Linker Populismus - Kann das unser Weg sein?


  • Niedersachsen


  • Web-Auftritt

    @Steffen-Beck sagte in Linker Populismus - Kann das unser Weg sein?:

    Die Partei Die Linke setzt auf den Linkspopulismus als eine wirksame Form, den Rechtpopulismus zu bekämpfen. Ist das wirklich eine geeignete Form?
    (https://www.neues-deutschland.de/artikel/1128654.linke-in-der-krise-mehr-mut-zum-populismus.html )( https://www.freitag.de/autoren/julius-wolf/ueber-gefahren-und-reize-des-linkspopulismus )( https://www.neues-deutschland.de/artikel/1107526.linkspopulismus-durchkreuzen-der-scheinfront.html)

    Linkspopulismus wurde ja bereits von Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine befürwortet. Dass Katja Kipping als Galionsfigur dafür taugt, wage ich zu bezweifeln.
    In den USA beobachte ich den Linkspopulismus von Bernie Sanders, der auf dieser Spur erfolgreich den Wahlkampf dominiert.
    Seine Bewegung profiliert sich allerdings mit klassenkämpferischen Ansagen, mobilisiert vor allem die Underdogs der US-Bevölkerung - und das recht erfolgreich.
    Ein Beispiel: https://youtu.be/d6oxkqe6c_Y
    Er und seine Unterstützer haben dort den Vorteil, dass sie nicht durch Parteistrukturen und -Funktionäre behindert werden. Und es scheint dort auch nicht viele Antideutsche zu geben, die ihnen Knüppel zwischen die Beine werfen, wie bei uns.
    Dafür ist die Hürde dort hoch: unter dem Einzug ins Weisse Haus ist dort nicht viel zu machen und der Versuch provoziert natürlich die massive Gegenwehr der Oligarchie in Form von Lügenattacken und Wahlfälschung oder durch den 60-fachen Milliardär Bloomberg, der nun versucht, die Wahlen mit seinen Milliarden zu kaufen, obwohl bekannt ist, dass er ein Rassist und Kriegstreiber ist.

    Jedenfalls steht derzeit die Chance 50:50 dass die Linken dort mit ihrem Kampf erfolgreich sind.
    Und, anders als bei uns, sind es dort vor allem die Jungen, die 16 - 30jährigen, die sich an diesem Kampf beteiligen / unterstützen, weil sie wissen, dass es um ihre Zukunft geht, Occupy-Wallstreet- und Öko-AktivistInnen und eben die Underdogs der Gesellschaft: Alleinerziehende, arbeitende Mütter, Arbeiter bei McDonalds, Walmart, Amazon usw., von denen man im deutschen politischen Klima nur wenige auf die Strasse bekommt.



  • "Die Partei Die Linke setzt auf den Linkspopulismus als eine wirksame Form, den Rechtpopulismus zu bekämpfen."

    Lieber @Steffen-Beck, es kommt auf dich selbst an, was du unter "Links-Populismus" verstehst und wie du ihn definierst. "Links" und "Popular", dem Volke zugewandt. Ist das wirklich falsch?

    Die PdL fokussiert sich nur deshalb auf die "Rechten", weil sie selber keine Perspektive haben. Sie sind abgehoben, schwaetzerhaft, dem Kapital sich unterwerfend. So haben sie gar keine substanzielle Basis. Sie koennen eigentlich nur mitschreien.

    Wenn es um die kernfragen geht, verlieren auch Sahra Wagenknecht und Oscar Lafontaine die klare Orientierung. Das gleiche sehen wir auch bei Albrecht Mueller in der "moderierten", die Gaeste ausschliessenden, "Podiums-Diskussion" in Saarbruecken. Mehr als 1.5 stunden. Fuer mich ein Horror pur.

    Ich vermute, auch Bernie Sanders wird an den entscheidenden Punkten einbrechen, auch wenn ich Gerhard @gwhh in seiner Betrachtung wirklich zustimme. Auch Tulsi Gabbard wuerde einknicken. An den Dollar wollen beide nicht ran. Und die Ruestungsindustrie aufloesen, alles externe Militaer/Paramilitaer zurueck? Na, die werden sich wundern. Gut, sie wissen es selbst und bereiten sich darauf vor. Vielleicht wird ja Tulsi Kandidatin fuer Vize-Praesidentin? So aehnlich wie in Argentinien? Nur, ich vermute, in der USA haben sie wenig Ueberlebens-Chancen. Beim OPCW sehen wir es auch schon an die Wand gemalt, wie schnell ein Auto-Unfall passieren kann. Oder der Chef der Weisshelme, der so ploetzlich in Istanbul vom Balkon stuerzt.

    Und was diskutieren wir hier? Gibt es etwas, was wirkliche Substanz hat? Ja, wir sind vielleicht auf dem weg dorthin.

    ed) ein positiver Hinweis zu Albrecht Mueller. Er hat zumindest am bespiel der "Gelben Westen" in Ftankreich daruf hingewiesen, was uns in Deutschland erwartet. Allerdings hat er dabei G20 Hamburg uebersehen. Da war alles sichtbar. Der offene Krieg gegen die Bevoelkerung, wenn sie es wagt, rebellisch aufzutreten. Dann kommt Noske.


