wertvoll zu sein, fällt dir auch das Praktizieren von gesunder Selbstliebe schwer.
    4. Starre und Inflexibilität

    Mit Veränderungen jeglicher Art tust du dich schwer. Routinen geben dir ein Gefühl von Sicherheit, und Gewohnheiten helfen dir dabei, dich im Alltag gut zu fühlen. Plötzliche Planänderungen oder etwas, dass sich deiner Kontrolle entzieht, kann Ängste und Unsicherheiten in dir auslösen.

    Selbst wenn du weißt, dass eine Veränderung unausweichlich für dein Glück ist, ist die Angst vor Veränderung meistens größer. Lieber nimmst du das Unglücklichsein in Kauf, anstatt etwas in deinem Leben zu verändern.
    5. Es anderen recht machen

    Du hast ein starkes Bedürfnis, von anderen Menschen gemocht und akzeptiert zu werden. Das ist darauf zurückzuführen, dass du in deiner Kindheit Ablehnung, Vernachlässigung und Missbrauch ausgesetzt warst.

    Es anderen Recht machen zu wollen ist auch eine unbewusste Taktik, um Konflikte zu vermeiden. Streitereien die dir aus der Kindheit allzu vertraut sind und die damit verbundene schmerzhafte Erfahrung willst du um jeden Preis verhindern.
    6. Perfektionismus

    Du versuchst in jeglicher Hinsicht perfekt zu sein, um Kritik durch andere (oder dich selbst) zu vermeiden. Damit stehst du ständig unter dem Druck, dich und deine Person unter Beweis stellen zu müssen.

    Trotzdem stellst du fest, dass deine Leistungen nicht zufriedenstellend sind. Deiner Meinung nach gibt es immer etwas auszusetzen. Du möchtest immer besser werden und setzt dir entsprechend immer höhere Ziele.
    7. Hohe Sensibilität

    Du bist eine sensible und empathische Persönlichkeit, die ihre Gefühle aber weitgehend unterdrückt. Trotz deiner mitfühlenden und fürsorglichen Art fällt es dir schwer, mit deiner Sensibilität gut zurechtzukommen.

    Du kannst nicht gut mit Kritik umgehen, da du sie schnell persönlich nimmst. Du fühlst dich dann abgelehnt und nicht gut genug.
    8. Starkes Verantwortungsbewusstsein

    Schon sehr früh musstest du notgedrungen Verantwortung für deine Eltern übernehmen. Das können Einkäufe, Organisation oder sonstige Erledigungen gewesen sein.

    Auch auf emotionaler Ebene musstest du vielleicht Verantwortung übernehmen. Zum Beispiel indem du deine Geschwister getröstet hast, wenn deine Eltern stritten.

    Da du das nicht anders gewöhnt bist, übernimmst du auch weiterhin Verantwortung für die Gefühle anderer oder versuchst, ihre Probleme zu lösen.
    9. Ängste

    Kinder alkoholkranker Eltern tragen eine tief sitzende Angst in sich. Die traumatischen Ereignisse in der Kindheit führen dazu, dass du immer auf der Hut bist und in ständiger Wachsamkeit. Oftmals spürst du Probleme, wenn keine vorhanden sind. Du bist die meiste Zeit nervös, angespannt und voller Sorgen.

    Diese Angst hält dich gefangen. Immer wenn du versuchst eine der oben genannten Punkte zu beheben, kommt die Angst wieder in dir auf.
    10. Sich um andere kümmern und sie retten

    Oft musstest du dich um deine Eltern oder Geschwister kümmern, als du selbst noch ein Kind warst. Du erinnerst dich vielleicht daran, von anderen für deine Tapferkeit und Fürsorge gelobt worden zu sein. Und vielleicht erinnerst du dich auch noch daran, dass du deine Mutter oder deinen Vater davon überzeugen wolltest, mit dem Trinken aufzuhören.

    Auch als Erwachsener verwendest du viel Zeit und Energie darauf, dich um andere Menschen zu sorgen. Manchmal geht es sogar soweit, dass du diese Menschen ändern oder retten möchtest.

    Du vernachlässigst dadurch deine eigenen Bedürfnisse und erlaubst anderen, deine Freundlichkeit und Fürsorge für sich auszunutzen. Bei vielen Betroffenen ist dies mitunter der Grund, warum sie immer wieder an einen suchtkranken Partner gelangen.
    Du bist der Schöpfer deines Lebens


  • GLOBALER MOD MOD

    @Lotte Ich muss nur wenig lesen von dem Katalog um festzustellen: Dazu müssen Eltern doch nicht Alkoholiker sein. (Sie können zB ja auch auch workoholics sien, das genügt vollkommen...) Welche Eltern sind den incht beschädigt? wer wäre denn, im Sinne der hier sich andeutenden Anforderungen, unbeschädigt aufgewachsen? Und... noch viel schlimmer... wer bekäme denn hierzuland, mit und ohne Kapitalismus (war das alles in der DDR so anders?) die Chance, seine Anfangs-Beschädigungen nochmal gutzumachen? Es treffen ja bloss Invalide aufeinander... Die wunderbaren Errungenschaften unserer Epoche verlangen selbst im günstigsten Fall einen hohen Preis. Wieviel mehr im ungünstigen, also Normalfall...