  • Niedersachsen

    @gwhh sagte in Linker Populismus - Kann das unser Weg sein?:

    Ein Beispiel: https://youtu.be/d6oxkqe6c_Y

    Das ist, finde ich ein guter Einstieg in die Diskussion, einmal zu erleben, wie Linkspopulismus praktisch gemacht wird. Mir fallen Parallelen auf zu öffentlichen Auftritten von Sahra, die etwa ähnlich ablaufen. Diese Diskussion soll aber kein Plaudereckchen werden, darum provoziere ich mal ein wenig. 1. Wir haben hier Idol und Fanclub. Kann ein Fanclub eine Bewegung sein? Wenn ja, wo gibt es Beispiele für Erfolge? 2. Ein Fanclub und ein Idol, das ist eine Methode, die ansetzt am Konzept Elite-Masse, erwiesenermaßen ein neoliberales Konzept übrigens auch eine Grundlage für die parlamentarische Demokratie. Schließt diese Herangehensweise nicht einen Erfolg von vorn herein aus? 3. Haben die Mitglieder des "Fanclubs" eine aktive Rolle oder gehen sie nur als Zählmasse in den Prozess ein? 4. In diesem Zusammenhang entsteht die Frage, ob eine solche Vorgehensweise mit der Notwendigkeit einer Demokratisierung konform geht.
    Zum Populismus im Allgemeinen. Er wird oft nach Bedarf definiert. An anderer Stelle habe ich mich mit einer Definition der Bertelsmann-Stiftung beschäftigt, die sehr parteiisch für die Herrschenden war: Populismus.pdf . Der Populist sei der Mensch, der 1. ein Mandat von einer Masse erhält und 2. dieses Mandat umzusetzen hat. Das eine ohne das andere geht nicht. Dies dürfte auch ein Problem für die AfD werden, die sich ja jetzt so intensiv für die Probleme der Alten einsetzt. Sie wird definitiv nicht liefern können. Wie sieht das aber bei den Linkspopulisten aus? Wie können die liefern? Das Konzept scheint zu sein, dass zB die Linkspartei oder eine Verbindung RRG die Wahlen gewinnt, und dann in der Pflicht steht, Versprochenes auch umzusetzen. Hier sehe ich folgendes Problem: Wenn man volkstümlich vereinfacht, um Wähler zu mobilisieren, geht folgerichtig Präzision verloren. Wenn der Populist ein Programm in der Hinterhand hat und dieses nur vereinfacht formuliert, mag es zur Erreichung des Ziels genügen. Was aber ist, wenn der Populist sogar mit einer Mehrheit im Parlament, diese Ziele nicht umsetzen kann. Z.b. wegen rechtlicher Bindungen in der EU oder einfach fehlenden finanziellen Mitteln, oder einfach wegen geltender Gesetze. Hierbei denke ich zum Beispiel an Griechenland.
    Eine entscheidende Frage ist die Ehrlichkeit des Populisten. Wo liegen seine eigenen Motive? Wie kann verhindert werden, dass Eigennutz, wie Absicherung der eigenen Existenz ein Motiv sein kann?
    Bezogen auf das Ziel der Bekämpfung des Rechtpopulismus folgende Anmerkungen und Fragen: 1. Rechter Populismus funktioniert vor Allem, weil die Menschen darauf abgerichtet sind. Täglich sind sie das Opfer von Werbung aller Art, die vorrangig auf den Verkauf von Produkten gerichtet ist. Sie haben also Populismus bereits mit der Muttermilch aufgenommen und halten diese Form der Stimulation für normal. Müsste nicht hier ein Prozess der Immunisierung gegen diesen Populismus stattfinden? Ist da nicht weiterer Populismus schädlich? 2. Ist nicht anstelle Glaubenssätzen exaktes Wissen erforderlich, um eine selbstbestimmte und richtige Entscheidung jedes Einzelnen zu ermöglichen? 3. Müsste sich nicht die übergroße Mehrheit solidarisch finden, anstelle an äußeren Erscheinungen Menschen auszugrenzen? Nichts Anderes ist nämlich der heutzutage geführte "Kampf gegen Rechts". Führt dieses nicht gerade zur Verfestigung rechter Strukturen? Hier mal ein Beispiel für eine populistische Darstellung in FB-Gruppen: Screenshot (241).jpg
    Inwieweit ist diese Botschaft geeignet, einen Afd-Wähler zu überzeugen? Was ist ein Rechtsextremist? Wieso hat die AfD mit der Wahl eines FDP-Kandidaten das hier formulierte gezeigt? Fragen, über die sich ein Nachdenken lohnt.


  • Oder-Neiße-Friedensgrenze

    @Steffen-Beck "Mensch und Politik heute" bringt mitunter gute Sachen. Hier bei Deinem Beispiel ist es aber gründlich in die Hose gegangen. Hier werden zunächst alle Wähler der AfD undifferenziert beschimpft und ausgegrenzt. In der Begründung wird so getan als ob die AfD nicht in erster Linie nur ein taktisches Spiel getrieben hätte, sondern die FDP wegen ihrer Inhalte gewählt hätte. (In Wirklichkeit haben die ja die CDU und FDP missbraucht und vorgeführt und die haben es mit sich machen lassen.) Weiter wird es kaum jemand lesen, der es lesen sollte. Damit kann man natürlich nicht einen AfD-Wähler für sich gewinnen.
    Eine umfassende Immunisierung gegen Populismus halte ich kaum für möglich, erst recht nicht bei niedrigerem Bildungsstand. Die übergroße Mehrheit der Menschen kann weder die Zeit noch das Interesse aufbringen, um sich politische Zusammenhänge zu erschließen.
    Das ist auch der Grund, warum Plebiszite leicht nach hinten losgehen können. Den "Kampf gegen Rechts", so wie er zur Zeit geführt wird, sehe ich auch kritisch. Ich werde zwar morgen nach Erfurt zur Demo fahren, weil ich als Gewerkschafter der Meinung bin, dass den Anfängen einer drohenden Rückkehr zu Gewerkschaftsverbot oder -Gleichschaltung gewehrt werden muss und weil ich Solidarität mit der gekippten Regierung übe, die z.B. die Arbeitnehmerrechte durch ein neues Personalvertretungsgesetz enorm gestärkt hat. Aber ich befürchte, dass auch dort wieder zu undifferenziert gesprochen werden wird. Ein beträchtlicher Teil der AfD-Wähler ist Protestwähler und denkt kommunitaristisch und nur sehr verschieden weit darüberhinaus rassistisch usw. Und die muss man genauso mit ansprechen. Deshalb sind solche Ansätze wie von diesem Heinz Madsen, erstmal die Leute zu einem Thema auf die Straße zu bringen und dann zu sehen was draus zu machen ist legitim und sollten behutsam aufgegriffen werden.
    Wenn der Linkspopulist Ziele nicht umsetzen kann, dann muss er so klar wie möglich benennen, was ihn daran hindert. Und er darf keinesfalls existenziell abhängig sein von seiner politischen Funktion.