  • Baden-Württemberg

    Was willst du? Das ist eine Abwehr, die du da schreibst. Wenn du sorgfältig wärst, würden dir Fragen kommen.

    "Wir sind alle beschädigt" ist die Leitformel eines Nicht Hinsehens.

    Einzig hast du recht beim Psychogramm, was aber bei den Professionellen so nicht angekommen ist. Das Psychogramm trifft den Mißbrauch an sich, ist verallgemeinerbar und du - wie alle Untherapierten - unterschlägst die Dimension, die das für ein Leben hat.

    Mißbrauchte haben oft keine Kraft, sich um mehr als um ihre Symptome zu kümmern. Die Therapie ist ebenso gut aufgeschlüsselt für Solche. Es geht, man muss nicht so fatalistisch sein wie du. Auch du könntest glücklich werden. 😉 Man kann aus den Wunden Narben machen, und dann anders leben als mit Wiederholungs-Inszenierungen.

    Und vor allem: WEnn man sich als Opfer heilt, wird man um so mehr Energie gegen den erkannten Täter haben.

    Alice Miller - gut, nicht meine Favoritin - hat aber mal was Gutes zu Linken gesagt, schon lange her. Sie meinte, Linke könnten ihren Hass nicht aufgeben, weil sie der Meinung wären, mit dem Hass stürbe auch die Gegenwehr. Aber das sei nicht so, denn mit überwundenem Hass würde die Kraft samt Energie zur Gegenwehr größer. Kann ich bestätigen aus meiner Geschichte.

    Dieses verallgemeinernde Abschieben des Themas von dir ist ja genau meine Kritik. Linke MÄnner und Männer überhaupt sehen in solchen Themen keinen Sinn und verkalkulieren sich damit in ihren politischen Theorien grandios, was wir immer wieder verfolgen können.

    PS Im Nachsatz gerade eben am Telefon sagst du: Es ist nicht die Produktionsweise, es ist die Moderne, die die Ursache ist.
    Gut, das ist deine Meinung, meine nicht. Diese Symptome kann man in jeder Gesellschaft finden, wo Mensch eine Warenfunktion hat. sorry, wenn ich wieder alle Begrifflichkeiten durcheinanderschmeiße. Aber meine analyse hätte eine Konsequenz für die Strategie und vielleicht ist das das wichtigere Thema.


  • GLOBALER MOD MOD

    @Lotte Sorry meine Analyse hätte auch Konsequenzen für die Strategie. Es wäre auch seltsam, wenn es anders wäre, denn dann hätte man nicht zum Thema geredet.
    Meine Intervention geht in die exakt entgegengesetzte Richtung, als du unterstellt hast: Ich rede doch über uns alle als schwer beschädigte (in meinem Blog-Eingangsbeitrag habe ich uns "Zerrüttete" genannt). Dass da einige besser weggekommen zu sein scheinen, ändert wenig am Gesamtbefund.
    Die Differenz ist eine scharfe, die meine Analyse LEIDER abgrenzt von allem, was auch hier im Forum meist vertreten wird: Ich sage, die materialistische Kritik weist auf schwerwiegende Probleme unseres produktiven Weltverhältnisses, das heisst, unserer materiellen Produktion und darauf beruhender technischer (vor allem Wissens-)Arbeitsteilung. Dass die herrschenden Koordinations- und Konsens-Bestimmungsformen dem nicht mehr gerecht werden, geschweige denn jeder Transformation, die die Anforderungen auf der Ebene der materiellen Produktion (zb ökologisch zu produzieren) angehen soll - das ist dann schon sekundär. Beides zusammen erst heisst tarditionell Produktionsweise; und traditionell lautete eine der ersten und elementarsten Thesen der radikallinken Theorie: Dass in einem Epochen-Übergang diese beiden Momente einer Produktionsweise nicht mehr zusammenpassen. Was so nicht präzise gesagt wurde dort, ist: Dass sich auf der materiellen Ebene auf Basis der Resultate der voraufgehendne Epochen-Lösungen (hier: technischer Fortschritt als Selbstzweck, "universell-bedingungslose Entwicklung der Produktivkräfte") neue Produktionsaufgaben stellen, die aber mit dem vorhandenen Produktionsverhältnis (Koordination und Konsens-Bestimmung bezüglich Kooepration) nicht mehr gelöst werden können. Zentrale These: Ohne libertären (!) Kommunismus sind die Probleme der fortgeschrittenen Moderne nicht zu lösen.))