  • "Ein Fanclub und ein Idol, das ist eine Methode, die ansetzt am Konzept Elite-Masse, erwiesenermaßen ein neoliberales Konzept übrigens auch eine Grundlage für die parlamentarische Demokratie."

    @Steffen-Beck, dieser kurze satz zeigt die ganze Verwirrung. Alles wird durcheinander geworfen.

    Das konzept "Elite-Masse", ein "neo-liberales Konzept"? Auch. Es ist das Prinzip elitaerer Strukturierung. Auch im Feudalismus galt es.

    Es kam nun die Republik dazu. Repraesentativ, klar. Alles auf dieser Basis. Die Demokratie loest dieses Elite-Masse-Verhaeltnis auf und kann von daher weder repraesentativ noch parlamentarisch sein. Entweder, oder.

    Du musst dich schon entscheiden, wofuer du agieren willst. Aufklaerung waere da ein gutes Hilfmittel.


  • Niedersachsen

    Lieber @willi-uebelherr , die Verwirrung scheint auf Deiner Seite zu herrschen. In meinen Sätzen steckt auch meine Kritik, die Du auch nicht so einfach wegwischen kannst. Aber ich kann ausfühlicher schreiben, immer mache ich den Fehler, anzunehmen, dass sich Leute mein Geschreibsel merken. Das alles habe ich in diversen Einzelportionen schon mal geschrieben. Z.b am 12.8. diesen Text:

    "Aufstehen und die Fans

    ...ein sensibles Konfliktfeld. Vorausstellen möchte ich, dass Aufstehen jeden Einzelnen braucht. Ob er parteilos oder in einer Partei ist. Auch in welcher Partei er ist, ist egal, solange er mit den Zielen des Gründungsaufrufs mitgehen kann. Nicht nur Linke sind durch die neoliberale Politik geschädigt, sondern jeder, der nicht zu den oberen 10000 gehört. Jeder der fähig ist, solidarisch zu sein, hat einen Platz in unserer Bewegung. In der bisherigen Politik haben a l l e Parteien versagt. Keine Partei hat geschafft, eine menschenwürdige, friedliche und umweltschonende Politik zu betreiben. Die Parteien sind gefordert, ihre Politik zu ändern. Dazu, um die Parteien in diese Richtung zu bewegen, wurde die Bewegung von Sahra Wagenknecht initiiert. Viele Menschen in diesem Land sind von Sahra beeindruckt, ja es ist so, sie hat eine umfangreiche Fangemeinde. Viele ihrer Fans sind oder waren Mitglieder von Aufstehen. Auf FB gibt es große Fan-Gruppen. Soweit ist auch alles ok. Es fängt allerdings an, problematisch zu werden, wenn eine Fan-Gemeinde eine Bewegung sein will. Jede Bewegung ist ganz natürlich basisdemokratisch, ohne den schöpferischen Beitrag des Einzelnen läuft nichts. Auch nicht ohne die Initiative des Einzelnen. Eine Fangemeinde ist das absolute Gegenteil davon. Diese bewegt sich auf einen Wink des Idols. Ein Beispiel für eine klassische Diktatur (beruhend auf absoluter Freiwilligkeit). Nun warten die Fans auf einen Wink, aber der kommt nicht. Sarah schweigt. Mancher Fan ist enttäuscht und setzt sich wieder. Mancher ist ratlos. Es wäre schön, wenn Sahra ihren Fans sagen würde, sie sollen sich in die Bewegung einbringen und nicht weiter auf Anweisungen warten. "

    Über den Zusammenhang Neoliberalismus-Elitetheorie verweise ich Dich an Mausfeld. In seinem Buch "Warum schweigen die Lämmer" lässt er sich sehr genau über die Mechanismen aus. Den Begriff "parlamentarische Demokratie" verwende ich selbstverständlich nicht synonym zum Begriff "Demokratie". Muss ich das wirklich klarstellen? Und letztlich Aufklärung ist tatsächlich ein Hilfsmittel, ist die Lösung für das angedeutete Dilemma.
    Nun möchte ich noch einen Gedanken dranhängen, der die Notwendigkeit, vom linken Populismus abzulassen, noch unterstreicht. Gerade, dass Linke der Elitetheorie nachhängen ist ein spätes Erbe des Stalinismus und gehört gründlich überwunden. Nur so wird der Weg frei zu echter Solidarität und zu gesellschaftlicher Akzeptanz.


  • Web-Auftritt

    @Steffen-Beck sagte in Linker Populismus - Kann das unser Weg sein?:

    @gwhh sagte in Linker Populismus - Kann das unser Weg sein?:

    Ein Beispiel: https://youtu.be/d6oxkqe6c_Y

    Das ist, finde ich ein guter Einstieg in die Diskussion, einmal zu erleben, wie Linkspopulismus praktisch gemacht wird. Mir fallen Parallelen auf zu öffentlichen Auftritten von Sahra, die etwa ähnlich ablaufen. Diese Diskussion soll aber kein Plaudereckchen werden, darum provoziere ich mal ein wenig. 1. Wir haben hier Idol und Fanclub. Kann ein Fanclub eine Bewegung sein? Wenn ja, wo gibt es Beispiele für Erfolge? 2. Ein Fanclub und ein Idol, das ist eine Methode, die ansetzt am Konzept Elite-Masse, erwiesenermaßen ein neoliberales Konzept übrigens auch eine Grundlage für die parlamentarische Demokratie. Schließt diese Herangehensweise nicht einen Erfolg von vorn herein aus? 3. Haben die Mitglieder des "Fanclubs" eine aktive Rolle oder gehen sie nur als Zählmasse in den Prozess ein? 4. In diesem Zusammenhang entsteht die Frage, ob eine solche Vorgehensweise mit der Notwendigkeit einer Demokratisierung konform geht.
    Zum Populismus im Allgemeinen. Er wird oft nach Bedarf definiert. An anderer Stelle habe ich mich mit einer Definition der Bertelsmann-Stiftung beschäftigt, die sehr parteiisch für die Herrschenden war: Populismus.pdf . Der Populist sei der Mensch, der 1. ein Mandat von einer Masse erhält und 2. dieses Mandat umzusetzen hat. Das eine ohne das andere geht nicht. Dies dürfte auch ein Problem für die AfD werden, die sich ja jetzt so intensiv für die Probleme der Alten einsetzt. Sie wird definitiv nicht liefern können. Wie sieht das aber bei den Linkspopulisten aus? Wie können die liefern? Das Konzept scheint zu sein, dass zB die Linkspartei oder eine Verbindung RRG die Wahlen gewinnt, und dann in der Pflicht steht, Versprochenes auch umzusetzen. Hier sehe ich folgendes Problem: Wenn man volkstümlich vereinfacht, um Wähler zu mobilisieren, geht folgerichtig Präzision verloren. Wenn der Populist ein Programm in der Hinterhand hat und dieses nur vereinfacht formuliert, mag es zur Erreichung des Ziels genügen.

    Bernie Sanders ist natürlich ein Sonderfall: er ist seit über 40 Jahren auf derselben politischen Spur unterwegs und war in der amerikanischen Politik oft der Einzige, der konsequenten Widerspruch gegenüber der neoliberalen Entwicklung zur Sprache brachte und der sich nicht einwickeln ließ.
    Das ist der Grund, weshalb er unter der Linken und - was in den USA wichtiger ist - bei der Arbeiterklasse hohes Vertrauen genießt.
    Solche Figuren haben wir in Europa / bei uns selten; Sahra Wagenknecht kommt ihm noch am nächsten, wurde dann aber, wie wir wissen, von diversen Polit-Funktionären der Linken gekapert, die ihr Potenzial stillgelegt haben.

    Bei Sanders kam hinzu, dass er - ohne irgendein Regierungsamt - erreichte, dass bei Amazon/USA der Mindestlohn auf 15$ angehoben wurde und damit zum Teil verdoppelt für +- 300.000 Mitarbeiter. Welcher Politiker bei uns kann einen solchen Erfolg vorweisen?

    Was aber ist, wenn der Populist sogar mit einer Mehrheit im Parlament, diese Ziele nicht umsetzen kann. Z.b. wegen rechtlicher Bindungen in der EU oder einfach fehlenden finanziellen Mitteln, oder einfach wegen geltender Gesetze. Hierbei denke ich zum Beispiel an Griechenland.

    Bernie hat für solche Fälle seine Konzepte entwickelt, da er bisher nie in der Lage war, irgendetwas mit einer Parlamentsmehrheit durchzusetzen, sondern immer gegen den Strom schwimmen mußte.

    Im Unterschied zB. zu Syriza in Griechenland geht er davon aus, dass er MIT der Basis seiner Bewegung weiter zusammenarbeitet auch NACH der Übernahme der Regierung. Dies hat weder Syriza in Griechenland noch Podemos in Spanien getan.
    Und von der Linken bei uns wäre das, wie wir wissen, ebensowenig zu erwarten: wer - zB. bei der Aufstehen-Basis - könnte denn zur Linken das nötige Vertrauen haben, die die "Basis" immer nur als Fußvolk betrachtet hat und sich um so etwas wie Vertrauen erst gar nicht bemüht ? - der Aufstehen Trägerverein hat das in aller Deutlichkeit demonstriert...

    Eine entscheidende Frage ist die Ehrlichkeit des Populisten. Wo liegen seine eigenen Motive? Wie kann verhindert werden, dass Eigennutz, wie Absicherung der eigenen Existenz ein Motiv sein kann?

    Im Fall von Bernie Sanders ist das in seiner Persönlichkeit klar festzustellen: er ist jahrzehntelang gegen den Strom geschwommen und war der Einzige, der vor 8 Jahren, als unter Obama die Steuersenkungen für Milliardäre dauerhaft festgeschrieben wurden, protestierte mit einer fast 9 Stunden dauernden Rede im Kongress (vor leeren Bänken), in der er alle Übel des neoliberalen Systems aufzählte und die ihn (unerwartet) der linken Öffentlichkeit bekannt machte.

    Es gibt bei Leuten, wie ihm, eine Art von "spiritueller Ausrichtung" auf ihre Mission, wie vorher zB. bei Fidel Castro, bei Nelson Mandela, bei Hugo Chavez oder Lula in Brasilien.

    Solidarität

    Ein wesentlicher Aspekt von Bernie's Kampagne ist, dass er immer wieder das Konzept der Solidarität betont.
    ZB. mit dem Slogan "Not me. Us!"
    Das Bemühen um das Wiederherstellen von Gemeinschaft und Solidarität zieht sich durch fast alle Aktivitäten und Auftritte - auch und gerade emotional. Das gibt ihnen einen Schwung, den wir in Deutschland überhaupt nicht mehr kennen.
    Bei der deutschen Linken sehe ich jedenfalls fast nichts davon.


  • Niedersachsen

    @gwhh Du betonst, die herausragenden, nicht alltäglichen Charaktereigenschaften von Sanders, Castro, Mandela Chavez oder Lula. Die meisten Menschen haben diese Eigenschaften nicht. Also funktioniert linker Populismus nicht als allgemeine Methode. Auch aus diesem Grund müssen wir über Alternativen nachdenken. Man könnte es auch so sagen: Unter solidarischen Menschen funktioniert auch Linkspopulismus, aber da funktioniert sogar Diktatur. Also muss es um die Entwicklung der Demokratie gehen, um diese Solidarität zu erreichen.



  • Lieber @Steffen-Beck, es ist schwierig fuer mich, eine diskusion mit dir ueber "Links-Popularismus" zu fuehren, um dann vielleicht auf limitierungen zu stossen, solange du nicht dein verhaeltnis zu diesem "Begriff" erklaerst.

    "In der bisherigen Politik haben a l l e Parteien versagt. Keine Partei hat geschafft, eine menschenwürdige, friedliche und umweltschonende Politik zu betreiben."

    Richtig, es ist auch nicht ihre aufgabe. Insofern geht es auch nicht um "versagen", weil sie alle sehr erfolgreich waren.

    Der kern der Frage ist doch: Wer steht im Vordergrund? Die Kapitalfluesse oder die Menschen, die staatliche Gewaltautoritaet oder die menschlichen Gemeinschaften. Irgendwann musst auch du dich dazu erklaeren, was fuer dich im Vordergrund steht.

    "Links-Populismus" zeigt auf eine verantwortung fuer die Vielen. Ich meide generell die 1%/99% relation, weil ich sie fuer falsch halte. 1% von 80 Millionen sind 800.000. Das reicht definitiv nicht. 10% waeren 8 Millionen. Das passt schon eher, ist aber auch deutlich zu wenig.

    "Rechts-Populismus" zeigt auf Kapitalfluesse und Staatsapparate. Damit werden die menschen und ihre gemeinschaften negiert und ignoriert. An ihre Stelle treten abstrakte Organisationsstrukturen. Auch sie muessen sich an die Vielen wenden. Ihre methode ist, die private Kapitalakkumulation als im Interesse der Vielen zu erklaeren.

    Auch die PdL treibt "Rechts-Populismus", wie wir es an ihrer Akzeptanz der privaten Geld- und Finanzsysteme sehen. Auch an ihrer Ausrichtung auf staatliche Apparate, parasitaeren politischen Ueberbau und die Erhaltung des oekonomischen Unterbaus als Privat-Angelegenheit. Deutlich wird es auch mit ihrer Anerkennung von Israel und der Negierung der PalestineserInnen, wodurch sie die Grundlagen des Voelkerrechts und der UN-Charta aushebeln. Es interessiert sie nicht.

    In deiner antwort an Gerhard @gwhh schreibst du:
    "Man könnte es auch so sagen: Unter solidarischen Menschen funktioniert auch Linkspopulismus, aber da funktioniert sogar Diktatur."

    Dein begriffliches Fundament ist eine wirkliche Katastrophe. Alles wird der aktuellen Beliebigkeit unterworfen. Damit verlierst du jede Referenz,

    Nun zurueck:
    "Den Begriff "parlamentarische Demokratie" verwende ich selbstverständlich nicht synonym zum Begriff "Demokratie"."

    Doch, genau das tust du. Du verwendest Demokratie im Zusammenhang mit Parlamentarismus, der Repraesentation. Aber das geht nicht, weil Demokratie keine Repraesentation zulaesst und die Repraesentation keine Demokratie. Und letztlich reproduzierst du taeglich diesen Schwachsinn. Die DDR war ja ein vollwertiges bespiel fuer Begriffsfledderung. Da wurde jeder bgriff beliebigst benutzt, um irgendwelche Trigger zu aktivieren.

    "Gerade, dass Linke der Elitetheorie nachhängen ist ein spätes Erbe des Stalinismus und gehört gründlich überwunden."

    Auch das ist voellig falsch. Es war von anfang an in den Arbeiterbuenden vorhanden. Ihr Verhaeltnis zu Bakunin und Kropotkin schreibt viele Baende dafuer. Sie waren strikt gegen Demokratie. So kam es auch, dass sie mit dem begriff "Diktatur des Proletariats" hervorragend schwanger gehen konnten. Es war die Bestaetigung ihrer personalen Interessen und moeglich, weil sie sich zur "Avantgarde des Proletariats" erklaeren koennten.

    Nochmal zurueck zum Kern: "Popularismus".

    Fuer dich scheint es die Anbiederung zu sein, den Vielen "Honig ums Maul schmieren". Insofern hast du recht, wenn du Sahra Wagenknecht als "PopularistIn" bezeichnest. Aber "Links"?

    Wenn wir die Frage stellen, wer steht bei ihr im Vordergrund, dann sind es auch Kapitalfluesse, staatliche Apparate, repraesentatives Theater. Sie spricht viel ueber "Umverteilen", laesst aber voellig weg, wie das, was verteilt werden soll, entsteht. Sie geht konform mit privater Kapitalakkumulation, weil sie deren begruendung, die privaten Geld- Finanzsysteme, anerkennt. Es gibt fuer sie nur Markt und Kapital.

    So bringt sie ein christliches Sozilverstaendnis in den Raum. Die Vielen sollen nicht ganz leer ausgehen bei diesem Spiel. Damit Markt und Kapital wirken koennen, brauchen wir etwas mehr Kaufkraft. Sie verlagert die soziale Frage in den Markt-Fetischismus.

    In Gesellschaften, deren Mitglieder auf den Egoismus getrimmt sind, funktioniert das nicht. Und widerspricht auch voellig den Basen, weil Markt und Kapital organisierter Egoismus selbst ist. Es geht dann also nur um etwas weniger und mehr. TINA bleibt erhalten.


  • Niedersachsen

    @willi-uebelherr sagte in Linker Populismus - Kann das unser Weg sein?:

    Lieber @Steffen-Beck, es ist schwierig fuer mich, eine diskusion mit dir ueber "Links-Popularismus" zu fuehren, um dann vielleicht auf limitierungen zu stossen, solange du nicht dein verhaeltnis zu diesem "Begriff" erklaerst.