    Zur Therapie noch: Deine Heilsgewissheit (welcher Therapie-Konfession gehörst du eigentlich an? da gibts ein breites Feld sich ausschliessender Optionen...) ist jetzt nicht SO verschieden von der Predigt zB wiedergeborener Christen. Eine Erlöste, die ihren Heilsweg anpreist und vor allem, ihre Überzeugung von einer dadurch begründeten Überlegenheit raushängen lässt. Argumentlos. Gläubige haben bekanntlich auch ohne Begründung recht 😉


  • GLOBALER MOD MOD

    @Lotte Das Aller-Hässlichste hab ich mir zunächst noch verkniffen. Es gibt nämlich auch die unauffälligen Kinder von nach aussen unauffälligen Eltern, die genau darum unauffällig sind, weil sie gesellschaftlichen Anforderungen gewachsen sind bzw sich denen anpassen. Das schaffen sie freilich nur um den Preis zb von Süchten; oder dass sie andere in der Familie oder in Beziehungen oder im Job, heutzutage sind das keineswegs mehr immer die Frauen (das noch zu deinem Uralt-Differenz-Feminismus, der seine sexistischen Wurzeln einfach nicht verleugnen kann) das für sich mit-sein und (er)leben und vor allem auch erledigen lassen, wozu sie an elementaren Lebensvollzügen in ihrer Angepasstheit an Anforderungen nicht auch noch imstand sind. Diese "Unauffälligen" und"Erfolgreichen" gelten dann als "normal"*), wobei selbst sie heute zunehmend aus dem Leim gehen. (Von den sozialen "Sub-Systemen" und Branchen, in denen sie arbeiten, und die anfangen sich wechselseitig die Aufgaben zuzuschieben, die sie immer schlechter lösen können, ganz zu schweigen.)

    *) erreichen hohe GAF-Werte: https://de.wikipedia.org/wiki/Global_Assessment_of_Functioning


  • Baden-Württemberg

    Entschuldige bitte, es ist unbrauchbarer Quatsch, den du erzählst. Lassen wir den persönlichen Angriff von Heilsgewissheit weg, damit es nicht nur zu peinlich wird, und übergehen wir die "Unauffälligen", die längst zum Krankheitsbild gehören - sei es bei den Psychogrammen von Amokläufern, sei es in der Schule, wo die Stillen die Kränkeren sindgegenüber den Rebellen, oder bei den Suchtpsychogrammen die "fröhlichen" Kinder als neurotische Rolle der Familienbefriedung- also alles Varianten des Themas von unsichtbaren, introvertierten Menschen, die letztlich autoaggressiv sind und manchmal aggressiv werden und deshalb besonders im Fokus von Proffessionellen stehen. Stehen sollten, weil in dieser Gesellschaft die Provokativen Extrovertierten denen die Aufmerksamkeit nehmen und auf sich lenken. (Die Kategorie Erwachsene Kinder von Alkoholikern bezieht sich auf Erwachsene).
    Die "Unauffälligen" im Suchtpsychogramm sind natürlich nur unauffällig in der Leistungserfüllung. Emotional sind sie liebesunfähig, haben Probleme mit Vertrauen, Nähe und Distanz. Was natürlich dann auch wieder systemkonform ist, weil man das nicht braucht von der Ware Arbeitskraft. Seit den 70er Jahren erforscht. Kinder von Alkoholikern /Suchkranken gehören zur höchsten Risikogruppe, werden aber in Schulen nie thematisiert. Man sollte sich mit den erarbeiteten Symptomen schon genauer beschäftigen und nicht schon gleich alles wissen und beurteilen.

    Also altbekannt. Da hinkste hinterher wie die Oma mitm Weihnachtsbaum zu Ostern. 🙂

    Gehen wir also zu den Zerrütteten. Das ist richtig. Jedes System spiegelt sich im Subjekt wieder. Auch eine Logik. Der systemische Niederschlag im Individuum - reicht aber so nicht als Behauptung aus.

    Das genau zu untersuchen ist die Aufgabe. Du bleibst bei der allgemeinen Analyse stehen und kommst wie immer keinen Schritt weiter, als dass man globale Probleme global lösen muss. Richtig.

    Ich bin einen Schritt in die Zerrüttetheit gestiegen und habe die Frage gestellt, wie das nun funktionieren soll und ob das geht und welche Bedingungen es dazu braucht. Dazu gibt es ausreichend Untersuchungen und Meinungen und wenn man sich Wissen nicht zugänglich macht und in Strategien verarbeitet, wirds halt nix mit der Strategie.

    In der Realität heißt das, die Leute da abholen, wo sie stehen. Aber da sollte man dann hinschauen, wo sie stehen. Und differenzieren - die materielle Produktion an sich ist noch kein Neuroseproduzierendes Element. Die industrielle Produktion schon eher.

    Was ist los? So angriffig heute?

    Ich diagnostiziere: Zwei in Rivalitätsmodus verfallene Widder-Stier - Gehörnte.

    Ich finde das Thema sehr spannend und habe mich mit anderen seit Jahren damit beschäftigt.


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