    Es geht, da stimme ich Dir eindeutig zu, um die Probleme der Menschen, die einer komplexem Lösung bedürfen. Eigentlich gibt es keinen Populismus, der diese Aufgabe erfüllen kann. Auch der linke Populismus ist immer parteiisch, und dient der Gewinnung der Macht durch eine Partei. Der Populismus suggeriert den Menschen, dass diese Partei, die Probleme durch ihre Politik lösen kann. Für manche Menschen kann die Partei das vieleicht, wenn sie sich ganz nah an ihre Klientel heranwagt. Viele Menschen werden aber "eingefangen", die von der Parteipolitik nicht profitieren können, sie sind sowas wie "Beifang". Populismus ist eine "Gießkannen-Strategie", um mit wenig Aufwand viele Stimmen zu bekommen. Er nutzt häufig die Massenpsychologische Hypnose aus, die ich nicht für solidarisch halte. Durch diese wird eine Zustimmung erreicht, die nicht notwendig mit den Interessen des Zustimmers übereinstimmen muss. Und, das halte ich für sehr wichtig, der Einzelne ist nicht das Maß des gemeinschaftlichen Handeln, sondern ausschließlich der manipulierende Anführer, der Populist.


  • Web-Auftritt

    @Steffen-Beck sagte in Linker Populismus - Kann das unser Weg sein?:

    @gwhh Du betonst, die herausragenden, nicht alltäglichen Charaktereigenschaften von Sanders, Castro, Mandela Chavez oder Lula. Die meisten Menschen haben diese Eigenschaften nicht. Also funktioniert linker Populismus nicht als allgemeine Methode. Auch aus diesem Grund müssen wir über Alternativen nachdenken. Man könnte es auch so sagen: Unter solidarischen Menschen funktioniert auch Linkspopulismus, aber da funktioniert sogar Diktatur. Also muss es um die Entwicklung der Demokratie gehen, um diese Solidarität zu erreichen.

    Man findet diese Solidarität fast durch gehend in der Kampagne / Bewegung von Bernie Sanders.
    Bei Bernie selbst ergibt sich der starke Eindruck, als ob ihm die Art und Weise, in der er persönlich involviert ist, eher gleichgültig ist, sondern dass er sich von seiner Mission getrieben fühlt und sofort bereit ist, die Führung an andere abzugeben, wenn diese dafür bereit sind - eher früher als später.
    Sein Hauptinteresse liegt in dem Erfolg seiner Bewegung. Finanzielle oder berufliche Interessen hat nicht. Auch eine Machtposition ist ihm egal bzw. eher zuwider.

    Dies persönliche Profil / diese Orientierung findet man aber bei vielen, die an dieser Bewegung beteiligt sind.
    Und Bernie und andere der Sprecher erinnern immer wieder an die Notwendigkeit einer Solidarität, die weit über Einzelinteressen hinausreicht.

    Diese Einstellung ist in Deutschland vielleicht noch nicht möglich, weil sich der überwiegende Teil der Bevölkerung als vereinzelt begreift und den meisten der Gedanke an Solidarität eher fremd ist.
    In unserer Gesellschaft dominiert seit langer Zeit die Indoktrination, dass das Leben ein Kampf von jedem gegen jeden sei, in der Konkurrenz um Arbeitsplätze, Marktanteile usw. und dass Schwäche oder Rücksichtnahme in diesem Kampf gnadenlos bestraft wird mit einer Verringerung der eigenen Überlebenschancen, also ein kaum verbrämter Sozialdarwinismus.
    Der Erfolg von Gemeinschaften wird marginalisiert, als Ausnahme von der Regel betrachtet.

    In den USA ist die Lage heute so, dass sich eine große Mehrheit der Bevölkerung wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand sieht, weitgehend als Lohnsklaven, ständig bedroht von größeren Unannehmlichkeiten oder Katastrophen, wie ein kaputtes Auto, Krankheit, Jobverlust usw., ohne Reserven dafür verfügbar zu haben, während gleichzeitig eine kleine Minderheit in unvorstellbarem Luxus lebt.

    Es steht dort also noch erheblich krasser, als bei uns.
    In dieser Situation macht es Bernie und seinen Unterstützern keine Schwierigkeiten, von Klassenkampf und Revolution zu sprechen, was bei uns kaum denkbar ist, während vor allem die nachwachsenden Generationen Klassenkampf und Revolution für gut und richtig halten. Viele von ihnen sprechen aktuell von "the most important election of our lifetime", während ihnen bewusst ist, dass die Wahl von Bernie ins Weisse Haus allein nicht viel bringt, sondern dass der Kampf danach weiter geht, aber unter erfolgversprechenderen Bedingungen.

    Bernie ist - wie auch Chomsky erklärt - auf die auch nach der Wahl andauernde Mobilisierungsbereitschaft seiner Anhänger angewiesen.

    Bernie fungiert dabei vor allem als Sprachrohr: es gibt wohl niemanden außer ihm, der in der Lage ist - nach über 40 Jahren Training - die adäquate Klassenkampfrhetorik bei seinen Auftritten zum Einsatz zu bringen und damit die Bewegung immer neu in Schwung zu bringen, auch wenn es inzwischen einige jüngere Nachwuchstalente dafür gibt, die zB. bei Occupy Wallstreet oder bei verschiedenen Gewerkschaften trainiert haben.

    Die allgemeine bei uns verbreitete politische Naivität ist deshalb dort schon zum erheblichen Teil abgebaut worden, vor allem bei den nachwachsenden Generationen, die bei uns zum erheblichen Teil politisch desorientiert sind.

    Die politische Aufklärung ist bei uns bisher stark unterentwickelt mit der Konsequenz, dass die meisten politischen Aktivitäten nutzlos sind und es gibt viel zu wenige hierzulande, die bereit sind, dies Defizit zu beheben, und die wenigen, die es hier gibt, werden allzuhäufig durch Antideutsche oder andere Trollfraktionen aufgestoppt.

    Solange sich daran nichts ändert, sind politische Aktionen nahezu obsolet, da ineffizient und deshalb muss man sich über die Verteilung einer linken Gegenmacht keine Gedanken machen: ihr Entstehen ist bisher bei uns nicht absehbar.



  • Lieber @Steffen-Beck, in deiner letzten antwort lese ich nur negatives zum begriff "Popular", "Popularismus", "Populismus". Ich vermute, dass die 3. version von jenen geschaffen wurde, die den stamm dieser worte verschleiern wollen.

    Wir bewegen uns dabei in raum der lateinischen Sprache und das ist wohl auch der grund, warum in Latein Amerika mit diesem Begriff positives wie auch negeatives verbunden ist. Ich selbst beziehe mich auf "popular", dem Volke zugewandt. Das ist eine positive bestimmung.

    "UTEP" Argentina (Union de TrabajadorAs de la Economia Popular) oder "CTEP" Argentina (Confederación de Trabajadores de la Economía Popular) sind fuer mich die 2 wichtigsten bewegungsformen in Argentinien zur Zeit. Waehrend der Macri-Krise haben sie die Versorgung der Menschen in den Staedten organisiert.

    Wenn wir nun dein negatives Abwickeln betrachten, das ja voellig ohne realen bezug zur Geschichte des "Popularismus", und insbesondere "Links-Popularismus" in Gestalt von Che Guevara und Hugo Chavez daherkommt, gewissermassen aus der eigenen, europaeischen Sokratischen "Hoehle", dann verstehe ich natuerlich dein wildes Zappeln. Du bist mit etwas konfrontiert, was dir zutiefst emotional gegen den Strich geht, weil es fuer dich mit europaeischem Muell ueberladen ist.

    Sich einzusetzen fuer die Gemeinschaft wird in Europa als "Populismus" degradiert. Das zeigt auf eine extreme Arroganz gegenueber den wirklich taetigen Menschen. Angesehen gilt, wer nicht arbeiten muss, um gut leben zu koennen. Der kern des antiken Athen und Rom.

    Wenn ich nun sage, dass die tragenden Saeulen einer Gesellschaft die Bauern, Handwerker und Techniker sind, weil nur sie fuer die Herstellung der materiellen Lebensgrundlagen fuer Alle wirken, waehrend die anderen nur verbrauchen, ohne etwas beizutragen, dann ruht dies nun einerseits auf einer strengen Analyse der Oekonomie, die mich in die Lage versetzt, streng populaer zu agieren und andererseits an der Erkenntnis, dass jede gesellschaftliche Transformation, die die Gemeinschaft im Auge hat, nur aus der Gemeinschaft heraus sich entfalten kann.

    Selbstverstaendlich finden wir da auch jene, die es ausschliesslich auf der Geschwaetzebene anwenden wie z.b. die PSUV in Venezuela, MAS in Bolivien, PT in Brasil und so weiter. Bei Sahra Wagenknecht und Oscar Lafontaine oder Albrecht Mueller sehe ich das gleiche. Das sind unterschiedliche Niveaus, die davon abhaengen, wie tief die akteure in die Welt der Oekonomie eintauchen wollen, um zu verstehen, wie eigentlich Gesellschaften existieren.

    Der Fokus dabei liegt auf dem materiellen Sein, wenn wir Karl Marx und seinen Satz "das Sein bestimmt das Bewusst-Sein" ernst nehmen wollen. Wenn wir eine parasitaere Existenzform leben, dann wird notwendig auch unser Denken parasitaer. Dann koennen wir tatsaechlich uns beliebigst "volksnah" geben, ohne dabei unsere wirklichen Intentionen offen legen zu muessen.



  • Lieber Gerhard @gwhh, meinen grossen dank fuer deinen letzten beitrag.


  • Niedersachsen

    @gwhh sagte in Linker Populismus - Kann das unser Weg sein?:

    Und Bernie und andere der Sprecher erinnern immer wieder an die Notwendigkeit einer Solidarität, die weit über Einzelinteressen hinausreicht.
    Diese Einstellung ist in Deutschland vielleicht noch nicht möglich, weil sich der überwiegende Teil der Bevölkerung als vereinzelt begreift und den meisten der Gedanke an Solidarität eher fremd ist.
    In unserer Gesellschaft dominiert seit langer Zeit die Indoktrination, dass das Leben ein Kampf von jedem gegen jeden sei, in der Konkurrenz um Arbeitsplätze, Marktanteile usw. und dass Schwäche oder Rücksichtnahme in diesem Kampf gnadenlos bestraft wird mit einer Verringerung der eigenen Überlebenschancen, also ein kaum verbrämter Sozialdarwinismus.

    Das @gwhh scheint mir der Kern des Problems zu sein. Leider ist in Deutschland ( und das ist der Raum, in dem ich mich bewege, lieber @willi-uebelherr, nicht weil ich das Problem national sehe, das tue ich durchaus nicht, sondern weil dies der Bereich ist, der meiner Erfahrung entspricht) Einiges im Argen. Wir haben im Verhalten der Linkspartei in der Bewegung Aufstehen ein Musterexemplar an fehlender Solidarität erlebt, und es scheint, dass die Vorstellung von "Volksvertretung" bei dieser Partei (und nicht nur bei dieser Partei) stark gestört ist. Politik-Profis glänzten durch die Anwendung von professionellen Werbekonzepten, @Clau178 sprach im Zusammenhang mit einem Gruppentreffen von einer PR-Maßnahme. Dementsprechend sehen die Filme und Plakate, die im Auftrag dieser Partei in des sozialen Medien gestreut werden auch aus. Beim Organizing geht es um Rekrutierung. Das alles kann so nicht gut gehen. Vor Allem, dass es nicht gut geht, sehen wir an der Stärke dieser Bewegung. Nun ist es an der Zeit, dass auch die Linkspartei Lehren zieht, natürlich nur unter der Voraussetzung, dass ihr der Gründungsaufruf der Bewegung inhaltlich etwas bedeutet. Lieber Willi, die einzige Aussage, die ich hier treffe, ist, dass hier die Zuwendung zum Volk fehlt und unbedingt hergestellt werden muss. Und zwar nicht mit PR-Tricks, sondern ehrlich.



  • ".. die einzige Aussage, die ich hier treffe, ist, dass hier die Zuwendung zum Volk fehlt und unbedingt hergestellt werden muss. Und zwar nicht mit PR-Tricks, sondern ehrlich."

    Ja, @Steffen-Beck, so verstehe ich auch dein wirken. Nur, was du in deinem Satz ausser acht laesst, ist, dass die PdL zu 90% von oeffentlichen geldern lebt. Dass ihr ganzer Apparat davon lebt. Jetzt frage ich mich, wie sollen denn die Funktioaere und Apparatschiks dieses Apparates sich "dem Volke zuwenden", das nichts hat? Damit gefaehrden sich doch ihre eigene Existenzform.

    Hier wieder zu Niclas Luhmann, empirischer Soziologe aus Bielefeld. Alle Organisationen tendieren wegen ihrer inneren pyramidalen Struktur nach einiger Zeit dazu, sich nur noch mit ihrer Selbsterhaltung zu beschaeftigen.

    Du kannst das materielle Sein, also die Existenzform, nicht einfach ignorieren.



  • Liebe freunde, hier vor allem Gerhard @gwhh,

    Coop Antiwar Cafe Berlin hat einen text der New York Times NYT teilweise uebersetzt und das englische Original verlinkt:

    Bernie Sanders würde als US-Präsident einen Präventivschlag gegen den Iran oder Nordkorea in Betracht ziehen. Verstörende Standpunkte in Bezug auf Russland und China.
    17.02.2020
    https://cooptv.wordpress.com/2020/02/17/sanders-wuerde-praeventivschlag-gegen-iran-oder-nordkorea-in-betracht-ziehen-daemonisiert-russland-und-china/

    Bernie Sanders
    NYT, ??
    https://www.nytimes.com/interactive/2020/us/politics/bernie-sanders-foreign-policy.html

    Ja, so ist die Wirklichkeit. Alles andere sind nur Kommentare.


  • Web-Auftritt

    @willi-uebelherr sagte in Linker Populismus - Kann das unser Weg sein?:

    Liebe freunde, hier vor allem Gerhard @gwhh,

    Coop Antiwar Cafe Berlin hat einen text der New York Times NYT teilweise uebersetzt und das englische Original verlinkt:

    Bernie Sanders würde als US-Präsident einen Präventivschlag gegen den Iran oder Nordkorea in Betracht ziehen. Verstörende Standpunkte in Bezug auf Russland und China.
    17.02.2020
    https://cooptv.wordpress.com/2020/02/17/sanders-wuerde-praeventivschlag-gegen-iran-oder-nordkorea-in-betracht-ziehen-daemonisiert-russland-und-china/

    Bernie Sanders
    NYT, ??
    https://www.nytimes.com/interactive/2020/us/politics/bernie-sanders-foreign-policy.html

    Ja, so ist die Wirklichkeit. Alles andere sind nur Kommentare.

    Ich sehe nur keinen zuverlässigen Beleg dafür, dass dies eine Position von Bernie Sanders ist: die New York Times gehört seit Längerem nicht zu den Quellen, die man als zuverlässig einschätzen kann - man erinnere sich nur an die Lügen die angeblichen Massenvernichtungswaffen des Irak betreffend, die von ihr immer wieder verbreitet wurden.

    In einem Fernsehinterview erklärt er seinen Standpunkt in einer Weise, die überhaupt nicht zusammenpasst mit der Darstellung der New York Times: https://www.youtube.com/watch?v=VHq6xauQOcs
    oder https://www.youtube.com/watch?v=Ahv4nYd6fLI

    Er sagt (nicht nur hier) dass ein Militäreinsatz immer die letzte Option bleiben muss, was deutlich gegen Präventivschläge spricht.
    Bernie wird von anderer Seite beschuldigt, den Iran unterstützt zu haben: https://www.thedailybeast.com/when-iran-took-americans-hostage-bernie-backed-irans-defenders
    https://www.jpost.com/American-Politics/Bernie-Sanders-joined-a-party-that-supported-Iran-during-hostage-crisis-614524

    Er erklärt im Übrigen immer wieder, dass er den militärisch-industriellen Komplex konfrontieren will, eine Position, mit der er in der Washingtoner Politik fast allein dasteht.

    Gleichzeitig ist Außenpolitik nicht seine Stärke; viel besser ist in dieser Hinsicht Tulsi Gabbard, die sich mit ihren anti-militaristischen Positionen schon viel Ärger eingehandelt hat, zB. als sie vor 3 Jahren Syrien besuchte und mit Assad redete.
    Es ist nicht gerade unwahrscheinlich, dass Bernie - wenn er die Wahl gewinnt - Tulsi Gabbard, die ihn früher schon massgeblich unterstützte, als Außen- oder Verteidigungsministerin einsetzt.



  • Lieber Gerhard @gwhh, es war mir klar, dass das Coop Cafe Berlin den ganzen beitrag der NYT etwas eingeschraenkt und so auch verfaelscht hat.

    Die NYT hat eine umfrage an die kandidaten verteilt und bei Bernie Sanders haben seine Presse-Organe geantwortet. Nicht er selbst. Aber wir koennen doch eine hohe Uebereinstimmung zu Grunde legen. Deswegen ist der originaltext in der NYT eigentlich wichtig.

    Und da sieht es tatsaechlich etwas vermischter aus. Tulsi Gabbard tritt klar fuer die beendigung des militaerischen Wahns ein, was bei Bernie Sanders nicht so konsequent vorhanden ist. Die transformation des industriell-militaerischen Komplexes in eine zivile Einrichtung bei gleichzeitiger reduktion der Standard-Arbeitszeit per Woche ist auch in der USA ein thema, aber nicht bei Bernie Sanders. Voellig fehlt eine Position zur Dollarhegemonie und der privaten Geld- und Finanzsysteme.

    Allerdings, da gebe ich dir recht, Bernie Sanders als Praesident kann einen Raum eroeffnen, wo all diese themen offen und frei dabattiert werden koennen. Unter den Kandidaten fuer die Praesidentschaft ist er der einzige, der dies ermoeglicht.


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